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Dax-Umfrage: Die Euphorie der Anleger ist vorbei

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 23.09.2019 Röder, Jürgen
Der Dax trat in den vergangenen Wochen praktisch auf der Stelle. © dpa Der Dax trat in den vergangenen Wochen praktisch auf der Stelle.

Die Stimmung unter den Anlegern hat sich abgekühlt und ist wieder auf einem neutralen Niveau. Langfristig ist der Weg für steigende Kurse aber frei.

Wie schnell sich die Stimmung der Anleger drehen kann: Noch vor einer Woche stellte Börsenexperte Stephan Heibel eine euphorische Stimmung unter den Anlegern fest und warnte vor zwischenzeitlichen Kurseinbrüchen.

Doch obwohl der Dax in der vergangenen Wochen praktisch auf der Stelle trat, hat sich die Stimmung wieder abgekühlt. Sie ist nun wieder auf einem neutralen Niveau. „Das ist ein gesunder Rücksetzer im Rahmen der übergeordneten Rally“, meint der Inhaber des Analysehauses Animusx.

Die Anlegerstimmung lässt sich aus den Ergebnissen der wöchentlich Handelsblattumfrage Dax-Sentiment ableiten, eine Erhebung unter mehr als 3500 Investoren.

Hinter solchen Sentimentumfragen lässt sich – vereinfacht gesagt – folgendes ableiten: Bei Euphorie sind die meisten Anleger investiert und es fehlt weitere Nachfrage, sollten die Kurse fallen. Falls extremer Pessimismus herrscht, haben die meisten Investoren bereits verkauft und es reichen wenige Käufer, um die Kurse steigen zu lassen.

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Was lässt sich aus den Daten der aktuellen Sentimentumfrage ableiten? Längerfristig betrachtet ist nach dem „gesunden Rücksetzer“ der Weg frei für weitere Kursgewinne. 

Denn die Sentiment-Daten aus den vergangenen Wochen haben gezeigt, dass die September-Rally bislang an den meisten deutschen Privatanlegern vorbei gegangen ist. Ausgelöst wurden die Kursanstiege durch internationale Anleger.

Und die heimischen Anleger sind extrem defensiv positioniert. Das lässt sich vor allem am Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart ablesen. Dieser Indikator, der anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet wird, zeigt an: Investoren haben große Angst vor Kursverlusten. Sie haben deutlich mehr Short-Produkte im Depot, die bei fallenden Kursen an Wert gewinnen, als Long-Derivate.

Das Euwax-Sentiment ist – ebenso wie die kurzfristige Stimmung – ein klassischer Kontraindikator.

Was ebenfalls für längerfristig steigende Kurse spricht: Der Zukunftsoptimismus ist deutlich gestiegen.

Kurzfristig sieht die Lage anders aus. Denn aus dem aktuell neutralen Sentiment lässt sich keine Richtung am Aktienmarkt ableiten. „Anleger sollten aktuell keine große Langfristpositionen aufbauen“, meint der Sentimentexperte. „Kurzfristige Spekulationen, wenn die Aktienmärkte deutlich in die eine oder andere Richtung gelaufen sind, dürften in den kommenden Wochen mehr Spaß machen“.

Er sieht zwei mögliche Szenarien: Die noch nicht investierten Privatanleger könnten dem Dax in den kommenden Tagen nochmals einen Schub verpassen. Die andere Variante: Nach den überwiegend positiven Meldungen der vergangenen Wochen durch die Notenbanken kommt es erst einmal zu weiteren Gewinnmitnahmen.

Wie treffsicher die Prognosen von Heibel sind, zeigt ein Blick auf die vergangenen drei Wochen: Am 2. September gab er den Startschuss für eine Rally, der Dax legte um 0,1 Prozent zu.

Am 9. September prognostizierte er weitere Kursgewinne, der Leitindex stieg um weitere 0,28 Prozent. Und vor einer Woche prophezeite er einen zwischenzeitlichen Kurseinbruch. Das Börsenbarometer rutschte zunächst auch 1,2 Prozent runter, bevor wider Anleger kaufen und für eine ausgeglichene Wochenbilanz sorgten.

Investoren werden auch schon bald ihren Blick auf die kommende Berichtssaison richten. Nach den zwischenzeitlichen Eskalationen im Handelsstreit zwischen China und den USA ist damit zu rechnen, dass eine ganze Reihe von Unternehmen erste Spuren des Streits in den Quartalszahlen ausweisen müssen. Und solange keine Einigung absehbar ist, werden insbesondere die Unternehmensprognosen sehr verhalten ausfallen.

Gleichzeitig sind derzeit bereits vielversprechende Signale über die neue Verhandlungsrunde im Handelsstreit zu hören. „Je konkreter Hoffnungen geschürt werden, desto stärker dürften die Aktienmärkte nach oben laufen“, meint Heibel.

Mehr: Zum Start der Woche notiert der Dax vorbörslich leicht im Minus. Die Pleite von Thomas Cook könnte einen Domino-Effekt auslösen. Lesen Sie hier mehr.

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