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34.000 Beschäftigte betroffen: Warum Metro die Supermarktkette Real abstoßen will

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 14.09.2018 Stefan Sauer
Die Metro-Tochter leidet unter dem harten Wettbewerb der Lebensmittelbranche. © dpa Die Metro-Tochter leidet unter dem harten Wettbewerb der Lebensmittelbranche.

Die Metro AG  will die Warenhauskette Real verkaufen und sich künftig auf den Großhandel konzentrieren. Betroffen sind bundesweit 34 000 Beschäftigte in insgesamt  282 Real-Märkten. Ob Standorte und Belegschaftszahlen gehalten werden, wird im Wesentlichen vom Käufer abhängen. Und der steht noch nicht fest. Einerseits überrascht Metro mit der Entscheidung, weil die lange Zeit kriselnden Real-Märkte nach harten Sanierungsmaßnahmen in jüngerer Vergangenheit wieder Fuß zu fassen schienen. Auch das 2016 eingeführte Markthallenkonzept hatte nach Angaben des Unternehmens Erfolg: Publikumsverkehr und Umsätze der 30 modernisierten  Filialen stiegen an. Ist es da nicht geradezu idiotisch, das aufblühende Pflänzchen zu verkaufen, noch bevor es richtig Früchte trägt?

Ganz und gar nicht. Denn andererseits verfolgte die Real-Geschäftsführung mit den Konsolidierungsprogrammen der letzten Monate und Jahre offenbar vor allem ein Ziel: Die Metrotochter für potenzielle Käufer attraktiv zu machen.  Das gilt besonders für den Ausstieg aus dem Flächentarifvertrag im Sommer. Noch während der laufenden Tarifverhandlungen mit Verdi hatte Real den Abschied vom Flächentarif bekannt gegeben. Man werde fürderhin „etwaige Tarifabschlüsse“ mit Verdi nicht mehr übernehmen, hieß es. Stattdessen wurden seither 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neu eingestellt, die nach dem wesentlich geringer dotierten Tarifvertrag der Minigewerkschaft DHV entlohnt werden. Laut Verdi verdienen die Neuen bei Real damit durchschnittlich 23 Prozent weniger, als ihnen nach dem Flächentarif zustünde. Die Gewerkschaft hatte früh geargwöhnt, Real werde von Metro mittels niedrigerer Löhne für einen Verkauf „aufgehübscht“.

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Mehr Brautschau geht kaum

Diesen Verdacht bestätigt Metro nun, wenn auch mit anderen Worten: Real habe „durch die Neuausrichtung in den vergangenen Jahren entscheidende Voraussetzungen für eine eigenständige Zukunft im deutschen Lebensmitteleinzelhandel geschaffen“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Die „Umsetzung des neuen Tarifmodells“ sei  Grundlage  „wettbewerbsfähig Kostenstrukturen“. Somit seien „die Weichen für ein erfolgreiches Wachstum gestellt“.  Zudem verfüge Real über ein „attraktives Immobilienportfolio von 65 Standorten.“ Mehr Brautschau geht kaum.

Aus Sicht des Mutterkonzerns Metro ist der Real-Verkauf logischer Endpunkt eines Abschieds in Raten von Einzelhandelsgeschäft. Bereits 2015 hatte Metro die Kaufhof-Häuser an die kanadische Hudson Bay Company veräußert (die ihrerseits nun Kaufhof dem Karstadt-Eigner Rene Benko überlässt). Vor gut einem Jahr lagerte  Metrogruppe das Elektronik-Geschäft mit  Saturn und Mediamarkt in ein eigenständige Unternehmen namens Ceconomy aus. Übrig blieben die Metro-Großhandelsmärkte – und eben die Real-Kette. Vor diesem Hintergrund scheint der Verkauf von Real lediglich als letzter Schritt eines längst beschrittenen Wegs. Befördert wurde die Entscheidung vermutlich von den jüngsten Quartalszahlen, die unter anderem den mäßigen Geschäftsverlauf bei Real zuzuschreiben sind: Der Konzerngewinn fiel um 23,3 Prozent auf magere 57 Millionen Euro, der  Konzernumsatz um 3,7 Prozent auf neun Milliarden Euro.

Und so steht die Braut nun im Schaufenster und wartet auf Freier. Dass einer der großen Vier des deutschen Einzelhandels – Edeka, Rewe, Aldi Süd und Nord sowie die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland – zum Zuge kommt, ist aus Wettbewerbsgründen eher unwahrscheinlich. Denkbar scheint die Übernahme durch einen ausländischen Handelskonzern, etwa das schweizerische Unternehmen Migros. Die Züricher hatten schon 2015 lebhaftes Interesse an den zum Verkauf stehenden Tengelmann- und Kaiser’s-Filialen bekundet, waren aber leer ausgegangen. Für die 34 000 Real-Beschäftigten bleibt die Zukunft ungewiss.

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