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Beiratswahl: Bei Oetker erreicht der Familienstreit eine neue Stufe

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 19.01.2019 Kapalschinski, Christoph
Die Gruppe besteht aus Lebensmittelherstellern, Lampe-Bank und Radeberger-Braugruppe. © dpa Die Gruppe besteht aus Lebensmittelherstellern, Lampe-Bank und Radeberger-Braugruppe.

Erstmals geht der Geschwister-Konflikt in der Oetker-Gruppe vor ein ordentliches Gericht. Er gefährdet den geplanten Generationswechsel im Beirat.

Bei einem der bedeutendsten deutschen Mittelständler flammt ein Familienstreit um die Macht neu auf. Die Oetker-Familie streitet erneut um die Besetzung des Beirats und damit um die Macht in ihrer Gruppe aus Lebensmittelhersteller, Lampe-Bank und Radeberger-Braugruppe. Erstmals geht der Konflikt dabei sogar vor ein ordentliches Gericht.

Schon länger geht ein Riss durch die Familie. Auf der einen Seite stehen die fünf ältesten Kinder des verstorbenen Patriarchen Rudolf-August Oetker, auf der anderen Seite die drei jüngsten Geschwister aus der dritten, letzten Ehe von Rudolf-August. Offenbar wurde der Streit erstmals vor sieben Jahren, als es um die Strategie in der Schifffahrt ging. Letztlich konnte sich die Familie immerhin darauf einigen, ihre Reederei Hamburg Süd für gutes Geld an Maersk zu verkaufen.

Doch hinter der Sachfrage stand auch ein Streit um Personalien. Nachdem die fünf älteren Geschwister die interne Altersgrenze von 65 Jahren erreicht haben, drängten die jüngeren vergeblich auf einen Posten in der Geschäftsführung. Sie ist seit dem Ausscheiden von Richard Oetker erstmals in der Familiengeschichte nur mit familienfremden Managern besetzt. Chef der Gruppe ist seit 2017 Albert Christmann. Der Älteste der drei jüngeren Geschwister, der 51-jährige Alfred Oetker, ist inzwischen immerhin als stellvertretender Beiratschef eingebunden.

Vorangegangen war eine heftige Auseinandersetzung, geführt vor einem Schiedsgericht. Doch eine Lösung für die Nachfolge von Patriarch August Oetker, der den Beirat führt, steht noch aus. Er soll eigentlich planmäßig zum Jahreswechsel 2019/2020 ausscheiden, wenn er die Altersgrenze von 75 Jahren erreicht.

Doch nun droht statt einer Kompromissformel erneut ein handfester Streit. Diesmal geht es um eine relativ harmlos erscheinende Entscheidung: Nachdem der derzeit vielbeschäftigte Lufthansa Chef Carsten Spohr sein Mandat im Oetker-Beirat abgegeben hatte, wurde im Dezember 2018 die 39-jährige Anna Maria Braun seine Nachfolgerin. Sie ist die künftige Chefin des Medizintechnikunternehmens B.Braun.

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Gegen diese Entscheidung liegt nun eine Feststellungsklage vor dem Landgericht Bielefeld vor, wie der „Spiegel“ unter Bezugnahme auf das Gericht berichtet. Demnach hat der Beirat sein neues Mitglied mit fünf zu drei Stimmen gewählt – gegen den Willen von Alfred Oetker als Vertreter der jüngeren Geschwister und ohne die erforderliche Zweidrittelmehrheit.

Familienoberhaupt August Oetker hat demnach die Personalie durchgedrückt. Er erklärte laut dem Bericht die Wahl für gültig, da die Gegenstimmen mit „treuwidrigem Verhalten“ zu erklären seien. Mit der Feststellungsklage könnten die jüngeren Geschwister den Beiratsvertrag für ungültig erklären. Sie befürchten offenbar, dass Braun den älteren Geschwistern zu nahesteht – etwa in der anstehenden Nachfolgefrage. Ein Sprecher der Oetker-Gruppe sagte dem Handelsblatt, bei dem Unternehmen sei noch keine Mitteilung des Gerichts zu dem Vorgang eingegangen.

Bislang können die jüngeren Geschwister noch die Hoffnung hegen, nach August Oetkers Schritt in den Ruhestand doch noch in die Geschäftsführung der Gruppe mit ihren sechs Milliarden Euro Umsatz zu kommen. Dafür müssten sie aber den Beirat hinter sich haben.

Als ein möglicher Nachfolger für August Oetker in dem Gremium gilt dessen Sohn Philip, der derzeit Vertriebschef bei der verkauften Reederei Hamburg Süd ist. Allerdings ist durch den aktuellen Streit ungewisser denn je, ob sich die Familie wirklich bis zum Jahresende auf eine neue Besetzung einigen kann.

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