Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Deutsche Autoindustrie kündigt den großen Abschwung an

WELT-Logo WELT 05.12.2019 Philipp Vetter
Angesichts der Probleme forderte der VDA eine handlungsfähige Regierung. Die Politik müsse den Automobilstandort nun wetterfest machen, sagte der scheidende Präsident des Branchenverbandes, Bernhard Mattes. Quelle: Reuters © Reuters Angesichts der Probleme forderte der VDA eine handlungsfähige Regierung. Die Politik müsse den Automobilstandort nun wetterfest machen, sagte der scheidende Präsident des Branchenverbandes, Bernhard Mattes. Quelle: Reuters

Die deutsche Autoindustrie schlägt Alarm: Nach den Negativnachrichten einzelner Unternehmen wie Daimler, Audi, Continental und Bosch über den Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen in den kommenden Jahren, zeichnet nun auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) ein düsteres Bild der nahen Zukunft. „Wir müssen damit rechnen, dass die Zahl der Mitarbeiter in den Stammbelegschaften geringer wird“, sagte der scheidende Verbandspräsident Bernhard Mattes.

Getty ImagesGetty Images © Getty Images Getty ImagesGetty Images

Und Mattes tut das, was der VDA sonst immer vermieden hat: Er nennt Zahlen. Allein bei der Produktion des sogenannten Antriebsstrangs also Motoren und Getrieben für Diesel- und Benzinfahrzeuge werden demnach mindestens 70.000 Stellen bis 2030 wegfallen. Dabei ist sogar schon berücksichtigt, dass im Gegenzug neue Arbeitsplätze bei der Produktion von Elektroantrieben entstehen. Doch unter dem Strich bleibt ein Minus von 70.000 Jobs.

Quelle: Infografik WELT © Infografik WELT Quelle: Infografik WELT

Schon in diesem Jahr rechnet der Verband mit einem leichten Rückgang der Beschäftigtenzahl in Deutschland von 835.300 auf nur noch rund 834.000 Mitarbeiter. „In 2020 wird dieser Trend ausgeprägter sein“, warnt Mattes.

Die Ursache ist nicht nur der Wandel vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb. Die Branche gerät aus mehreren Richtungen gleichzeitig immer stärker unter Druck. Neben der technologischen Transformation belastet vor allem die schwache konjunkturelle Nachfrage die Autobauer und ihre Zulieferer. Schon in diesem Jahr werde der Weltmarkt um fünf Prozent auf nur noch 80,1 Millionen Pkw schrumpfen, prognostiziert der VDA.

MSN-Nutzer interessieren sich auch für:

Geheimdienste: Russische Spione nutzten Stützpunkt in den Alpen

NATO: Gipfel der Uneinigkeit

Angriff auf Pearl Harbor und Co.: Der historische Wochenrückblick

VDA: „Wir brauchen gerade jetzt eine stabile, handlungsfähige Regierung“

„Angesichts der Gesamtlage ist die Gesellschaft, aber insbesondere die Politik mehr denn je gefordert. Jetzt muss es darum gehen, die Rahmenbedingungen am Industriestandort Deutschland zu verbessern“, sagte Mattes. Mit Blick auf die anstehende Entscheidung der Bundesregierung, ob die große Koalition bis zum Ende der Legislaturperiode fortgesetzt wird, forderte der VDA-Präsident: „Wir brauchen gerade jetzt eine stabile, handlungsfähige Regierung.“

Mattes forderte eine Reform der Unternehmensbesteuerung: Dort gebe es international einen Trend zur Absenkung. „Steuerpolitik muss wieder Standortpolitik werden“, sagte der scheidende Präsident. „Dieses Land kann sich nicht dem globalen Standortwettbewerb entziehen.“ Außerdem müssten die Energie- und Arbeitskosten sinken, in beiden Bereichen liege Deutschland deutlich über dem Niveau anderer Länder.

Quelle: Infografik WELT © Infografik WELT Quelle: Infografik WELT

Auch deshalb falle der Negativtrend bei der Produktion und damit auch bei der Zahl der Beschäftigten in Deutschland besonders stark aus. Die Inlandsproduktion sinkt 2019 um acht Prozent auf nur noch 4,7 Millionen Pkw, noch vor wenigen Jahren lag dieser Wert über sechs Millionen. Allein seit 2017 schrumpfte die heimische Produktion um fast eine Million Fahrzeuge oder fast 17 Prozent.

Auch der Export von deutschen Autos sinkt 2019 um zwölf Prozent. Zieht man hier 2017 als Vergleich heran, beläuft sich das Zwei-Jahres-Minus auf über 20 Prozent. Und auch 2020 hofft man beim VDA lediglich darauf, das schlechte Niveau aus diesem Jahr wenigstens zu halten und nicht noch weiter abzurutschen.

Dass in Deutschland die Produktion besonders stark sinkt, liegt laut Mattes auch am SUV-Boom. „Wir sehen, dass in einigen deutschen Werken Fahrzeuge produziert werden, die besonders rückläufig sind“, sagt er. Dazu würden klassische Pkw gehören, die eben wegen des Trends zum SUV weniger gefragt sind.

Doch selbst die düsteren Prognosen könnten sich noch als zu optimistisch herausstellen, falls die USA doch noch Zölle auf europäische Autos erheben sollten. Die seien keineswegs endgültig erledigt. „Es ist ruhig zurzeit, doch es kann immer wieder hochkommen“, warnte Mattes.

Maschinenbauer werden mit in die Krise gezogen

Unter der Krise der Autohersteller leiden auch die deutschen Maschinenbauer. Schließlich sind die Pkw-Produzenten die wichtigste Abnehmerbranche für Anlagen „Made in Germany“. Die Anbieter von Werkzeugmaschinen machen sogar rund die Hälfte ihres Umsatzes mit den Autobauern und deren Zulieferern. Nun spitzt sich die Lage weiter zu.

Im Oktober jedenfalls ist der Auftragseingang im Maschinenbau im Vergleich zum Vorjahresmonat um stattliche elf Prozent gesunken, meldet der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Die Inlandsorder sanken dabei um 13 Prozent, die Auslandsbestellungen um zehn Prozent.

„Wir erleben auf vielen Feldern im Maschinenbau, dass Kunden ihre Investitionen zurückhalten“, beklagt VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Und das nun schon sehr lange: Der Oktober nämlich war schon der elfte Monat in Serie mit rückläufigen Auftragszahlen. Und zuletzt war das Minus gleich mehrfach im zweistelligen Prozentbereich. Grund für die Flaute ist Wiechers zufolge „eine anhaltende Verunsicherung, wie es mit der Weltkonjunktur kurz- und mittelfristig weitergeht“.

Mehr auf MSN

Video wiedergeben

Foto: Soeren Stache/picture alliance via Getty Images Nächste Geschichte

Klima-Aktivistin stört Auftritt von Joe Kaeser

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von WELT

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon