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Autobauer: BMW kippt wegen harten Wettbewerbs und Handelskonflikten seine Prognose

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 25.09.2018 Fasse, Markus
Im Kernsegment Automobile soll der Umsatz nun leicht zurückgehen statt leicht steigen. © Reuters Im Kernsegment Automobile soll der Umsatz nun leicht zurückgehen statt leicht steigen.

Nach Daimler kassiert auch der Konkurrent aus München seine Gewinnprognose für 2018. Die Branche geht unruhigen Zeiten entgegen.

Ende September treffen sich die BMW-Kontrolleure zu einem jährlichen Ritual. Zwei Tage dauert die Strategiesitzung, und traditionell geht der Blick weit nach vorn: Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich führt neue Elektroautos vor, Vorstandschef Harald Krüger entwirft Visionen vom Unternehmen der Zukunft, das immer mehr von Dienstleistungen leben will. Innovativ, nachhaltig und profitabel soll BMW sein – so lautet die Forderung der Großaktionäre Susanne Klatten und Stefan Quandt. Die beiden Geschwister sind Aufsichtsratsmitglieder und halten rund 47 Prozent der Stimmrechte.

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Doch in diesem Jahr dürfte es neben der Mittelfristplanung auch um die aktuelle wirtschaftliche Situation der BMW Group gehen. Einen Tag vor dem Treffen der Kontrolleure verfassten Vorstandschef Krüger und Finanzvorstand Nicolas Peter eine Ad-hoc-Mitteilung. Zum ersten Mal seit zehn Jahren muss der Konzern seine Prognosen revidieren.

Die „Neueinschätzung“ der Geschäftsaussichten für 2018 hat es in sich. Anders als erwartet werde man im Autogeschäft nun etwas weniger erlösen, bislang war man von einem leichten Zuwachs ausgegangen. Statt mindestens acht Prozent werde die Umsatzrendite im Autogeschäft nun nur noch sieben Prozent betragen.

Und auch das Konzernergebnis, das im vergangenen Jahr noch bei stolzen 10,7 Milliarden Euro lag, werde 2018 sinken und nicht steigen. „Die BMW Group steht unverändert zu ihrem Anspruch, die Transformation der Branche anzuführen“, sagte Krüger am Dienstag in München.

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Tatsächlich wurde seit Tagen spekuliert, ob BMW wie zuvor Daimler seine Prognose kassiert. Denn der Problemstau in der Branche wird jeden Tag größer. So führt man in München gleich einen ganzen Strauß von Umständen an, warum die Aktionäre nun mit einem dünneren Ergebnis leben müssen.

BMW begründet die Gewinnwarnung vor allem mit den Verwerfungen auf dem Automarkt in Europa. Dort gelten seit September die Zulassungsregeln nach dem neuen WLTP-Standard, der realistischere Verbrauchsangaben liefern soll. BMW hat zwar die Masse seiner Modelle frühzeitig zertifiziert, wichtige Konkurrenten wie VW und Audi haben das aber nicht geschafft. Um die nicht zertifizierten Modelle trotzdem verkaufen zu können, drückte die Konkurrenz billige Tageszulassungen oder junge Gebrauchte in den Markt. Das dürfte nach Einschätzung von BMW noch bis mindestens Ende des Jahres auf die Preise drücken.

Doch ebenso schlimm schlagen hausgemachte Qualitätsprobleme zu Buche. So muss BMW in Korea 106.000 Autos wegen Motorbränden zurückrufen, auch in den USA und China muss der Konzern teure Nachbesserungen an ausgelieferten Modellen vornehmen.

BMW muss mit weiteren Belastungen rechnen

Zwar sind Rückrufe in der Autoindustrie nicht ungewöhnlich, doch für BMW-Verhältnisse waren die Belastungen für das Jahr 2018 schon ungewöhnlich hoch, heißt es im Konzern.

Als dritten Grund führt BMW den schwelenden Handelskonflikt zwischen China und den USA an. Die Münchener bauen im Werk Spartanburg in South Carolina Geländewagen und konnten sie bislang ohne größere Einfuhrzölle nach Fernost verschiffen. Nun verlangen die Chinesen aber bis zu 40 Prozent Einfuhrzoll, nachdem die USA chinesische Waren mit Strafen belegt hatten.

Wie schon zuvor Daimler verliert BMW so ein lukratives Geschäftsmodell. Zwar fertigt BMW mittlerweile immer mehr Autos auch in China vor Ort, vollständig kompensieren kann der Konzern seine Verluste aus dem Handelsstreit aber nicht. Und auch in China selbst, dem größten Absatzmarkt von BMW, wächst der Druck. Das Verkaufsplus in dem einstigen Boomland ist nur noch mager, die Preise sind massiv unter Druck.

Bei diesen Widrigkeiten wird es nicht bleiben. BMW-Chef Krüger muss nach seinem Besuch im Kanzleramt am Sonntagabend nun mit weiteren Belastungen rechnen. Dort diskutierte Krüger gemeinsam mit Daimler-CEO Dieter Zetsche, VW-Chef Herbert Diess und Bundeskanzlerin Angela Merkel über das weitere Vorgehen in Sachen Diesel. Als sicher gilt seitdem, dass auch BMW einen größeren Beitrag zum Umtausch und zur Umrüstung von Altdieseln leisten muss. Offen ist nur noch die Höhe der Rechnung und wann genau sie fällig wird.

Eine unangenehme Situation für Krüger. Der BMW-Chef hatte für 2018 „die größte Produktoffensive der Firmengeschichte“ angekündigt. Tatsächlich kommen mit dem X2, dem X3 und der neuen 8er-Reihe nun im Monatstakt frische Modelle zu den Händlern, auf die der Vertrieb sehnsüchtig wartet.

Doch auch hier knirscht es bedenklich: Erst in der vergangenen Woche lehnten die deutschen BMW-Händler die vom Konzern angebotenen neuen Service- und Handelsverträge ab. Die neuen Bedingungen gefährdeten ihre wirtschaftliche Existenz, klagen die Händler.

Ganz besonders stößt den BMW-Partnern auf, dass der Konzern künftig noch mehr Großkundengeschäft auf eigene Rechnung machen will. Im März wurde publik, dass BMW pro Jahr rund zehntausend Autos an die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) liefert und dabei nach Angaben der freien BMW-Händler bis zu fünfzig Prozent Rabatt gewährt.

Sicher ist: Der Höhepunkt der Autokonjunktur ist längst überschritten. Dass der Rivale Mercedes mittlerweile noch schlechter als BMW verkauft, tröstet in München niemanden so recht. Immerhin hatte Krüger versprochen, den Konkurrenten aus Stuttgart bei den Verkäufen bis 2020 einzuholen oder den Abstand von rund 200.000 Autos pro Jahr wenigstens einigermaßen zu verkürzen.

Für Krüger wird nun entscheidend sein, ob er glaubhaft versichern kann, BMW trotz der neuen Belastungen fit für die Zukunft zu machen. Vor wenigen Tagen zeigten die Münchener mit dem „iNext“ ein selbstfahrendes Elektroauto, mit dem man 2021 sowohl Tesla als auch die Google-Tochter Waymo endgültig in die Schranken weisen will. In den kommenden zwei Tagen sollen die Aufsichtsräte in München noch mehr zu sehen bekommen.

Schließlich hat Krüger für das laufende Jahr den Entwicklungsetat um eine Milliarde Euro aufgestockt. Nicht nur die Quandts wollen ihr Geld gut angelegt sehen.

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