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Aktie unter der Lupe: Warum Wall-Street-Analysten plötzlich von Baby Yoda schwärmen

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 06.01.2020 Kort, Katharina
Die Serie aus dem „Star Wars“-Universum ist auf Disney+ zu sehen. Die Figur des Baby Yoda versetzt Disney-Fans weltweit in Verzückung. © AP Die Serie aus dem „Star Wars“-Universum ist auf Disney+ zu sehen. Die Figur des Baby Yoda versetzt Disney-Fans weltweit in Verzückung.

Der neue Aboservice Disney+ läuft gut an – auch wegen des jüngsten „Star Wars“-Erfolgs. Analysten sehen trotz hoher Bewertung Potenzial für die Aktie.

Wenn es ein Thema gibt, das Wall-Street-Analysten und Eltern auf Kindergeburtstagen in den USA derzeit gleichermaßen beschäftigt, dann ist es Disney+. Der neue Streamingdienst des Unterhaltungskonzerns ist seit Mitte November in Nordamerika auf dem Markt.

Eltern und deren Kinder haben auf Disney+ für 6,99 Dollar im Monat Zugang zu allen Filmen des Unterhaltungskonzerns. Dazu gehören auch die Filme der „Star Wars“-Schmiede Lucasfilm, die Streifen von Pixar und Marvel sowie die Dokumentationen von National Geographic. Die Wall-Street-Analysten schwärmen, dass der große Erfolg des neuen Streamingangebots ein ganz neues Kurspotenzial für die Aktie öffnet.

Der Aktienkurs von Disney ist bereits im vergangenen Jahr auf neue Höchststände geklettert und hat 2019 mit einem Plus von fast einem Drittel mit 144,63 Dollar abgeschlossen. Auch ins neue Jahr ist der Aktienkurs des Mickymaus-Konzerns mit einem weiteren Plus gestartet.

Doch viele Analysten trauen dem Papier noch mehr Wachstum zu. Das liegt nicht nur an dem erfolgreichen Start des jüngsten „Star Wars“-Films, sondern vor allem an dem neuen Streamingdienst.

Kurz nach dem Start von Disney+ im November gab das Unternehmen bekannt, dass bereits zehn Millionen Nutzer den Dienst abonniert haben. Die nächsten Zahlen soll es erst im Februar geben, wenn Disney seine Quartalsergebnisse vorlegt.

Nach einem Bericht des unabhängigen App-Marktforschers Apptopia zufolge hatte Disney im Dezember bereits 22 Millionen Downloads allein auf den mobilen Kanälen. Täglich nutzen laut Apptopia 9,5 Millionen Abonnenten die App, womit sie sowohl bei Apple als auch bei Google die meistbenutzte App sei. Das wären extrem gute Zahlen für den neuen Dienst. Credit Suisse hat das Kursziel für Walt Disney bereits nach dem Start des Streamingdiensts im November von 150 auf 163 US-Dollar angehoben. Die zehn Millionen Nutzer lägen weit über den Erwartungen, schrieb Analyst Douglas Mitchelson.

Analyst erwartet 25 Millionen Abonnenten

Er werte dies als Beweis für die Schlagkraft von Disney, was den Content und die Vermarktung betreffe. Das Vertrauen der Anleger in die langfristigen Perspektiven mit dem Streamingdienst dürfte dramatisch steigen, schätzt er.

Analyst Bernie McTernan von Rosenblatt Securities hat sogar ein Preisziel von 175 Dollar für die Disney-Aktie. Er rechnet damit, dass Disney+ zum Ende des ersten Quartals 2020 insgesamt 25 Millionen Abonnenten hat. Seine Schätzung fußt auf eigenen Umfragen. Zuvor hatte er mit 21 Millionen Abonnenten gerechnet.

Der Bekanntheitsgrad des neuen Dienstes und die Durchdringung des Marktes seien während der Umfragen weiter gestiegen, schreibt McTernan. Dabei könnte Disney auch durchaus dem Pionier Netflix Kunden wegnehmen.

Immerhin hätten neun Prozent der befragten Disney+-Abonnenten angegeben, Netflix abbestellt zu haben.

Auch das Research-Haus Consumer Edge Research ist zuversichtlich und rechnet wie Rosenblatt damit, dass die Aktie im laufenden Jahr noch auf 175 Dollar steigt.

Optimistisch sind auch die Analysten von Bank of America. Sie rechnen mit einem Aktienkurs von 168 Dollar. In einer Studie nennen sie das langfristige Ziel, bis 2024 weltweit 60 bis 90 Millionen Kunden zu erreichen, „konservativ“.

Bisher gibt es Disney+ nur in den Niederlanden, den USA und Kanada. Im Frühjahr will der Unterhaltungskonzern den Streamingdienst auch im restlichen Westeuropa anbieten. Im Herbst soll Südamerika folgen.

Die Bank-of-America-Analysten weisen darauf hin, dass die Kunden den großen Schatz an bestehenden Filmen stark nutzen. Aber „wir glauben weiterhin, dass mehr eigene Inhalte nötig sind, um neue Abonnenten zu gewinnen und zu halten“, schreiben sie.

JP Morgan hat für Disney ein Kursziel von 160 Dollar ausgegeben. Die Medienanalystin Alexia Quadrani weist darauf hin, dass Disney zusätzlich zu den vielen Inhalten zwei Milliarden Dollar pro Jahr investieren will. Damit ist Geld für eigene Inhalte da. Quadrani hatte zunächst nur mit fünf Millionen Abonnenten in den ersten sechs Wochen gerechnet, und diese Zahl hat Disney bereits übertroffen.

Das neue Disney-Angebot kommt zu einer Zeit, in der immer mehr Streaminganbieter um die Kunden buhlen. Außer dem Pionier Netflix bietet auch Amazon Prime eigene und fremde Inhalte an.

Das Gleiche gilt für HBO Max von Time Warner, für AppleTV+ und demnächst Peacock von der Comcast-Tochter NBC. Sie alle versprechen werbefreie Inhalte für eine bescheidene monatliche Abogebühr.

„Wir glauben nicht, dass es übertrieben ist, das derzeitige Umfeld als ‚Streamingkrieg‘ zu bezeichnen“, meint Analyst Jeffrey Wlodarczak von Pivotal Research.

Uneinig sind sich die Analysten darüber, ob Netflix durch die neuen Angebote verdrängt werden kann und für wie viele Streamingdienste die Kunden bereit sind zu bezahlen. Aber viele glauben, dass Disney zu den Gewinnern in der Streamingarena gehören wird.

Pivotal-Analyst Wlodarczak schätzt, dass Disneys neues Angebot in den USA eher den teuren Kabelfernsehanbietern schadet als dem Pionier Netflix. Für Kabelfernsehen müssen die Zuschauer in den USA locker über 100 Dollar im Monat zahlen. Wenn sie das komplett aufgeben, können sie sich auch mehrere Streamingdienste leisten.

Wlodarczak weist darauf hin, dass Disney kaum eigene Inhalt für sein Streamingangebot produziert und sich vor allem an Familien mit Kindern unter 13 Jahren wendet. Damit hätten Netflix und Disney zwei sehr unterschiedliche Zielgruppen.

Eines steht für den Pivotal-Analysten jedoch fest: Die vielen neuen Spieler werden die eigenen Kosten in den kommenden zwei Jahren deutlich nach oben treiben. Immer mehr Spieler brauchen immer mehr eigene Inhalte. Da gewinnen auch die externen Produktionshäuser.

Mehr: Die Golden Globes sind zum 77. Mal verliehen worden. Zu den Gewinnern gehören „Once Upon a Time in Hollywood“ und ein düsteres Kriegsdrama.

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