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Coronavirus: Alle Städte stehen still

SZ.de-Logo SZ.de 26.03.2020 Von Markus Balser, Berlin
Geisterzug: eine U-Bahn am späten Sonntagabend in München. © Felix Hörhager/dpa Geisterzug: eine U-Bahn am späten Sonntagabend in München.

Eine Verkehrsanalyse zeigt, wie stark die Deutschen in der Corona-Krise ihr Verhalten ändern.

Alle Städte stehen still

Was jetzt zählt, um die Verbreitung des Corona-Virus möglichst schnell zu bremsen? Bundeskanzlerin Angela Merkel machte das schon vergangene Woche in ihrer Fernsehansprache klar. Bleiben Sie bitte zu Hause, forderte Merkel. Am Wochenende legte die Politik nach. Viele Bundesländer schränkten die Bewegungsfreiheit der Bürger noch mal ein. Zwar wirken viele Straßen und Parks inzwischen wie ausgestorben. Doch wie stark die Deutschen insgesamt den Appell beherzigen und sich weniger durch ihre Städte bewegen, dazu gab es bislang kaum belastbare und öffentlich zugängliche Zahlen.

Nun legt eine neue Analyse nahe, dass die Reaktion in dem für die Verbreitung des Virus wichtigsten Mobilitätsbereich, dem Nahverkehr, tatsächlich massiv war. Nach Angaben der internationalen Mobilitätsapp Moovit brach die Nutzung der Nahverkehrssysteme in wichtigen großen deutschen Städten im Vergleich zu Mitte Januar - also der Zeit vor der Krise - um bis zu 70 Prozent ein. Der starke Rückgang setzte dabei am 12. März ein, als Bund und Länder erstmals Leitlinien für die Einschränkung sozialer Kontakte aufstellten. Am stärksten fiel der Rückgang bis zum Montag in München mit einem Minus von 70 Prozent und in Hamburg mit einem Minus von 69 Prozent aus. In Berlin, dem Gebiet Rhein-Ruhr und dem Großraum Frankfurt lag der Rückgang immerhin noch bei jeweils etwa 62 Prozent.

Für Behörden wie das RKI dürften die Daten ein weiterer Fingerzeig sein, dass die Maßnahmen und Appelle der Politik wirken. Die Behörde wird von der Telekom mit Bewegungsdaten der Deutschen beliefert, die allerdings nicht öffentlich zugänglich sind. Moovit zählt weltweit zu den großen Datensammlern. Kein anderes Unternehmen der Welt verfügt über einen so großen Datensatz an Nahverkehrsinformationen. Die Firma mit Sitz in Israel sammelt bis zu fünf Milliarden anonyme Datenpunkte pro Tag, die in den weltweit größten Datenspeicher für Verkehrs- und urbane Mobilitätsdaten einfließen. Ihre App, die Nutzer über Verbindungen im Nahverkehr von verschiedenen Anbietern informiert, wird weltweit von 750 Millionen Menschen genutzt. Die Daten schließen die Nutzung von U- und S-Bahnen, Bussen, Fahrdiensten, aber auch E-Rollern oder Leihrädern ein. Sie berücksichtigen damit allerdings nicht, welchen Ausweichverkehr es mit dem Auto gab.

Der Datensatz liefert auch einen weltweiten Überblick. In den vom Virus besonders schwer getroffenen Ländern Italien und Spanien war der Einbruch im Nahverkehr noch größer als hierzulande. So ging die Mobilität in den Nahverkehrssystemen Mailands um 86 Prozent zurück - der weltweit höchste Wert. Die in Madrid sank um 84 Prozent. In den Metropolen der USA und Großbritanniens, wo Beschränkungen des öffentlichen Lebens erst mit Verzögerungen umgesetzt wurden, fiel das Minus dagegen deutlich geringer aus. In London lag der Rückgang bei 45 und in New York bei 54 Prozent. Im brasilianischen São Paolo war der Rückgang mit 28 Prozent am geringsten.

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