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Bill Gates über Afrika, MeToo und KI: Warum Bill Gates sein Milliardenvermögen verschenkt

Handelsblatt-Logo Handelsblatt vor 5 Tagen Jahn, Thomas
„Wir werden als Gesellschaft besser.“ © Daniel Berman/Redux/laif „Wir werden als Gesellschaft besser.“

Ob Bevölkerungswachstum, MeToo-Debatte oder KI: Der Microsoft-Gründer ist stets nüchtern und idealistisch zugleich. Warum er sein Milliardenvermögen verschenkt.

Ortstermin in Lagos, Nigeria. Bill Gates ist zu Besuch, wie so oft. In der Region gibt die Bill- &-Melinda-Gates-Stiftung so viel Geld aus wie kaum sonst wo in der Welt. Die Herausforderungen sind groß. „In Niger gibt es das höchste Bevölkerungswachstum in der Welt“, sagt Gates im Interview mit dem Handelsblatt Magazin. „Die Frauen dort bekommen sechs Kinder – im Durchschnitt! Im Norden von Nigeria sind es fünf, der Landesdurchschnitt liegt bei 4,8. Im Tschad sieht es ähnlich aus.“

Das Resultat: Afrika verzeichnet in den kommenden Jahrzehnten ein explosives Bevölkerungswachstum. Insgesamt stabilisiert sich die Bevölkerungszahl in der Welt bis 2050. Allerdings wird das Absinken der Geburtenrate in China, Indien oder Indonesien durch einen rapiden Anstieg in Afrika „strukturell umgeschichtet“. Leben auf dem Kontinent heute eine Milliarde Menschen, werden es 2050 zwei Milliarden sein. „Die Alterspyramide ist atemberaubend“, sagt Gates.

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Die Gates-Stiftung investiert deswegen in Afrika, um Kinder in Nigeria zu impfen oder Kuhhirten in Kollektiven zu organisieren. Wichtig sei es, die Kindersterblichkeit zu senken, dann falle auch die Geburtenrate, so Gates. „Eltern wollen in Afrika mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent sicherstellen, zwei Kinder bis ins Erwachsenenalter bringen zu können“, erklärt der Amerikaner. „Um das aber zu erreichen, müssen sie fünf bis sechs Kinder bekommen. Das gleicht einer Rentenversicherung.“

Typisch Gates: Nüchtern und idealistisch zugleich. Der 62-Jährige verweist auf die Erfolge seiner in den Neunziger Jahren gegründeten Hilfsorganisation. „Als wir unsere Stiftung ins Leben gerufen haben, starben beispielsweise jedes Jahr zehn Millionen Kinder, die jünger als fünf Jahre alt waren. Jetzt liegt dieser Wert unter fünf Millionen“.

Das habe die Stiftung nicht allein geschafft, „aber sie hat sich sehr um Impfungen gekümmert, was sich als wichtigster Faktor herausstellt. Man kann darauf sehr stolz sein. Fünf Millionen Menschen werden jedes Jahr gerettet“.

Optimismus pur versprüht Gates fast eine Stunde lang im Gespräch mit dem Handelsblatt Magazin (hier als PDF downloaden). Zuversicht, trotz aller Probleme in Entwicklungsländern und in den Industrienationen. „Ja, ich bin ein Optimist, aber weil ich die Fakten kenne, nicht, weil ich in die Wolken schaue“, sagt Gates.

Beispiel #MeToo: Die sexuellen Übergriffe von Filmproduzent Harvey Weinstein auf Frauen sind schockierend und könnten eine deprimierende Weltsicht mit sich bringen. Nicht für Gates: „Es gab viele Harvey Weinsteins in Hollywood, seit dort die ersten Filme produziert wurden. Das war seit den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine übliche Sache in Hollywood“.

Dass es die #MeToo-Debatte gäbe, bedeute an sich einen Fortschritt: „Wir legen höhere Maßstäbe an. Dass Frauen sich melden und über Misshandlung berichten, und dass es eine Bereitschaft in der Gesellschaft gibt, ihnen zuzuhören und ihnen Mut zu zusprechen, das alles zeigt: Die Welt verbessert sich. Ja, wir sind aufgebracht und angeekelt, aber insgesamt hebt die Debatte das Niveau“.

Neue Technik wie Künstliche Intelligenz verängstigt und fasziniert zugleich. Für Gates wird in den kommenden Jahrzehnten die Frage im Vordergrund stehen, wer die selbstlernenden Algorithmen schreibt und kontrolliert. „Seit dem Zweiten Weltkrieg lag die am weitesten fortgeschrittene Technik in den Händen der US-Regierung. Raketen, Medizin, Internet. Jetzt gibt es eine Technologie, die nicht mehr von ihr kontrolliert wird“, sagte der Amerikaner und nennt „chinesische Unternehmen“ als mögliche Kandidaten.

Insgesamt aber sei KI ein Segen: „Als die Menschheit früher auf dem Feld arbeiten musste, haben alle kaum genug zu essen bekommen. Und Traktoren galten als große Bedrohung. Heute verschwenden wir keinen Gedanken mehr daran“.

Künstliche Intelligenz sei nichts anderes als eine Form höherer Produktivität. „Künstliche Intelligenz wird so leistungsstark sein, dass sich Menschen viele Dinge leisten können. Zugleich erlaubt uns die Technik, viel weniger arbeiten zu müssen. Die Idee, dass es im Leben nur um Arbeit geht, wird hinfällig.“

Über sich selbst spricht Gates ungern. Gefragt danach, ob er an Gott glaube, weicht er etwas aus. „Ich glaube an eine höhere Gewalt. Ich bin nicht der Beste, um bei religiösen Fragen ins Detail zu gehen. Aber die Ansicht, man sollte an ein höheres Wesen glauben, die teile ich.“

Sein Milliardenvermögen verschenke er „aus spirituellen Gründen, aus Humanismus. Ich will das menschliche Leben verbessern“. Außerdem mache es Spaß. „Ich liebe es, mich jeden Tag damit auseinanderzusetzen. Und ich kann das gemeinsam mit meiner Frau Melinda machen. Wir haben so viel Geld, das wir mit einem Bruchteil davon für unsere Kinder sorgen können. Was für eine andere Wahl haben wir? Das Geld ausgeben? Nun, wir haben alles, was wir brauchen. Ich kann nur einen Anzug tragen.“

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