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Attila Doğudan: Bieterkampf um Lufthansa-Tochter: Dieser Gastronom will LSG Sky Chefs übernehmen

Handelsblatt-Logo Handelsblatt vor 6 Tagen Siebenhaar, Hans-Peter
Sein Übernahmeziel ist größer als sein Unternehmen Do  &  Co. © action press Sein Übernahmeziel ist größer als sein Unternehmen Do & Co.

Der Chef des Catering-Unternehmens Do & Co kämpft um die Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs. Mit der Übernahme würde sich sein Umsatz verdoppeln.

Dem Zufall überlässt Attila Doğudan nichts. Beim Requiem für den Luftfahrtunternehmer und ehemaligen Formel-1-Weltmeister Niki Lauda Ende Mai dirigierte der 60-Jährige im voll besetzten Wiener Stephansdom die Trauergemeinde auf ihre Plätze.

Anschließend gingen die 300 geladenen Gäste, darunter zahlreiche Prominente vom österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen über den kalifornischen Ex-Gouverneur und Schauspieler Arnold Schwarzenegger bis hin zu Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton, über den roten Teppich direkt in sein gegenüberliegendes Fünf-Sterne-Hotel.

Alles war perfekt organisiert. Eine Armada von Kellnern versorgte die internationalen Gäste mit edlen Getränken und feinstem Essen. Selbst Mitglieder des internationalen Jetsets waren beeindruckt von dieser logistischen und kulinarischen Meisterleistung.

Für Attila Doğudan war die außergewöhnliche Bewirtung der Trauergemeinde eine Ehrensache.

Seinem Freund Niki Lauda ist der türkischstämmige Unternehmer zu Dank verpflichtet. Ein Auftrag von Lauda-Air war für Doğudan der Einstieg in das Cateringgeschäft in der Luftfahrtbranche. Nicht zuletzt mit Laudas Unterstützung gelang ihm 1992 mit dem Catering der Rennserie Formel 1 ein weiterer Meilenstein in der Unternehmensentwicklung.

Nun setzt Attila Doğudan zu seinem Meisterstück an. Sein börsennotierter Konzern Do & Co will das Europageschäft des Lufthansa-Caterers LSG Sky Chefs übernehmen. Laut Doğudan gehe es um einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro. Rund die Hälfte der Erlöse würde in Deutschland gemacht, sagt der Familienunternehmer. „Wir rechnen mit einer Entscheidung im Laufe des Herbstes“, ist Doğudan überzeugt.

Im Wettrennen sind laut Unternehmenskreisen nur noch Do & Co und die Schweizer Gategroup. Bis Ende des Jahres soll der Lufthansa zufolge das Geschäft über die Bühne sein. LSG Sky Chefs, der zweitgrößte Caterer der Welt, erzielte mit 9000 Mitarbeitern im vergangenen Geschäftsjahr ein Betriebsergebnis von 115 Millionen Euro.

Die Lufthansa ist ein guter Kunde

Für den gebürtigen Istanbuler Doğudan ist LSG Sky Chefs ein großer Fisch. Die Lufthansa-Sparte ist größer als sein eigener Konzern. Mit der Lufthansa ist Doğudan seit Langem im Geschäft. Doğudan betreibt neben dem Catering für die Konzerntochter Austria Airlines die First-Class-Lounge in Frankfurt und liefert die Delikatessen für die Gäste der ersten Klasse des Dax-Unternehmens. In der Branche wird daher spekuliert, dass Do & Co die besten Chancen auf den Zuschlag besitzt. Doğudan will das nicht kommentieren.

Doğudan hat es mit sehr viel Ehrgeiz und ungeheurem Fleiß nach ganz oben in Österreich geschafft. Im Alter von zehn Jahren kam der Sohn einer Wienerin und eines türkischen Gastronomen in das Land. Bereits mit 22 Jahren eröffnete der damalige Wirtschaftsstudent mit drei Mitarbeitern sein eigenes, kleines Delikatessenlokal Do & Co samt Partyservice.

1998 gelang ihm der Gang an die Wiener Börse. Doğudan hält über seine Privatstiftung noch knapp ein Drittel aller Aktien. An diesem Paket will er auch künftig festhalten. „Ich habe sehr oft sehr gute Angebote für meine Aktien bekommen. Doch das hat mich nie gereizt“, berichtet er.

Heute zählt Do & Co zu den großen Anbietern von Bordverpflegung in der Luftfahrtbranche. Zuletzt hat die Firma den Service für die Airlines British Airways und Iberia gewonnen. Erst im Mai unterzeichnete er einen 15 Jahre laufenden Vertrag mit der aufstrebenden Turkish Airlines. 60 Fluggesellschaften zählen inzwischen auf die Kochkünste von Do & Co.

Doch nicht alles gelang Doğudan. Die Zusammenarbeit mit der österreichischen Bahn ÖBB gab er wieder auf. Ein Umsatz von 46 Millionen Euro jährlich brach weg. „Nur aus Niederlagen lernt man“, sagt Doğudan dazu. „Wir haben das Ding nicht drehen können.“

Zuletzt präsentierte Doğudan eine gute Bilanz. Auch wenn die Erlöse im Geschäftsjahr 2018/19 um 1,6 Prozent auf 848 Millionen Euro wegen Währungseffekten sanken, schnellte das Konzernergebnis doch um über acht Prozent auf 26 Millionen Euro nach oben. An der Börse steht Do & Co hoch im Kurs. Von den acht Analysten, die den Gastronomiekonzern im Blick haben, empfehlen sechs die Aktie zum Kauf. Die Marktkapitalisierung beträgt annähernd 900 Millionen Euro.

Die Söhne sind schon an Bord

Der Unternehmer, der beruflich in Wien und privat in Barcelona zu Hause ist, ist nach fast vier Jahrzehnten als Unternehmer noch immer sehr ehrgeizig. „Wir wollen Weltmarktführer in Sachen Hospitality werden“, sagt Doğudan, der als Jugendlicher in der Tischtennis-Nationalmannschaft von Österreich gespielt hat. Er ergänzt: „In Wahrheit ist Do & Co ganz am Anfang.“

Der Familienunternehmer denkt längst an die nächste Generation. Seine Söhne Attila, 35, und Marius, 33, sind bereits im Unternehmen aktiv. Attila Junior kümmert sich in London um das Geschäft von British Airways, Marius um die Formel 1 und Iberia. Ob er selbst nach seinem 60. Geburtstag daran denkt, etwas kürzer zu treten, lässt er offen.

So richtig vorstellen kann sich das niemand. „Das Unternehmen ist extrem auf ihn zugeschnitten“, meint Gastronomie-Experte und Unternehmensberater Hans Mahr.

Doğudan besitze ein gutes Händchen für seine Leute, berichten Insider. Das ist wichtig für seine Branche, die naturgemäß personalintensiv ist. „Er hat immer auf eine gute Ausbildung seiner Mitarbeiter gesetzt. Er achtet persönlich darauf, ob alles richtig läuft“, sagt Branchenexperte Mahr.

Der Unternehmer ist längst einer der bekanntesten Wiener. In seinem Stammhaus im Herzen der Donaumetropole ist der Unternehmer präsent. Jede Woche verbringt er einen Tag oder anderthalb Tage in der österreichischen Hauptstadt. Sein Edelrestaurant mit österreichischer, mediterraner und asiatischer Küche dient seit vielen Jahrzehnten als Wohnzimmer der Mächtigen aus Politik, Wirtschaft und Medien.

„Attila ist stets ein freundlicher, aufmerksamer Mensch“, berichtet Mahr, der ihn bereits seit den Anfangsjahren kennt. „Er ist nicht durch seinen Aufstieg verblendet.“ Auch Fehlentscheidungen gesteht der Unternehmer offen ein. „Wir haben den Erfolg nicht gepachtet. Natürlich machen wir auch Fehler“, sagt Doğudan.

Trotz des enormen Wachstums der vergangenen Jahre versteht Doğudan sein Geschäft weiter vor allem als Handarbeit. Es läge in der Natur der Branche, dass auch die Vorstände beim Produkt und damit bei den Kunden sein müssten. „Ich gehe fast zu jedem Rennen der Formel 1 oder wichtigen Fußballspiel“, berichtet der  Unternehmer.   Jährlich verbringt er nach eigenen Angaben rund 800 Stunden im Flugzeug. „Ich bin zu 50 Prozent an der Front. In diesem Geschäft ist das zwingend notwendig.“

Kunden wie der Fußballverein Bayern München, die Champions League des europäischen Fußballverbands Uefa oder die Formel 1 schätzen die häufige Präsenz des Vorstandschefs. „Wir denken immer zuerst an den Kunden“, beteuert Doğudan und fügt hinzu: „In unserem Geschäft geht es um höchste Präzision.“ Genau das garantiert er höchstpersönlich.

Mehr: Der Verkauf von LSG Sky Chefs geht in die heiße Phase: Emirates mit dem Dienstleister Dnata hat kein Interesse mehr.

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