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Autobauer: Neuer Daimler-Chef Källenius plant drastisches Sparprogramm

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 18.04.2019 Hubik, Franz
Der Zetsche-Nachfolger verordnet dem Konzern ein Sparprogramm. © Reuters Der Zetsche-Nachfolger verordnet dem Konzern ein Sparprogramm.

Allerorten brechen die Verkaufszahlen ein – und Daimler reagiert mit einem großen Sparprogramm: Bis zu 10.000 Stellen könnten einem Bericht zufolge wegfallen.

Der designierte Daimler-Chef Ola Källenius wird angesichts hoher Entwicklungsausgaben einem Magazinbericht zufolge wohl die Kosten deutlich herunterfahren. Bei Mercedes-Benz sollten bis 2021 sechs Milliarden Euro zusätzlich eingespart werden, in der Lkw-Sparte seien es zwei Milliarden, berichtet das „Manager Magazin“ in seiner neuen Ausgabe ohne Quellenangabe. Das Unternehmen äußerte sich nicht.

Das Sparprogramm werde vermutlich mit einem massiven Personalabbau einhergehen, berichtete das Magazin weiter. Mittelfristig sei ein Wegfall von vielleicht 10.000 der zuletzt knapp 300.000 Stellen denkbar. Dem Bericht zufolge will Källenius, der Dieter Zetsche auf der Hauptversammlung im Mai als Konzernchef beerben soll, zudem die Zusammenarbeit mit Renault-Nissan beenden.

Seit der Untersuchungshaft von Ex-Chef Carlos Ghosn liefen fast alle gemeinsamen Geschäfte mit der französisch-japanischen Allianz schlecht, im Aufsichtsrat wachse deshalb der Unmut. Källenius werde die Zusammenarbeit allerdings nicht abrupt stoppen, sondern sanft auslaufen lassen.

Daimler steht unter einem großen Sparzwang. Im vergangenen Jahr ist der Nettogewinn des Konzerns um fast 30 Prozent gesunken, auf nur noch 7,6 Milliarden Euro. Hintergrund sind mannigfaltige Probleme. In vier von fünf Sparten ist das Betriebsergebnis des Konglomerats eingebrochen.

Insbesondere die Auto-Division Mercedes-Benz Cars, die mehr als Hälfte des Konzernumsatzes von 167,4 Milliarden Euro beisteuert, schwächelt erheblich. Die Umsatzrendite der einstigen Ertragsperle von Daimler ist von 9,4 auf 7,8 Prozent abgesackt. Die interne Analyse ist klar: Wenn Absatz und Umsatz steigen, aber die Deckungsbeiträge sinken, sind die Kosten zu hoch.

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Durch die immensen Aufwendungen für Elektromobilität, autonomes Fahren und Mobilitätsdienste gerät die Zielrendite in der Pkw-Sparte von mehr als acht Prozent bis 2021 außer Reichweite. Dort will und muss Källenius ansetzen.

Anfang Februar hatte Daimler angesichts der schwachen Ergebnisse bereits „Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz“ angekündigt. Ein Sparprogramm wird seither ausgearbeitet. Details dazu hat der Konzern bisher keine genannt.

Personalvorstand Wilfried Porth erklärte lediglich: „Im Moment liegt der Fokus sicher stärker auf der Verwaltung als auf der Produktion.“ Über viele kleine Stellschrauben wollen die Stuttgarter in der Summe größer einsparen. „Beispielsweise weniger Berater, weniger Reisen, weniger Papier und Bewirtungen bei Meetings, höhere Effizienz“, so Porth.

Mittelfristig prüft Daimler zudem, einige Motorenvarianten auszusortieren, heißt es in Unternehmenskreisen. Darüber hinaus steht die Fahrzeugpalette auf dem Prüfstand. Betriebsratschef Michael Brecht hält 40 Modelle für überzogen. „Da gibt es Handlungsbedarf“, erklärte der oberste Mitarbeitervertreter bei Daimler.

Problem beim Verhältnis von Arbeitskosten zu Umsatz

Einige Investoren kritisieren die hohe Fertigungstiefe der Schwaben. So stellt Daimler viele Guss- und Schmiedeteile sowie seine Getriebe noch selbst her. Die Folge: Mercedes beschäftigt bei einem ähnlichen Pkw-Absatz wie BMW fast 25.000 Mitarbeiter mehr als der Münchener Rivale. Das Verhältnis von Arbeitskosten zu Umsatz bei Daimler ist laut Berechnungen von Evercore ISI dadurch mit 13,5 Prozent erkennbar höher als jenes von BMW mit 12,3 Prozent.

„Wir müssen an die Fertigungstiefe ran“, sagt ein Daimler-Manager. „Das kann nicht so bleiben“. Källenius hat seine Mitarbeiter bereits vor einigen Wochen auf bevorstehende Einschnitte eingestimmt. „Mercedes ist auch eine Luxusmarke“, schrieb Källenius im Intranet des Konzerns. „Aber wir haben nicht den Luxus, sorglos mit Budgets umzugehen“. Der Druck, die Kosten zu senken, nimmt bei Daimler zudem eher ab als zu. Denn mittlerweile schwächelt die Marke mit dem Stern auch beim Absatz.

Ob in Europa, Asien oder Nordamerika: Allerorten brechen bei Mercedes die Verkaufszahlen ein. Die Stuttgarter setzten von Anfang Januar bis Ende März nur noch 561.000 Auto ab. Das ist ein Rückgang von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eine echte Besserung ist zunächst nicht in Sicht. Zur Hauptversammlung in sechs Wochen wird unter dem Strich ein Absatzminus stehen, heißt es in Konzernkreisen.

Nur durch einen Sondereffekt dürfte Daimler einen gröberen Gewinneinbruch im ersten Quartal vermeiden können: Die Bündelung der Carsharing- und Mobilitätsdienste mit dem Kontrahenten BMW, die Anfang des Jahres erfolgte, beschert Daimler einen positiven Ergebnisbeitrag von rund 700 Millionen Euro. Operativ ist die Lage dagegen ernüchternd.

Mit Material von Reuters.

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