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Cannabis-Investments: Neuer Hanf-Fonds am Start

Wirtschaftswoche-Logo Wirtschaftswoche 24.03.2019 Hermann, Peter
Viele Anleger haben das Thema Cannabis längst für sich entdeckt. Nun gibt es auch einen neuen, aktiv gemanagten Hanf-Fonds aus Deutschland. © AP Viele Anleger haben das Thema Cannabis längst für sich entdeckt. Nun gibt es auch einen neuen, aktiv gemanagten Hanf-Fonds aus Deutschland.

Während große Teile der Öffentlichkeit Marihuana als unheilvolle Droge betrachten, haben viele Anleger das Thema Cannabis längst für sich entdeckt. Nun gibt es auch einen aktiv gemanagten Hanf-Fonds aus Deutschland.

Das Ende des Cannabis-Verbots in Teilen der USA, Kanada und weiteren Ländern hat einen Milliardenmarkt geschaffen. Für Anleger sind solche neu entstehenden Märkte ein Glücksfall. Deutsche Anleger haben bislang aber nur begrenzte Möglichkeiten, mit Fonds breit gestreut in den Marihuana-Markt zu investieren. Lange konnten deutsche Anleger nur auf einen passiven börsengehandelten Fonds (ETF) setzen, der einen Branchenindex abbildet.

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Vor kurzem ist nun auch ein aktiv gemanagter Fonds zum Thema in Deutschland handelbar: Unter dem Label der Liechtensteinischen Fondsgesellschaft IFM Independent Fund Management wird der WS-HC Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (ISIN LI0443398271) von einer Hamburger Consulting als Initiator und Advisor betreut und ist seit dem 3. Dezember 2018 in Deutschland verfügbar. Damit bestätigt sich der Trend, dass der so lange in die kriminelle Ecke gestellte „Stoff“ auch in Europa immer salonfähiger wird – vor allem für medizinische Zwecke.

Medizinische Wirkung auf dem gesamten Globus anerkannt

Der medizinische Nutzen der Pflanze und ihrer Substanzen ist inzwischen unbestritten und wissenschaftlich belegt. In einer Studie der Universität von Michigan vom Februar 2019 heißt es, Patienten suchten nach Linderung für eine „evidenzbasierte“ chronische Erkrankung. Dazu zählten chronische Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen durch Chemotherapie. Dies seien die Hauptgründe für die medizinische Verwendung von Cannabis in den USA.

Auch bei neuropathischen Schmerzen, bei Spastik, bei multipler Sklerose sowie bei Querschnittserkrankungen und beim Tourette-Syndrom ist die Wirkung von Cannabinoiden mit den Wirkstoffen THC und CBD anerkannt. Des Weiteren wurden Augeninnendruck-senkende Effekte und Linderung der Symptome bei Morbus Alzheimer festgestellt.

Blauer Dunst aus grünem Gras – viel Geld für Wirtschaft und Staat

Die meisten Blumenkinder der sechziger und siebziger Jahre hätten sich das auch nach dem Genuss einer deftigen Pott-Pfeife vermutlich nicht träumen lassen: Ihre so sehr Gelassenheit verbreitende Party-Droge hat es in viele Portfolios rein wirtschaftlich denkender Investoren geschafft und sich – vor allem in  Nordamerika – zu einem florierenden Wirtschaftszweig gemausert.

Und selbst hierzulande beginnen Politiker darüber nachzudenken, ob die fortwährende Kriminalisierung von Gras oder Weed, wie Marihuana auch genannt wird, überhaupt noch sinnvoll ist. Denn es gibt durchaus einleuchtende Gründe dafür, die so genannte Cannabis-Prohibition auch in unserem Lande aufzuheben und damit zahlreichen Dealern die Grundlage zu entziehen.

Volkswirtschaftlicher Mehrwert der Legalisierung durch wissenschaftliche Studie bewiesen

Eine Studie im Auftrag des Deutschen Hanfverbands unter der Leitung von Justus Haucap von Ende vergangenen Jahres beschäftigt sich mit den Kosten der Cannabis-Prohibition in Deutschland. Zunächst wird hierin festgestellt, dass die Legalisierung von Cannabis sowohl in der Öffentlichkeit als auch innerhalb der Politik ein kontrovers diskutiertes Thema sei. Gegner einer Legalisierung sähen einerseits die Gefahr, dass der Konsum nach einer Legalisierung noch weiter zunehmen und zu einer Verharmlosung von Cannabis führen könnte. Damit werde andererseits die Hemmschwelle zum Konsum härterer Drogen wie Kokain und Heroin gesenkt.

Befürworter sähen hingegen ein Hauptargument für eine Legalisierung darin, dass die gegenwärtig in den meisten Ländern praktizierte Prohibition kostenintensiv und wenig effektiv sei. Das erklärte Ziel, den Konsum damit einzudämmen, werde nicht erreicht. Nach dem plausibelsten Szenario der Studie beläuft sich die jährliche Nachfrage nach Hanf-Produkten in Deutschland auf etwa 250 Tonnen (geschätzt für das Jahr 2016).

Bislang recht erfolgreich

In der wissenschaftlichen Arbeit heißt es zudem: „Auf Basis dieses Gesamtbedarfs wurden insgesamt Steuereinnahmen für einzelne Steueraufkommensarten in Höhe von 1,3 Milliarden Euro ermittelt. Das Steueraufkommen teilt sich auf eine Cannabis-Steuer, ähnlich einer Alkohol- oder Tabaksteuer, eine Umsatzsteuer, Gewerbe- und Körperschaftsteuer sowie eine Lohnsteuer auf. Zusätzlich wurde ein Sozialversicherungsaufkommen von insgesamt 279,5 Millionen Euro geschätzt.“

Für die wegen der wegfallenden Strafverfolgung eingesparten Kosten ergäben sich zusätzliche Einsparungen in Höhe von etwa 1,1 Milliarden Euro. Insgesamt belaufe sich also der Betrag auf 2,66 Milliarden Euro pro Jahr, der durch eine Legalisierung eingenommen werden könnten, einerseits durch Steuereinnahmen und andererseits durch eingesparte Ausgaben.

Ein bislang erfolgreiches Cannabis-Investment ist der eingangs erwähnte nordamerikanische Indexfonds einer kanadischen Fondsgesellschaft. Seit dem 28. Juli 2017 kann der Horizons Marijuana Life Sciences Index ETF (ISIN CA44054J1012/WKN A2DTQB) unter anderem an den Börsen München und Düsseldorf gehandelt werden. Und das bislang mit bemerkenswertem Erfolg: Mit einem Kurs von 5,86 Euro gestartet, kletterte der Fonds auf relativ volatile Art und Weise in etwas mehr als vier Monaten auf bis dato (Stand: 21.03.2019) um etwa 170 Prozent auf 15,30 Euro.

Seit Dezember 2018 handelbar – erster deutscher aktiv gemanagter Hanf-Fonds

Nun ist WS-HC Fonds – Hanf Industrie Aktien Global seit dem 3. Dezember 2018 für deutsche Anleger verfügbar. Seit Jahresbeginn hat der Fonds (Stand: 20.03.2019) rund 32,5 Prozent zugelegt. Wichtigster Unterschied gegenüber dem kanadischen ETF: Der deutsche Hanf-Fonds soll eine ausgewogene Risikostreuung schaffen, so dass nur in Ausnahmefällen eine Investitionsgrenze von fünf Prozent pro Aktie überschritten wird.

Zu den Perspektiven der Cannabis-Branche erklärt Daniel Stehr, Geschäftsführer der Werkhausen & Stehr Hanf Consulting (WS-HC): „Derzeit öffnen sich die Märkte weltweit durch die fortschreitende Legalisierung. Die Relevanz der medizinischen Wirkung des THC und CBD ist verstanden worden. Darüber hinaus ist die Nachfrage aktuell größer als das Angebot.“

In Anbetracht der positiven Erfahrungen, die derzeit bereits in Kanada und in einer ganzen Reihe von US-Bundesstaaten gemacht werden, erscheint es durchaus möglich, dass in den kommenden Jahren auch in vielen anderen Ländern (eventuell auch in Deutschland) die Aufhebung der Cannabis-Prohibition näher rückt. Damit bekämen Hanf-Investments einen weiteren Schub. Anleger, für die hohe Volatilitäten keine abschreckende Wirkung besitzen, könnten den Einstieg in den Marihuana-Markt – vor allem in Schwächephasen – mit einer Beimischung in ihrem Depot wagen.

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