Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

„Nationaler Notstand“ – Deutschland droht die Bananen-Krise

WELT-Logo WELT 13.08.2019 Florian Gehm
Die Banane, so wie wir sie kennen, ist vom Aussterben bedroht Quelle: Getty Images © Getty Images Die Banane, so wie wir sie kennen, ist vom Aussterben bedroht Quelle: Getty Images

Die Beachvolleyball-Olympiasiegerin Laura Ludwig und der Olympia-Vize im Rudern, Hannes Ocik, sind auf der Suche nach dem „Deutschland-Riegel“. Für die Handelskette Edeka haben sie einen Haferriegel kreiert, der die deutschen Athleten und Fans zu den Olympischen Spielen 2020 nach Tokio begleiten soll. In die Regale kommt der Snack Anfang kommenden Jahres, wenn er sich in einer Abstimmung durchsetzt – und vor allem, wenn es eine der wichtigsten Zutaten dann noch auf dem Markt gibt.

Denn in den Riegel sollen auch Bananen, die mit den Äpfeln seit Jahren um den Rang des deutschen Lieblingsobstes ringen. Doch jetzt droht der gelben Frucht eine echte Krise. Schuld daran ist kein Handelsstreit, sondern ein Pilzbefall.

Das interessiert andere MSN-Leser auch: 

WHO: Wird 2019 ein Masern-Rekordjahr?

WWF: Waldtier-Bestände dramatisch geschrumpft

Galerie: Durch diese Tiere sterben die meisten Menschen

Weltweit werden Bananen auf rund 5,5 Millionen Hektar Land angebaut – der Ertrag sind 100 Millionen Tonnen Früchte pro Jahr. Die größten Erzeuger sind zwar Indien und China, für Europas Märkte sind aber vor allem die Anbauregionen in Süd- und Mittelamerika von Belang. Deutschland importiert Bananen fast ausschließlich aus Lateinamerika – die wichtigsten Lieferländer sind Ecuador und Kolumbien.

Der hochaggressive Pilz „Tropical Race 4“, auch als Panama-Krankheit bekannt, hat Bananen-Plantagen in Kolumbien befallen, melden die dortigen Behörden. Bereits am Donnerstagnachmittag hatte die Generaldirektorin des Kolumbianischen Landwirtschaftsinstituts (ICA), Deyanira Barrero León, die Nachricht bestätigt.

„Wir erklären den nationalen Notstand, auch wenn die Krankheit bisher nur in La Guajira bestätigt wurde, um den Prozess der Eindämmung des Pilzes zu beschleunigen“, zitiert das Fresh-Fruit-Portal Barrero León. Als erste Antwort stelle die Regierung 18 Millionen Dollar zur Bekämpfung bereit, heißt er in der branchennahen „Lebensmittel Zeitung“.

Das Problem: Der Pilz greift ausgerechnet jene Sorte an, die 95 Prozent des globalen Bananenhandels ausmacht: Cavendish. In Deutschland erreicht diese Sorte sogar einen Marktanteil von rund 99 Prozent. Die Krankheit macht den Boden für den Bananenbau unbrauchbar und kann nicht mit herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden. Infizierte Pflanzen sterben ab und produzieren keine Bananen mehr.

Mehr als ein Drittel der Bananen kommen aus Kolumbien

Fast 350.000 Tonnen Bananen hat Deutschland im vergangenen Jahr aus Kolumbien importiert. Zum Vergleich: Insgesamt importierte Deutschland rund eine Million Tonnen der Frucht – der Anteil kolumbianischer Bananen liegt also bei mehr als einem Drittel.

Der Deutsche Fruchthandelsverband (DFHV) warnt in einem Positionspapier, das WELT vorliegt: „TR 4 bedroht das mit Abstand bedeutendste Herkunftsgebiet von Bananen für den europäischen und nordamerikanischen Markt.“ Der Verlauf der Seuche sei nicht aufzuhalten: „Die befallenen Flächen müssen gerodet werden und sind für den Bananenanbau grundsätzlich nicht mehr verwendbar.“ Für Menschen sei der Pilz nicht giftig, er beeinflusst ausschließlich das Wachstum der Stauden.

Bereits in den 1960er-Jahren rottete ein Pilz eine ganze Bananensorte aus: ein naher Verwandter des aktuellen Schadpilzes, „Tropical Race 1“, fegte die damals dominierende marktgängige Sorte Gros Michel vom Markt. Der Wechsel zu Cavendish galt als Rückschritt: Denn Vorgänger Gros Michel war größer, aromatischer, süßer und wegen ihrer dickeren Schale leichter handhabbar als die heute gängige Art.

Aber die beliebte Sorte hatte keine Chance gegen den Pilz. Immerhin gab es damals eine Alternative: Cavendish. Heute ist – bisher – noch keine kommerziell verfügbare Ausweichmöglichkeit in Sicht. „Zu befürchten ist, dass in absehbarer Zeit keine Bananen der Sorte Cavendish für den deutschen Markt mehr zur Verfügung stehen werden“, warnt der DFHV weiter. Die Folge: Von Preisen von aktuell 85 Cent pro Bund könne man sich verabschieden.

Auch „Chiquita Deutschland“-Chef Marc Seidel alarmierte gegenüber der „Bild“, die wie WELT zur Axel Springer SE gehört: „Die Gefahr ist extrem hoch, dass es die Bananen, die wir kennen, in ein paar Jahren nicht mehr gibt.“ Noch sind die Bananen-Lager in Deutschland allerdings gut gefüllt: „Aktuell ist unser Bananensortiment uneingeschränkt verfügbar“, teilte Discounter Lidl auf WELT-Anfrage mit – zur zukünftigen Verfügbarkeit oder Auswirkungen auf den Preis wolle man sich aber nicht äußern.

Die Banane, so wie wir sie kennen, ist vom Aussterben bedroht © Getty Images Die Banane, so wie wir sie kennen, ist vom Aussterben bedroht

Mehr auf MSN

Video wiedergeben

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von WELT

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon