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Mark Zuckerberg - Facebook als Karrierehelfer

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 17.02.2017 Steger, Johannes

Fast jeden Tag gibt Facebook-Chef Mark Zuckerberg neue Funktionen seines sozialen Netzwerks preis. Nun sollen auch noch Stellenangebote hinzukommen. Funktioniert die Strategie des Rundum-Sorglos-Paktes?

Gärten so groß wie Schlossparks haben eine wundersame Wirkung: Wandelt der Mensch zwischen Blumen, Büschen und Bäumen umher, vergisst er die Zeit. Jede Blume weckt seine Aufmerksamkeit. Er bleibt stehen, verweilt, betrachtet. Auch im Internet gibt es solche Gärten. „Walled Garden“ heißt das Prinzip, das Medienwissenschaftler Caja Thimm wie folgt beschreibt: „Das muss man sich wie einen Garten vorstellen, in dem Facebook immer neue Blümchen pflanzt, damit sich der Nutzer möglichst lange darin aufhält.“ Chef Mark Zuckerberg wird in diesem Sprachbild zum digitalen Gärtner, der immer neue Blumen für seine Nutzer in den virtuellen Humus setzt. Darunter fallen TV-Apps, Medienpartnerschaften und Musik.

Sein jüngster Setzling: Facebook will sich als Stellenvermittler versuchen. Mit der Funktion „Jobs on Facebook“ sollen Arbeitssuchende und Konzerne schneller als früher zusammengebracht werden. Dahinter steckt der Versuch, Facebook zum Problemlöser für alles und Unterhalter für jeden zu machen, erklärte ein ranghoher Facebook-Manager dem US-Technologieportal „Techcrunch“. Denn Zuckerberg baut seinen digitalen Garten nicht allein zum Lustwandeln. Schließlich umgibt den „Walled Garden“ eine Mauer, die jeden daran hindert, die Grünfläche zu verlassen.

Dieses Prinzip bestätigt auch Medienexpertin Thimm: „Proprietäre Systeme funktionieren so, um die Konkurrenz fernzuhalten. Facebook versucht es mit immer mehr Angeboten.“ Eine höhere Verweildauer verspreche mehr Klicks: „Das ist die wichtigste Einheit für Facebook.“ Denn mit dem Garten lässt sich Geld verdienen.

Nun nimmt Facebook auch noch Stellenanzeigen ins Angebot auf. Die neue Funktion „Jobs on Facebook“ bietet zweierlei: Zum einen ermöglicht sie Konzernen, Jobgesuche auf ihre Seiten zu stellen. Dem Nutzer werden diese dann im „Newsfeed“ ausgespielt, der Button „Apply now“ ermöglicht das Senden einer Bewerbung über den Facebook-Messenger.

Auch die Algorithmen spielen dabei eine wichtige Rolle: Facebook will zum Beispiel die Relevanz eines Jobangebots mit dem Ausbildungsniveau und der bisherigen Berufserfahrung des Nutzers abgleichen, wie „Techcrunch“ berichtet. In den USA und Kanada ist die Funktion bereits abrufbar.

Wie das soziale Netzwerk damit Geld verdient? Unternehmen können Facebook dafür bezahlen, dass aus der normalen Jobofferte eine Werbeanzeige wird. Diese kann dann der Zielgruppe gerecht ausgespielt werden. Umso mehr Nutzer die Anzeige erreicht, desto größer ist die Reichweite.


Facebook setzt LinkedIn, Youtube, Netflix und Amazon unter Druck

Microsofts Karrierenetzwerk LinkedIn dürfte die neue Facebook-Funktion mit Sorge beobachten: Denn Zuckerbergs Netzwerk setzt auf Nutzer, die gar nicht unbedingt auf Jobsuche sind, sondern sich eher nebenbei inspirieren lassen wollen. „Zwei Drittel aller Jobsuchenden sind bereits angestellt. Sie verbringen ihre Tage und Nächte nicht damit einem Job nachzujagen. Sie sind offen für einen Job, wenn der Job kommt“, erklärt ein Facebook-Manager dem Portal „Techcrunch“. Beobachter sehen darin Facebooks großen Wettbewerbsvorteil gegenüber LinkedIn.

Die Job-Funktion steht in einer Reihe von Neuerungen, die der Facebook-Chef in den vergangenen Wochen verkündet hat. Fast täglich werden Innovationen aus Menlo Park bekannt: Für Medienpartnerschaften wurde eine renommierte TV-Journalistin eingestellt. Der Konzern soll mit Musiklabels um Lizenzen verhandeln. So sollen Nutzer die Möglichkeit bekommen, Musik in ihre Videos einzubinden. Am Dienstag bestätigte Facebook, an einer eigenen TV-App zu arbeiten. Beobachter sehen darin Ambitionen, dass Facebook künftig auch ins Geschäft mit eigenen Video-Inhalten einsteigen will.

Mit den neuen Initiativen setzt der Konzern seine Konkurrenten heftig unter Druck: Musikvideos und TV-Apps dürften Google-Tochter Youtube zu schaffen machen. Kommen irgendwann Serien aus den Facebook-Studios, dürften es auch Netflix und Amazon schwer haben, mit dem Konzern mitzuhalten.

Mit dem Bewerbertool schwingt sich Facebook zum Rivalen von LinkedIn auf. Auch Nutzern wird die Notwendigkeit genommen, Facebook für eine andere Plattform verlassen zu müssen. Versteht man Facebook als Garten und den Chef als Gärtner, dann werkelt Mark Zuckerberg gerade am Schlosspark von Versailles.

KONTEXT

Welche Facebook-Dienste die Deutschen nutzen

Mehr als "Gefällt mir"

Facebook ist nicht nur eine Internetseite oder eine App. Das soziale Netzwerk wurde in den vergangenen Jahren kräftig erweitert. Die bekanntesten Teile sind der Facebook Messenger, Instagram und Whatsapp. Das Statistik-Portal Statista hat die Deutschen gefragt, welche Dienste und Produkte sie mindestens gelegentlich nutzen.

Facebook allgemein

72 Prozent nutzen das Social Media Portal. Dabei ist der Unterschied zwischen Männern (73 Prozent) und Frauen (71 Prozent) gering.

Facebook Messenger

Den Facebook-Nachrichtendienst nutzen 43 Prozent der Befragten - Männer wie Frauen.

Instagram

Den Online-Dienst Instagram zum Teilen von Fotos und Videos nutzen 26 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen.

Whatsapp

Den Instant-Messaging-Dienst, der seit dem Jahr 2014 zu Facebook gehört, wird 70 Prozent der Befragten genutzt. Mit 71 Prozent männlichen und 70 Prozent weiblichen Nutzern sind die Unterschiede bei den Geschlechtern gering.

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