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Kollegin Alexa: Sprachassistenten ziehen ins Büro ein — doch Experten warnen vor einem Risiko

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 14.10.2018 Hannah Schwär

Amazon Echo © Provided by Business Insider Inc Amazon Echo

Schreibtisch, Computer, Telefon: An der Standardbüroausstattung hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten kaum etwas geändert, vielleicht abgesehen vom Displaydurchmesser. In der Karlsruher Beratungsfirma Netzstrategen ist jedoch vor knapp drei Jahren ein weiteres Gerät hinzugekommen: der Sprachassistent Amazon Echo.

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Seitdem steht der schwarze Lautsprecher auf dem Konferenztisch im ausgebauten Dachstuhl des Büros und steuert dort das Licht. Ein zweites Echo-Gerät und ein Google Home sind inzwischen dazugekommen, sie wandern im Großraumbüro von Tisch zu Tisch.

Alexa organisiert Meetings und kümmert sich um Termine

„Bei Meetings lassen wir Alexa manchmal den Timer auf zehn Minuten setzen, damit wir nicht überziehen. Was auch wirklich gut ist, ist die Kalenderfunktion“, sagt Stephan Sperling, Berater bei den Netzstrategen.

Zum Spaß habe man auch einen eigenen Fragengenerator für Alexa entwickelt, der bei Team-Meetings für Abwechslung sorgen soll. Alexa fragt dann zum Beispiel eine zufällig ausgewählten Kollegen, an welchen Projekten er gerade arbeitet.

Bereits 8,7 Millionen Menschen in Deutschland nutzen laut dem Digitalverband Bitkom einen Sprachassistenten im Alltag. Und das obwohl vor gut zwei Jahren nur zwei Prozent der Bevölkerung gewusst hätten, was das überhaupt ist. Der Markt für smarte Lautsprecher wächst enorm und so scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sie sich auch im Büro ausbreiten.

Bisher gibt es allerdings noch keine Erhebungen, wie viele ihre Sprachassistenten zur Arbeit mitnehmen. Klar ist: Für Amazon ist das Büro der nächste, logische Schritt.

Amazon startet Bürooffensive

„Wenn wir schon Zuhause ganz natürlich mit unserer Stimme interagieren, warum bauen wir dann nicht etwas, das man auch bei der Arbeit nutzen kann“,  sagte Amazons Technikchef Werner Vogels bei der Vorstellung des Programms „Alexa for Business“ vor knapp einem Jahr.

the dome of a building: Die Amazon-Zentrale in Seattle © Shutterstock/ VDB Photos Die Amazon-Zentrale in Seattle

Wie sich Amazon das Büro der Zukunft vorstellt, kann man in der Unternehmenszentrale in Seattle sehen: Im „Day One Office“ ist jeder Meetingraum mit einem Gerät bestückt. Unter den Top-Managern sei es auch üblich, sich von Alexa in Videokonferenzen einwählen zu lassen, wie ein Sprecher von Amazon zu Business Insider sagte. Wenn es nach dem Tech-Konzern geht, soll uns Alexa schon bald alle organisatorischen Aufgaben im Büro abnehmen. Sie kann etwa freie Konferenzräume buchen, Termine vereinbaren oder die Gebäudesteuerung übernehmen, etwa für smarte Lampen und Jalousien. 

Deutsche sorgen sich um Datenschutz 

Doch sind die Deutschen wirklich bereit, sich einen smarten Lautsprecher ind Büro zu holen? Nach einer repräsentativen Bitkom-Umfrage überwiegt bei den meisten noch das Misstrauen. Deutlich mehr als jeder zweite der Befragten, die kein Interesse an digitalen Sprachassistenten haben, sorgt sich demnach um seine Daten (58 Prozent) oder befürchtet, von Dritten unbefugt abgehört zu werden (57 Prozent).

Ein Beitrag geteilt von netzstrategen GmbH (@netzstrategen) on Jan 26, 2018 um 12:27 PST

Die Netzstrategen aus Karlsruhe gehören wahrscheinlich eher zur experimentierfreudigen Avantgarde. „Als Strategieberatung beschäftigen wir uns für unsere Kunden viel mit neuen, digitalen Geschäftsmodellen — und da muss man neue Technologien natürlich auch ausprobieren“, so Sperling. In erster Linie habe man den Sprachassistenten nicht als Bürounterstützung angeschafft, so wie Amazon es sich vorstellt, sonder als Testgerät.

Bedenken zum Datenschutz habe man eher weniger: „Wir sind da sehr entspannt, denn wir bauen ja keine Atomkraftwerke. Beim Kundengespräch wird dann aber schon mal der Stecker gezogen“, so Sperling. 

Google Home und Amazon Echo verhören sich gern

Die Sorge, dass Gespräche mitgehört werden können, ist nicht ganz unbegründet — auch wenn Amazon das Gegenteil beteuert. Im Mai 2018 wurde beispielsweise bekannt, dass Alexa die Unterhaltung eines Paares aus Oregon mitgeschnitten und dann an einen wahllosen Kontakt verschickt hatte. Amazon argumentierte damals, es sei eine Verkettung unglücklicher Zufälle gewesen.

Doch auch ein Test der Verbraucherzentrale zeigt, das Sprachassistenten sich beim Aktivierungswort verhören und so unaufgefordert mitlauschen. So reagiere Google statt „Ok Google“ auch auf „Ok Kuchen“ und Alexa auf „Gecko“ (für „Echo“). Die Geräte verstünden so einiges falsch, warnen die Verbraucherschützer.

Rechtsanwalt warnt vor Abhörgefahr

Auch Rechtsanwalt Christian Solmecke von der Kölner Medienrechtskanzlei Wilde Beuger Solmecke warnt davor, den Geräten blind zu vertrauen: „Ich würde Arbeitgebern dringend davon abraten, einen Sprachassistenten wie Amazons Echo im Büro aufzustellen, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass Gesprächsinhalte permanent aufgezeichnet und über einen gewissen Zeitraum gespeichert werden“, sagt er. Gerade bei sensiblen Informationen und Geschäftsgeheimnissen könne das zum Problem werden: „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Geräte wie Amazons Echo von Dritten missbraucht und als hochsensible Wanze verwendet werden“, so Solmecke. 

Datenschutzrechte möglicherweise verletzt

Unternehmen bewegen sich auch datenschutzrechtlich in einer Grauzone, wenn sie Sprachassistenten im Großraumbüro aufstellen. Denn wenn Alexa personenbezogene Daten mithört, muss der Arbeitgeber zuvor die Einwilligung der Betroffenen einholen. 

„Da jedoch nicht klar ist, welche personenbezogenen Daten tatsächlich erhoben, verarbeitet und genutzt werden, wird eine Einwilligung voraussichtlich nicht wirksam eingeholt werden können. Ohne rechtmäßige Einwilligung läge dann ein Verstoß gegen Artikel 5 in Verbindung mit Artikel 6 Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) vor“, sagt Solmecke. Er rät, sich im Zweifelsfall an den Datenschutzbeauftragte des Betriebs oder den Betriebsrat zu wenden.

Bisher gibt es zum Thema Sprachassistenten im Büro noch keine höchstrichterliche Rechtsprechung in Deutschland. Im Zweifelsfall könnten sie für Unternehmen aber teure Folgen haben.

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