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Coronakrise: Autoindustrie stellt sich auf Produktionsstopp bis Ostern ein

Handelsblatt-Logo Handelsblatt vor 3 Tagen Menzel, Stefan
Nur wenige Menschen betreten derzeit das Werksgelände von Volkswagen in Wolfsburg. Die deutsche Automobilindustrie kämpft mit den Coronafolgen. © Reuters Nur wenige Menschen betreten derzeit das Werksgelände von Volkswagen in Wolfsburg. Die deutsche Automobilindustrie kämpft mit den Coronafolgen.

Durch die Krise muss Deutschlands wichtigste Industrie pausieren. Der Neustart müsse jetzt vorbereitet werden, verlangt der Branchenverband VDA.

Die deutsche Automobilindustrie stellt sich auf eine längere Produktionspause in ihren meisten Werken ein. „Mit einem Hochlauf vor Ende der Osterferien ist nicht zu rechnen“, sagte Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), am Mittwoch in einem Pressegespräch. In vielen deutschen Bundesländern dauern die Osterferien in aller Regel bis Mitte April.

Müller warnte davor, das öffentliche Leben und die Produktion übermäßig lange stillzulegen. „Wir müssen so schnell wie möglich, aber auch so verantwortungsvoll wie nötig den Übergang zum Normalbetrieb vorbereiten“, betonte die Präsidentin von Deutschlands wichtigstem Industrieverband. Doch die Unsicherheit in ihrer Branche sei groß. „Seriöse Aussagen dazu, wann in Deutschland und Europa der Hochlauf wieder beginnen kann und wie groß der Schaden ist, der durch den Stillstand der Werke pro Tag oder pro Woche entsteht, können wir derzeit nicht treffen“, sagte sie.

Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess hatte bereits am Wochenende darauf hingewiesen, dass die Zwangspause in den deutschen und europäischen Werken des Wolfsburger Autokonzerns länger als die bislang angekündigten zwei bis drei Wochen anhalten werde. „Es ist wahrscheinlich, dass die Maßnahmen länger dauern werden“, sagte Diess. Die Ausbreitung des Coronavirus werde voraussichtlich auch in mehreren Wochen noch nicht zum Stillstand gekommen sein.

Obwohl die meisten europäischen Staaten einen freien Reiseverkehr nicht mehr zulassen, entspannt sich aus Sicht des VDA die Lage an den Grenzen. Wichtige Gütertransporte könnten dadurch wieder einfacher passieren und die Logistik funktioniere besser. Ein freier Güterverkehr sei eine zentrale Voraussetzung dafür, dass die Autofabriken in einigen Wochen wieder ihre Produktion aufnehmen könnten. Gerade deutsche Werke hängen stark von Automobilzulieferern aus Osteuropa ab.

Müller forderte, dass sich Europas Regierungen besser untereinander abstimmten und für einheitliche Regelungen sorgten. „Für einen möglichst ungehinderten Warenaustausch brauchen wir diese länderübergreifende Abstimmung, auch mit Blick auf die Versorgung der Unternehmen und Menschen“, betonte die VDA-Präsidentin.

Unternehmen brauchen schnelle Liquiditätshilfen

Unverzichtbar für einen Neustart der Produktion sind nach Meinung des VDA auch funktionsfähige Händler. „Entscheidend dafür, dass die deutsche Automobilindustrie wieder mit dem Hochlauf an Produktionsstandorten beginnen kann, ist auch eine entsprechende Nachfrage – und dass diese bedient werden kann“, sagte Hildegard Müller. Das System könne aber nicht funktionieren, wenn der Kfz-Handel keine Neuwagen verkaufen dürfe und wenn Zulassungsstellen geschlossen blieben.

Damit den vielen kleineren und mittelständischen Autohändlern in den nächsten Wochen nicht der Weg in die Insolvenz droht, brauchen die Unternehmen auch schnelle Liquiditätshilfen. Deshalb werde der VDA jetzt darauf achten, dass die versprochenen öffentlichen Hilfen tatsächlich in kurzer Zeit bei den betroffenen Unternehmen ankämen, so der Automobilverband.

„Wenn die Hilfen erst in drei oder vier Wochen greifen, kommen sie für manches Unternehmen zu spät“, warnte Müller. Deshalb sollte überlegt werden, ob staatliche Stellen bei der Bearbeitung der Anträge und der Umsetzung der Hilfen auf Kapazitäten aus der Privatwirtschaft, wie etwa bei Steuerberatern, zurückgreifen könnten. „Wir brauchen ein ganzes Bündel an Maßnahmen, um diese Krise in den Griff zu bekommen und die Konjunktur wieder in Gang zu setzen“, betonte die VDA-Präsidentin.

Einzelne Autohersteller hatten schon eigene Hilfs- und Unterstützungsprogramme für ihre Handelsorganisationen angekündigt. So verlängert beispielsweise Volkswagen in Deutschland die ursprünglich vereinbarten Zahlungsziele für seine Händler.

Mehr: Notruf im Autoland: „Die schlimmste Krise der Automobilindustrie“.

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