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Amerikas Notenbank fürchtet den nächsten Lehman-Moment

WELT-Logo WELT 09.10.2019 Anne Kunz
Fed-Chef Jerome Powell wies auf die unerwarteten und sehr starken Turbulenzen auf dem Geldmarkt hin und kündigte weitere Aktionen an Quelle: AFP/ALEX WONG © AFP/ALEX WONG Fed-Chef Jerome Powell wies auf die unerwarteten und sehr starken Turbulenzen auf dem Geldmarkt hin und kündigte weitere Aktionen an Quelle: AFP/ALEX WONG

Es war ein Lehman-Moment. Das, was bisher im Überfluss schien, fehlte plötzlich: Liquidität. So gab es vor einigen Wochen nachts turbulente Szenen an dem US-Geldmarkt, wo sich vor allem Banken gegenseitig mit Cash aushelfen. Der entsprechende Zins schoss vorübergehend von zwei auf zehn Prozent in die Höhe. Erinnerungen an die Finanzkrise wurden wach. Nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers hatten sich die Banken so stark gegenseitig misstraut, dass sie sich gar kein Geld mehr liehen und die US-Notenbank eingreifen musste.

Das tat sie auch diesmal. Über spezielle Wertpapiergeschäfte stellte sie den Geschäftsbanken mehr als 120 Milliarden Dollar zur Verfügung. Und nun machte Fed-Chef Jerome Powell ungewohnt deutlich klar, dass weitere Aktionen folgen würden. Er betonte die unerwarteten und sehr starken Turbulenzen auf dem Geldmarkt. Um gegenzusteuern, will er offenbar kurz laufende US-Staatspapiere kaufen, und ist damit auch bereit, sein Portfolio wieder zu vergrößern.

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Es sei klar, dass ohne ausreichende Reserven im Bankensystem sogar gewöhnliche Schwankungen auf dem Geldmarkt zu extremen Ausschlägen bei den Zinsen führen würden, sagte Powell. Falls nötig, werde die Fed ihren geldpolitischen Werkzeugkasten „aggressiv nutzen“. Sein Stellvertreter Richard Clarida hatte bereits angekündigt, dass das Thema Bilanzausweitung im Oktober zur Sprache kommen werde. Offenbar ist die Notenbank nun wieder vollständig in den Krisenmodus zurückgekehrt.

Es wäre eine Rolle rückwärts. Nachdem die Fed durch ihre Anleihekaufprogramme des sogenannten Quantitative Easing (QE) ihr Portfolio auf rund 4,5 Billionen Dollar aufgebläht hatte, hatten sie es in den vergangenen zwei Jahren immerhin auf rund 3,8 Billionen Dollar reduziert. Doch Ende Juli wurde entschieden, den Abbau vorzeitig abzubrechen, nun könnten sogar die Verkäufe rückgängig gemacht werden.

Powell gab sich jedoch alle Mühe zu betonen, dass es sich bei den geplanten Anleihekäufen um kein neues QE-Programm handele oder dass sich die geldpolitische Ausrichtung geändert habe. Die Ankäufe seien „nur technischer“ Natur.

Allerdings wird vor dem Hintergrund des Zollkonflikts und der mauen Weltwirtschaft auch eine baldige weitere Zinssenkung immer wahrscheinlicher. Die Zentralbank werde „angemessen handeln“, um das Wachstum zu stützen, sagte Powell.

Fed legt sich nicht vorab auf einen Kurs fest

Mit ähnlichen Formulierungen hatte er die Märkte bereits auf die beiden Zinssenkungen in diesem Jahr eingestimmt. Er betonte zugleich, die Fed lege sich niemals vorab auf einen Kurs fest und entscheide nach Datenlage „von Sitzung zu Sitzung“. Experten rechnen noch Ende dieses Monats mit einem weiteren Zinsschritt.

Die Fed, die Vollbeschäftigung und stabile Preise fördern soll, hatte zuletzt im September den Leitzins auf die Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent heruntergesetzt.

Die Fed fährt einen zusehends lockereren Kurs, da die weltgrößte Volkswirtschaft im Sog des Zollkonflikts bereits deutlich an Schwung verloren hat. Konjunkturbarometer deuten auf eine weitere Abkühlung hin: Demnach schrumpft die Industrie so stark wie seit 2009 nicht mehr.

Der Chef des Fed-Bezirks Chicago, Charles Evans, sieht sich durch die eingetrübten Wirtschaftsaussichten in der Einschätzung bestätigt, dass die Fed richtigerweise auf einen eher konjunkturstimulierenden Kurs umgeschwenkt sei: „Ich denke, die Abwärtsrisiken überwiegen.“

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