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Arbeitsmittel - Beruflich nutzen, privat absetzen

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 08.08.2017 Elter, Constanze
Ein beruflich genutzter Koffer kann bei der Steuererklärung abgesetzt werden. Foto: dpa © dpa Ein beruflich genutzter Koffer kann bei der Steuererklärung abgesetzt werden. Foto: dpa

Ob Fachliteratur oder Aktentasche: Gegenstände, die Arbeitnehmer für ihren Beruf kaufen, können sie steuerlich geltend machen. Wer bald in Rente geht, sollte mit größeren Anschaffungen aber vorsichtig sein.

Nicht alles, was Sie für den Job brauchen, bezahlt der Arbeitgeber. Daher besteht die Möglichkeit, Arbeitsmittel, für die Sie selbst Geld ausgeben, in der Steuererklärung abzusetzen. Dafür müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt sein:

Die Ausgaben für die Bildschirm-Arbeitsbrille erkennt das Finanzamt auch dann nicht an, wenn sie ausschließlich am Arbeitsplatz getragen wird.

Eine echte Pauschale für Arbeitsmittel gibt es zwar nicht, aber bis zu einem Betrag von 110 Euro verzichtet das Finanzamt in der Regel auf die Vorlage von Belegen. Einen Rechtsanspruch auf diese Vorgehensweise haben Sie allerdings nicht.

Darüber hinaus können Sie teure Arbeitsmittel nicht sofort im gleichen Jahr absetzen, sondern müssen diese über mehrere Jahre verteilt abschreiben – zum Beispiel Büromöbel. Diese müssen beispielsweise über 13 Jahre abgeschrieben werden. Was aber, wenn die Kündigung ins Haus flattert oder der Ruhestand bevorsteht – und das betreffende Arbeitsmittel noch nicht abgeschrieben ist?

Werden Arbeitsmittel, die erst teilweise abgesetzt wurden, anschließend für private Zwecke weiter genutzt, nennt die Finanzverwaltung das „Entwidmung“. Dies kann der Fall sein, weil der Steuerpflichtige in den Ruhestand geht oder arbeitslos wird.

Die Abschreibung kann dann in dem betreffenden Jahr nur bis zum Zeitpunkt der Entwidmung geltend gemacht werden. Mit der Entwidmung endet die Abschreibungsmöglichkeit, ohne dass das restliche Volumen abgesetzt werden kann.


Achtung, „Entwidmung“!

Der verbleibende Restwert kann nicht mehr steuermindernd angesetzt werden, auch nicht wegen außergewöhnlicher Abnutzung. Denn dann würden Kosten, die zeitanteilig der Lebensführung zuzuordnen sind, in den Bereich der Werbungskosten verlagert.

Ein Gutes hat die Regelung dennoch: Voll abgeschriebene Arbeitsmittel können ohne steuerliche Nachteile für private Zwecke weiter genutzt werden. Geht also der Steuerpflichtige in den Ruhestand und hat seinen heimischen Büro-Schreibtisch bereits voll abgeschrieben, kann er diesen privat ohne steuerliche Nachteile nutzen. Das Finanzamt macht weder den Werbungskostenabzug rückgängig noch werden negative Werbungskosten festgesetzt. Auch nimmt die Finanzverwaltung keine fiktiven Einnahmen an, die zu versteuern wären.

Praxistipp:

Wer bald in den Ruhestand geht, sollte möglichst Arbeitsmittel anschaffen, die als geringwertiges Wirtschaftsgut absetzbar sind. Die Grenzen dafür liegen bis zum Jahr 2017 bei 410 Euro netto, ab 2018 sogar bei 800 Euro netto. Bei geringwertigen Wirtschaftsgütern ist der gesamte Betrag im Jahr der Anschaffung abziehbar. Damit gibt es zum Zeitpunkt des Ruhestandes keinen Restwert mehr, der nicht mehr als Werbungskosten absetzbar wäre.

Dieser Artikel erschien zuerst bei unserem Kooperationspartner Haufe.de. Ist dieser Steuertipp interessant für Sie? Weitere Beiträge finden Sie auf dem Haufe-Finance-Portal.

KONTEXT

Pflicht und Kür bei der Steuererklärung

Frist

Abgabetermin für die Einkommensteuererklärung ist jedes Jahr der 31. Mai. Wenn dieser auf ein Wochenende fällt, verschiebt sich die Frist um ein bis zwei Tage.

Steuerberater

Wer einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein beauftragt, muss seine Steuererklärung für 2015 erst am 31. Dezember 2016 abgeben.

Fristverlängerung

Wenn ein Steuerzahler seine Erklärung selbst machen will, es aber nicht rechtzeitig schafft, kann er beim Finanzamt eine Fristverlängerung beantragen. "Zulässige Gründe können etwa fehlende Unterlagen oder eine längere Krankheit sein", sagt Isabel Klocke vom BdSt.

Pflicht

Längst nicht jeder Arbeitnehmer ist zur Abgabe verpflichtet. Wer ledig ist, nur Lohn von einem Arbeitgeber bezieht und keine weiteren Einkünfte von mehr als 410 Euro hat - etwa aus einer Nebentätigkeit, einer Vermietung oder in Form von Lohnersatzleistungen wie Elterngeld - kann auf die Abgabe verzichten - oder sich vier Jahre Zeit lassen. Die Erklärung für das Jahr 2015 kann dann noch bis zum 31. Dezember 2019 abgeben werden.

Senioren

Seit einer Gesetzesänderung 2005 sind Rentner häufiger zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet. Dies hängt von der Höhe der Bruttorente und dem Jahr des Renteneintritts ab. Wer beispielsweise 2015 in Rente ging, ledig ist und im vergangenen Jahr höchstens 1207 Euro Monatsbruttorente bekommen hat, muss keine Steuererklärung abgeben. Wer mehr bekam, kann dazu verpflichtet sein.

KONTEXT

So verstehen Sie das Finanzamt

Der Einspruch ist zulässig

Wenn das Finanzamt schreibt, dass der Einspruch zulässig sei, klingt das zunächst einmal gut, aber es ist nur die halbe Miete. Denn dies heißt nur, dass der Steuerzahler die formalen Voraussetzungen für einen Einspruch erfüllt hat - wie etwa das fristgerechte Einreichen.

Der Einspruch ist begründet

Erst bei der Frage, ob der Einspruch begründet ist, prüft das Finanzamt das Anliegen des Steuerzahlers inhaltlich.

Das Finanzamt hilft ab

Im Vokabular des Finanzamts bedeutet "abhelfen", dass die Beamten dem Einspruch des Steuerzahlers folgen und beispielsweise eine außergewöhnliche Belastung doch als solche anerkennen.

Das Finanzamt gewährt AdV

Eigentlich muss eine Steuernachzahlung trotz eingelegtem Einspruch sofort beglichen werden. Der Steuerzahler kann jedoch AdV - Aussetzung der Vollziehung - beantragen. Das ist jedoch gefährlich, denn wenn der Steuerzahler Jahre später doch zahlen muss, kassiert das Finanzamt nicht nur die Nachzahlung, sondern auch noch saftige Zinsen.

Das Verfahren ruht

Wenn zu einer steuerrechtlichen Frage bereits ein Verfahren läuft, muss ein Steuerzahler, der sich aus den gleichen Gründen ungerecht behandelt fühlt, nicht selbst gegen seinen Steuerbescheid klagen. Es reicht, wenn er Einspruch einlegt und auf das laufende Verfahren verweist. Gewährt das Finanzamt das Ruhen des Einspruchsverfahrens, kann der Ausgang des anhängigen Klageverfahrens entspannt abgewartet werden.

Das Finanzministerium verhängt einen Nichtanwendungserlass

Wenn das Finanzministerium für eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs einen Nichtanwendungserlass verkündet, gilt das steuerzahlerfreundliche Urteil nur für den entschiedenen Klagefall. Andere Steuerzahler können sich dann nicht mehr darauf beziehen, sondern müssen gegebenenfalls selbst klagen.

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