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Hauptversammlung in Köln: Vapiano-Aktionäre halten still

Wirtschaftswoche-Logo Wirtschaftswoche 21.08.2019 Buschmann, Georg
Die Hauptversammlung der Restaurantkette lief ruhig. Die vorgeschlagenen Pläne für die Zukunft werden von den Aktionären positiv gesehen. © dpa Die Hauptversammlung der Restaurantkette lief ruhig. Die vorgeschlagenen Pläne für die Zukunft werden von den Aktionären positiv gesehen.

Trotz schlechter Zahlen verläuft das Aktionärstreffen der angeschlagenen Restaurantkette relativ ruhig – auch dank der mächtigen Großaktionäre. Dabei könnten sich die Aktionäre über weit mehr als hohe Verluste ärgern.

Emotional wird es auf der Vapiano-Hauptversammlung im Kölner Dorint Hotel das erste Mal, als der Versammlungsleiter die Mittagspause ankündigt. Ein Vapiano-Aktionär, der gerade offenbar schon beim Buffet war, stürmt Richtung Podium und beklagt, dass dort schon keine Schnittchen mehr liegen. Hungrige Anteilseigner müssen anschließend auf Nachschub warten. Damit teilen sie das Schicksal vieler Vapiano-Gäste.

Lange Wartezeiten sind auch in seinen mehr als 200 Restaurants ein Kernproblem des Unternehmens. Viele Kunden kehren der Restaurantkette daher den Rücken. Im vergangenen Jahr ging der Umsatz je Quadratmeter Restaurantfläche um ein Prozent zurück. Dabei ist das Unternehmen eigentlich auf Wachstum ausgerichtet: Die Erlöse aus dem Börsengang 2017, immerhin rund 86 Millionen Euro, wollte Vapiano in die internationale Expansion stecken. Doch vor allem die Geschäfte im Ausland entwickelten sich nicht wie erhofft, verschlangen aber enorme Investitionen.

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Der Konzern musste daher die Gewinnprognose im vergangenen Jahr mehrmals nach unten korrigieren und rutschte tief in die roten Zahlen. Bei 371 Millionen Umsatz weist er einen Verlust von 101 Millionen Euro aus, die Eigenkapitalquote sank zum Jahreswechsel auf nur noch 13 Prozent. Die Verluste brachten Vapiano in schwere Finanznöte. Die Großaktionäre, zu denen unter anderem die Erben-Familien Herz (Tchibo; 47 Prozent Anteilsbesitz) sowie Sander (Wella, 15,5 Prozent) zählen, mussten Geld zuschießen. Vergangenes Jahr zeichneten sie neue Aktien und stellten dem Unternehmen so 20 Millionen Euro zur Verfügung. Dieses Jahr sprangen die Eigentümer erneut ein und schossen über mit 10 bis 13 Prozent verzinste Nachrangdarlehen einen zweistelligen Millionenbetrag zu. Die Finanzspritzen halfen, zusammen mit weiteren Kreditlinien der finanzierenden Banken, den Konzern zu stabilisieren.

Expansions-Know-how ist nicht mehr gefragt

Doch die Ruhe währte nur bis vergangene Woche. Vapiano hatte Anfang des Jahres vermeldet, sein US-Geschäft für insgesamt 20 Millionen Dollar (etwa 18 Millionen Euro) an den Private-Equity-Investor Plutos Sama zu verkaufen. Doch der Käufer hat den Kaufpreis bis zum 16. August nicht bezahlt, wie Vapiano einräumen musste. Das Unternehmen gab daher vergangenen Freitag bekannt, nun auch nach anderen Käufern zu suchen. Zwei Tage später schmiss zudem der erst Ende November als Chef installierte Cornelius Everke „aus persönlichen Gründen“ hin. Schon sein Vorgänger Jochen Halfmann und der im Januar ausgeschiedene Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Tochtermann hatten persönliche Gründe für ihr plötzliches Ausscheiden bei Vapiano genannt.

Für Gesprächsstoff war also auf der Hauptversammlung am Mittwoch auch jenseits des Buffets gesorgt. Das Aktionärstreffen verlief dann in vielerlei Hinsicht kurios. So erklärte etwa noch der zum Monatsende ausscheidende Vorstandschef Cornelius Everke den Aktionären die künftige Strategie. Seine designierte Nachfolgerin, die bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Vanessa Hall, saß derweil im knallroten Kleid auf dem Podium drei Plätze weiter links und lauschte. Hall hätte die Hauptversammlung aufgrund ihres aktuellen Amtes eigentlich leiten sollen. Weil die Britin aber kein Deutsch spricht, musste diese Aufgabe ihr Stellvertreter Hinrich Stahl übernehmen. Hall, die dem Aufsichtsrat seit vergangenem Jahr angehört und im Gremium erst bestätigt werden muss, stellte sich den Vapiano-Anteilseignern stattdessen nur in einer farblosen Rede vor. Sie las auf Englisch vor, während eine Dolmetscherin sie simultan übersetzte.

An der mangelnden Verbundenheit zu Deutschland hatte Großaktionär Hans-Joachim Sander im Vorfeld der Hauptversammlung gegenüber dem „Spiegel“ Kritik geäußert. Auch Kleinaktionäre monierten die fehlenden Deutschkenntnisse Halls. Trotzdem wählten die Anteilseigner einschließlich der Sander-Familie sie am Mittwoch letztlich mit 97 Prozent der Stimmen in den Aufsichtsrat des Unternehmens. Von dort aus soll sie im September in den Vorstand wechseln. Ihr Vorgänger Everke betonte in seiner Rede noch einmal, dass er ausschließlich aus persönlichen Gründen ausscheide. Vapiano sehe er nach der im Mai gelungenen Refinanzierung auf einem guten Weg. Bei der anstehenden Restrukturierung des Unternehmens jedoch seien seine Fähigkeiten, die er in der Expansion sieht, nicht mehr gefragt.

Franchise-Nehmer sollen Geld einbringen

Auch sonst bemühten sich die Manager, die Wogen der vergangenen Tage zu glätten. Finanzvorstand Lutz Scharpe betonte, der nun infrage stehende Erlös aus dem Verkauf des US-Geschäfts sei nicht in den Budgetplanungen des laufenden Jahres enthalten gewesen, Vapiano bis 2022 finanziert. Ein möglicher Wegfall von Verkaufserlösen aus dem US-Geschäft würde daher keine Löcher reißen. Laut Vorstandskollege Johann Stohner behalte der Kaufvertrag mit dem US-Investor nach wie vor seine Gültigkeit. Nur die Vereinbarung, exklusiv mit Plutos Sama zu verhandeln, sei gelöst worden. Vapiano werde das US-Geschäft, in dem der Kölner Konzern den Betrieb von sechs Restaurants bündelt, nun in einem strukturierten Prozess verkaufen. Laut Restrukturierungsexperte Stohner sei eine Lösung bis Jahresende realistisch; das daraus möglicherweise fließende Geld „hochwillkommen“.

Dass Vapiano Geld braucht, wurde auf der Hauptversammlung ebenfalls deutlich. Auf die Frage eines kritischen Kleinaktionärs, ob für Vapiano in der Vergangenheit die Gefahr einer Insolvenz bestanden habe, besprach sich Finanzvorstand Scharpe einige Momente mit einem ebenfalls auf dem Podium sitzenden Rechtsanwalt und antwortete schließlich ausweichend: „Es bestand zu jeder Zeit eine positive Fortführungsprognose.“

Um die Finanzen des angeschlagenen Konzerns kurzfristig zu verbessern, will Vapiano Restaurants vermehrt an Franchise-Unternehmer verkaufen. Das Konzept ist in der Systemgastronomie weit verbreitet. McDonald's etwa betreibt mehr als 90 Prozent seiner weltweiten Standorte mit diesem Modell. Bei Vapiano hingegen hatten zum Jahreswechsel nur in 90 von 231 Standorten Franchise-Partner das Sagen. Das soll sich nun ändern und Franchise-Unternehmer sollen Vapiano Standorte abkaufen. Die Verkaufserlöse brächten Geld in die Kasse, so Sanierer Stohner. Steigen Subunternehmer als Restaurantbetreiber ein, müsste Vapiano auch weniger Geld für Investitionen bereitstellen. Und schließlich seien von Franchise-Partnern geführte Vapiano-Restaurants im Durchschnitt profitabler als vom Unternehmen selbst geführte Lokale.

Standortschließungen und kürzere Speisekarten

Die designierte Vorstandschefin Hall will zudem die Strategie ihres Vorgängers fortsetzen, um die Probleme von Vapiano in den Griff zu bekommen. So soll die Expansionsstrategie teilweise rückabgewickelt werden, das verlustträchtige Geschäft außerhalb Europas wollen die Kölner loswerden. Neben den USA ist Vapiano derzeit noch in China und Australien präsent. In Deutschland sollen Standorte schließen. Derzeit sind 14 Vapiano-Restaurants hierzulande defizitär. Dichtmachen will der Konzern noch in diesem Quartal das Lokal in München-Pasing. Weitere Standorte werden folgen, so Chef Everke. Auch in den Restaurants selbst will das Unternehmen ansetzen: Um die Wartezeiten zu verkürzen, soll die Speisekarte wieder simpler werden. Vapiano habe sich in der Vergangenheit „verzettelt“, erklärte Everke.

Aktionäre sehen die Pläne offenbar positiv: Auf der Hauptversammlung stimmten sie mit Mehrheiten von 99 und 96 Prozent für die Entlastung der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder für das abgelaufene Geschäftsjahr. Das ist angesichts der Tatsache, dass Vapiano hohe Verluste schreibt und die Aktie mehr als vier Fünftel ihres Werts eingebüßt hat, ein sehr gutes Ergebnis.

Allerdings befinden sich nur 18 Prozent der Aktien im Streubesitz, nur ein kleiner Teil davon hat auf der Hauptversammlung abgestimmt. Ihrem Unmut über das verspätete Mittagessen konnten Kleinaktionäre folglich keinen Ausdruck verleihen. Die meisten waren nach der Mittagspause ohnehin verschwunden.

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