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China betreibt Lager für Zwangsarbeiter — und Händler wie Ikea und H&M sollen in den Skandal verwickelt sein

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 16.07.2019 Aleks Vickovich
© Bereitgestellt von Business Insider Inc

Die systematische Verfolgung von Uiguren in China ist bereits seit Jahren gut dokumentiert. Bis zu eine Million Mitglieder der hauptsächlich muslimischen Minderheit sollen derzeit in Haft sitzen.

Im November 2018 gelangten schockierende Aufnahmen aus der chinesischen Provinz Xinjiang an die Öffentlichkeit, die die gefängnisartigen Bedingungen zeigen, in denen viele Uiguren festgehalten werden, und wie die Minderheit von den Behörden in Peking immer genauer überwacht wird. Im Februar berichtete Business Insider, dass Chinas Initiative „Neue Seidenstraße“ Grund für die eskalierende Unterdrückung sein könnte.

Der amerikanische Fernsehsender ABC hat nun neue Beweise ans Licht gebracht, wie inhaftierte Uiguren zur Arbeit gezwungen werden und möglicherweise Textilien für globale Marken produzieren. Im Rahmen der Recherche deckte ABC Fälle von inhaftieren Uiguren auf, die mit sogenannten „Umerziehungslagern“ zur Zwangsarbeit in Fabriken in Xinjiang genötigt werden.

Ikea und H&M sollen Baumwolle aus Xinjiang beziehen

Sechs Online-Händler sollen Baumwolle aus der genannten Region beziehen — der US-Discounter Target, die vor allem in den USA bekannten Bekleidungsfirmen Cotton On, Jeanswest und Dangerfield, der Möbel-Gigant Ikea und auch der schwedische Modekonzern H&M.

Ein Sprecher der Cotton On Group bestätigte gegenüber Business Insider, dass einer der im ABC-Bericht genannten Fabrikbesitzer aus Xianjiang, Litai Textiles, ein Subunternehmer eines „direkten Zulieferers“ in der Region sei. Man habe eine eigene Untersuchung in die Wege geleitet.

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„Nachdem wir unsere direkten Zulieferer aufgezählt und befragt haben, konzentriert sich unsere Untersuchung auf die unteren Ebenen unserer Lieferkette, auch in den Bereichen Rohmaterialien, Stoffe und Subunternehmer, wie Litai Textiles“, so der Sprecher. „Die Cotton On Group verfolgt eine Null-Toleranz-Politik für jede Form der modernen Sklaverei, darunter auch die Zwangsarbeit.“

Auch Target äußerte sich gegenüber Business Insider. Ein Unternehmenssprecher bestätigte, dass einer der direkten Lieferanten eine „kleine Menge Baumwollgarn“ von einer Fabrik der Firma Huafu bezieht, einem im ABC-Bericht erwähnten Textilproduzenten.

„Target hat eine Bewertung der Situation in die Wege geleitet“, so der Sprecher. „Verstöße gegen unsere Ethik-Vorschriften nehmen wir sehr ernst, dazu gehören auch jegliche Anschuldigungen der Zwangsarbeit.“

Zustände in Xinjiang sollen Teil eines größeren Systems sein

Ein Jeanswest-Sprecher sagte gegenüber Business Insider, man arbeite nicht mit Fabriken aus der Region zusammen, könne jedoch „nicht ausschließen“, dass Baumwollgarn aus Xinjiang bezogen wurde.

Ikea und Dangerfield bestätigten gegenüber ABC, dass man Baumwolle aus der Provinz Xinjiang beziehe. Man sei sich jedoch nicht über Zwangsarbeit bei Subunternehmern bewusst. Ikea, Dangerfield und H&M äußerten sich bislang nicht auf Anfrage von Business Insider.

Im ABC-Bericht werden die persönlichen Geschichten von Uiguren beleuchtet, die den Zuständen in Xinjiang ausgeliefert sind.

Eine Frau soll gezwungen worden sein, in der Fabrik sauber zu machen, da sie aufgrund ihrer schlechten Sicht nicht mehr an feinen Stickereien arbeiten könnte. Bei einer anderen sollen bei Antritt und nach Ende der Zwangsarbeit Körper und Smartphone durchsucht worden sein, so ABC. Arbeitslose sollen ebenfalls zur Zwangsarbeit genötigt worden sein.

Lest auch: China zerstört systematisch Moscheen der uigurischen Minderheit

Adrian Zenz, deutscher Forscher und Experte für chinesische Minderheiten in Tibet und Xinjiang an der freikirchlichen European School of Culture and Theology in Korntal, sagte ABC, die offengelegten Zustände seien Teil eines „größeren Systems der Zwangsarbeit“ der chinesischen Behörden.

Dieser Artikel wurde von Jonas Lotz aus dem Englischen übersetzt.

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