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Diese Folgen haben falsche Angaben bei der Autoversicherung

Finanztip-Logo Finanztip 16.03.2017 Finanztip-Redaktion

Wer kennt das nicht: Der Kfz-Versicherung hat der Kunde bei Vertragsabschluss angegeben, das Auto werde nur vom ihm selbst und seiner Frau gefahren. Im wahren Leben kommt es dann aber doch mal vor, dass sich Freunde das Auto für einen Wochenendausflug leihen – ohne dass die Versicherung davon etwas weiß. Oder der Wagen wird wegen einer großen Urlaubsreise 15.000 Kilometer pro Jahr gefahren statt 12.000, wie es im Vertrag steht.

Um die sogenannten Merkmale wie Fahrer, Kilometerleistung oder Garagenplatz gibt es immer wieder Streit zwischen Kfz-Versicherungen und ihren Kunden. Viele Versicherte nehmen es mit den Angaben nicht so genau. Auch haben die wenigsten Zeit und Lust, sich durch mehr als 30 Seiten Versicherungsbedingungen zu quälen. Deshalb hat Finanztip die elf Kfz-Versicherer mit dem größten Marktanteil in Deutschland befragt, welche Konsequenzen falsche Angaben haben.

Kunden müssen Änderungen sofort mitteilen

Alle Versicherungen betonten bei der Finanztip-Umfrage im August 2016, dass ihre Kunden Änderungen etwa der Fahrleistung pro Jahr oder des Abstellplatzes bei Nacht „unverzüglich“ mitteilen müssten. Die Pflicht beziehe sich auf alle Merkmale, die für die Berechnung des Beitrags herangezogen würden. So sei es auch in den Versicherungsbedingungen festgehalten.

Die meisten Unternehmen fragen aber zusätzlich einmal im Jahr wichtige Merkmale wie die Jahreskilometerleistung und die Fahrer des Autos ab. Im Fall eines Schadens überprüft die Versicherung ohnehin alle Angaben des Kunden genau.

Bei falschen Angaben droht Vertragsstrafe

Die Konsequenzen falscher Angaben sind von Versicherung zu Versicherung unterschiedlich. Allianz und Axa berechnen einen angepassten Beitrag ab dem Zeitpunkt, zu dem sich das Merkmal geändert hat. Die Versicherungen Huk (Huk Coburg und Huk24), VHV, R+V und Ergo verlangen den neuen Beitrag rückwirkend ab Beginn des Versicherungsjahres.

Macht der Versicherte vorsätzlich falsche Angaben, muss er bei der Huk keine Vertragsstrafe fürchten. Bei Allianz, Axa und Ergo hingegen wird bei Vorsatz eine zusätzliche Vertragsstrafe in Höhe des bereits angepassten Jahresbeitrags fällig. Die VHV verhängt nur einen halben Jahresbeitrag als Strafe, die Württembergische droht pauschal 1.000 Euro an.

In der Praxis ist es für die Versicherungen aber nicht so einfach, vorsätzliches Handeln ihrer Kunden nachzuweisen. Mehrere Unternehmen räumten ein, dass dies in der Praxis sehr selten geschehe.

Wenn es um die einzelnenen Merkmale geht, macht die Württembergische bei den angegebenen Fahrern eine Ausnahme: Kaufinteressenten bei einer Probefahrt und Automechaniker im Falle einer Reparatur dürfen den Wagen fahren, obwohl sie bei der Versicherung nicht als Fahrer angegeben wurden. Das Gleiche gilt in Notfällen. Die Versicherung weist aber darauf hin, dass „eine Notsituation nicht gegeben“ sei, wenn der Fahrer wegen Alkohols nicht fahren könne.

Die Versicherung LVM hat übrigens keine der Fragen von Finanztip beantwortet. Begründung: Die LVM gehöre zu den Versicherungen, die noch direkten Kundenkontakt hätten. Deshalb kläre man alle Probleme mit falschen Merkmalsangaben im Gespräch mit dem Versicherten. Das macht uns und den potenziellen Kunden den Vergleich mit anderen Versicherungen natürlich schwierig.

<h3 style="font-size:1.16em;">Kunden m&uuml;ssen &Auml;nderungen sofort mitteilen</h3> © Alexander Heinl/dpa

Kunden müssen Änderungen sofort mitteilen

Auswirkungen auf den Versicherungsschutz

Auch wenn der Kunde gegenüber der Versicherung falsche Angaben gemacht hat, bleibt sein Versicherungsschutz im Grundsatz erhalten. Aber auch in diesem Punkt verhalten sich die Unternehmen unterschiedlich. Bei Allianz, VHV, DEVK und R+V ändert sich durch unrichtige Antworten nichts am Schutz. Die Ergo behält sich vor, den Vertrag zu kündigen, was aber den Schutz nicht rückwirkend aufhebt. Die Axa dagegen droht nicht nur mit Kündigung, sondern auch mit Aufhebung und Anfechtung des Vertrags.

Die Huk weist auf eine Sonderregelung in der Kaskoversicherung hin: Ist der Kilometerstand des Autos im Schadensfall höher als angegeben, mindert das den Wert des Wagens und damit die Erstattung durch die Versicherung. Auch die Württembergische verrechnet Beitragsanpassungen und Vertragsstrafen wegen falscher Angaben mit Kaskoentschädigungen.

Die härtesten Konsequenzen sieht die HDI Versicherung vor: Bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit kann die Versicherung sofort kündigen oder vom Vertrag zurücktreten. Bei einem Schaden können falsche Angaben, die die Aufklärungspflicht verletzen, im äußersten Fall dazu führen, dass der Kunde seinen Versicherungsschutz sowohl in der Kasko- als auch in der Haftpflichtversicherung verliert. Da Dritte darunter aber nicht leiden dürfen, würde bei einem Haftpflichtschaden der Schaden des Unfallgegners ersetzt. Der Kunde müsste aber der Versicherung den Betrag erstatten. Die Erstattung ist bei 5.000 Euro gedeckelt.

Bleiben Sie lieber ehrlich

Auch wenn nicht alle Versicherungen drakonische Strafen androhen, falls der Kunde falsche Angaben macht: Diesen Ärger sollten Sie sich ersparen. Eine kleine Änderung zum Beispiel der Fahrleistung hat keine großen Auswirkungen auf den Jahresbeitrag, macht im Schadensfall aber Probleme. Und zum Beispiel einen 18-Jährigen nicht als Fahrer anzugeben, ihn dann aber doch ans Steuer zu lassen, ist hochriskant. Im Schadensfall kommt das schnell raus. Bleiben Sie lieber ehrlich und suchen sich eine gute und trotzdem günstige Kfz-Versicherung.

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