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Bankenfusion: Und warum?

ZEIT ONLINE-Logo ZEIT ONLINE 18.03.2019 Lisa Nienhaus

Eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank ergibt wenig Sinn. Wenn der Finanzminister sie wirklich will, gilt jetzt: Her mit den Argumenten!

Die Zentrale der Commerzbank (rechts) in Frankfurt am Main © Thomas Lohnes/AFP/Getty Images Die Zentrale der Commerzbank (rechts) in Frankfurt am Main

Nun ist offiziell, was das Land inoffiziell längst wusste: Die beiden großen deutschen Privatbanken sprechen miteinander, sie wollen womöglich fusionieren. Aus Deutscher Bank und Commerzbank könnte am Ende ein Institut werden. Eine Bank, die dann am besten auch Deutsche Bank heißen würde, denn es wäre die letzte große deutsche Privatbank im Land. Vor der Finanzkrise gab es derer noch drei, derzeit gibt es noch zwei. Und wie bei der letzten Fusion (Commerzbank und Dresdner Bank) würde wohl auch in diesem Fall eine Bank entstehen, die am Ende deutlich kleiner wäre als die Summe ihrer Teile.

Ein Schrumpfprogramm für den Bankensektor, das muss nicht falsch sein. Denn es gibt ja noch die Genossenschaftsbanken, ein paar kleinere Privatbanken und jede Menge staatliche, teilstaatliche oder staatsnahe Banken. Die Frage ist allerdings, ob es für die Schrumpfung eine Fusion braucht. Und das ist nur eine der vielen Fragen, die die Frankfurt-Berliner Fantasie aufwirft. Je länger man sich mit ihr befasst, mit je mehr Menschen, Bankern, Ökonomen man darüber spricht, desto mehr Zweifel entstehen. Laut erklingt im Kopf der Refrain eines Lieds, das die Girlband Tic Tac Toe in den Neunzigerjahren in die Welt schrie:

"Und warum? (Und warum? Und warum?)

Nur für den Kick, für den Augenblick?"

Noch fehlt von Banken und Finanzministerium eine Antwort auf diese Frage. Es sollte eine Antwort sein, die der Öffentlichkeit einleuchtet, die Aktionäre der Banken überzeugt und die Steuerzahler beruhigt, die als Anteilseigner der Commerzbank dabei sind, und die aus Erfahrung Angst haben, wenn es um Banken geht. Sonst wird es nichts mit dem Zusammenschluss.

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Bislang passiert das Gegenteil. So sind die beiden Ad-hoc-Mitteilungen zum Thema eher verwirrend. Denn die Deutsche Bank geht auffällig verdruckst mit der Fusion um. Während die Commerzbank einen klaren Satz bekannt gibt ("Commerzbank und Deutsche Bank haben sich heute darauf verständigt, ergebnisoffene Gespräche über einen eventuellen Zusammenschluss aufzunehmen"), erklärt die Deutsche Bank, "strategische Optionen" zu prüfen, versichert schnell, es gebe "keine Gewähr, dass es zu einer Transaktion kommt" – und bestätigt erst dann Gespräche mit der Commerzbank. Das Wort Fusion oder Zusammenschluss wird sorgsam vermieden. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing spielt also mit. Wirklich überzeugt von der Sache ist er aber offenbar nicht.

Rest von Großmannssucht

Das ist nicht überraschend. Denn ein Zusammenschluss mit der Commerzbank würde bedeuten, den Staat als Commerzbank-Anteilseigner mitreden zu lassen. Und das in der Bank, die lange so stolz darauf war, keine Staatshilfe in der Finanzkrise benötigt zu haben. Der ehemalige Chef Josef Ackermann war es, der in der Krise alle Hilfsangebote ausgeschlagen hatte, die über die Einlagensicherung hinausgingen, die Kanzlerin und Finanzminister versprachen. Nun soll die Deutsche Bank, elf Jahre danach, doch noch den Staat mitbestimmen lassen? Das bedeutet aus Sicht der Banker nichts Gutes. Vor allem in der Deutschen Bank, die trotz der üblen Lage, in der sie steckt, immer noch einen Rest der einstigen Großmannssucht in sich trägt.

Also: Und warum?

Eine Antwort darauf könnte für Christian Sewing sein: Weil die Fusion von allen schlechten Möglichkeiten noch die beste ist. Nur ist es zweifelhaft, dass das stimmt in einem Haus, das immerhin zuletzt Gewinn gemacht hat – wenn auch nur haarscharf. Die immer zitierten Synergien gibt es sicherlich zwischen Deutscher Bank und Commerzbank. Doch es kann ja nicht nur ums Kleinsparen gehen. Die neue Bank müsste auch etwas besser können als die beiden alten getrennt voneinander. Was das sein soll, dazu fehlen bislang die Ideen.

Um die Öffentlichkeit und die eigenen Aktionäre von der Fusion zu überzeugen, müsste die Deutsche Bank deshalb Daten und Details auf den Tisch legen, die ihre Lage eher schlecht dastehen ließen. Nach dem Motto: Wir müssen es tun, es geht nicht anders. Solche Zahlen und Daten kann man sicherlich finden. Aber will Christian Sewing das wirklich? Eher nicht. Höchstens dann, wenn er das Gefühl hat, am Ende einen sehr guten Deal zu bekommen. Das wiederum dürfte die Steuerzahler nicht begeistern.

Die Antwort auf das Warum wird also vermutlich nicht aus den Banken kommen. Dazu sind sie nicht verzweifelt genug. Es ist das Finanzministerium, das liefern muss. Schließlich drängt man vor allem von dort auf den Zusammenschluss. Und Staatssekretär Jörg Kukies ist nah dran an der Frankfurter Finanzwelt, war er doch bis vor Kurzem Deutschlandchef von Goldman Sachs.

Bislang waren aus dem Ministerium allerdings eher abstrakte Argumente zu hören: Dass Deutschland eine große, starke Bank brauche, sagt Minister Olaf Scholz (SPD) gern. Er spricht von einer "Industriepolitik für Banken", die es brauche. Das ist so vage, dass es nicht gerade überzeugt. Denn wieso sollte eine Fusion dazu beitragen, dass Banken stärker werden? Das ginge nur, wenn der Staat etwas dazupacken würde, ein paar Garantien oder sonstige Geschenke. Das aber würden die Wähler nicht gutheißen. In jedem Szenario aber würde die neu fusionierte Bank noch staatsnäher, als Commerzbank und Deutsche Bank es jetzt schon sind. Sie sind beide schon heute too big to fail, also zu groß, als dass das Land sie einfach pleitegehen lassen würde. Gäbe es nur noch eine Großbank, würde ihr Erpressungspotenzial gegenüber dem Staat beträchtlich steigen.

Warum das Ganze?

Damit in der nächsten Krise die deutsche Bankenwelt sicherer ist, mag das Finanzministerium argumentieren. Nicht noch einmal solle der Staat Banken retten müssen. Das ist ein Ziel, das gut klingt und berechtigt wäre. Nur ist es unklar, wieso zwei eher darbende Banken zusammen sicherer sind als allein. Es ist ja nicht so, dass hier ein Gesunder einen Kranken stützen würde. Aber vielleicht weiß das Finanzministerium ja etwas, das die Öffentlichkeit nicht weiß. Dann wäre es jetzt an der Zeit, Belege vorzulegen, dass größere Sicherheit per Fusion erreichbar wäre.

Und die Steuerzahler (und ihre Vertreter, die Politiker) sollten darauf bestehen, sie auch wirklich zu sehen, bevor sie solch einen Deal gutheißen. Für sie als Kunden nämlich ist die Fusion keine gute Sache. Weniger Wettbewerb unter den sowieso schon wenigen deutschen Großbanken bedeutet weniger Auswahl und schlechtere Konditionen. Besonders Firmenkunden, die nicht einfach zur örtlichen Sparkasse wechseln können, sind froh, wenn sie zwischen zwei großen deutschen Banken wählen können.

Also, lieber Finanzminister, liebe Bankchefs, her mit den guten Argumenten! Sonst ist es an der Zeit, einzusehen, dass Fusionen immer spannend, aber nicht immer sinnvoll sind.

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