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Deutsche Bank: Spart sich die Deutsche Bank zu Tode?

Wirtschaftswoche-Logo Wirtschaftswoche 30.10.2019 Welp, Cornelius
Für Christian Sewing ist es erfreulich, dass die umfassendste Restrukturierung seit zwei Jahrzehnten auf den Weg gebracht ist. Aber das Kerngeschäft der Bank wird immer kleiner. © dpa Für Christian Sewing ist es erfreulich, dass die umfassendste Restrukturierung seit zwei Jahrzehnten auf den Weg gebracht ist. Aber das Kerngeschäft der Bank wird immer kleiner.

Die Deutsche Bank kommt bei ihrer Restrukturierung voran. Doch das Kerngeschäft schwächelt bedenklich.  

Für Beobachter mag es so aussehen, als wäre bei der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Das täuscht offensichtlich – zumindest wenn man sich die Verlautbarungen ihrer zuletzt in beschleunigtem Rhythmus ausgetauschten Vorstandsvorsitzenden anschaut. Denn die ähneln sich in ihrer Kernaussage seit Jahren erstaunlich. Die Botschaft heißt stets: Es gibt in der Bank einen stabilen, profitablen und damit guten Kern – und über das Übrige ist es besser zu schweigen

Vor zehn Jahren erklärte Josef Ackermann bei der Vorlage der Quartalszahlen Ende Oktober: „Profitabler und schärfer fokussiert auf die Kerngeschäftsfelder, stärker kapitalisiert bei verringerter Bilanzsumme sowie durch den Abbau von wesentlichen Risiken konnten wir unsere Unabhängigkeit bewahren.“

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Vor fünf Jahren sagten Anshu Jain und Jürgen Fitschen zum gleichen Zeitpunkt: „Das operative Ergebnis der Kernbank war solide mit ausgewogenen Ergebnisbeiträgen und operativen Ertragszuwächsen über alle vier Kerngeschäftsbereiche hinweg.

Und nun meint Christian Sewing: „Obwohl wir die umfassendste Restrukturierung seit zwei Jahrzehnten auf den Weg gebracht haben, haben wir in unseren Kerngeschäftsbereichen Gewinne erzielt" Gleichzeitig zeigt er sich erfreut über „spürbare Fortschritte auf der Kostenseite und beim Risikoabbau“.

Das große Problem der Bank ist jedoch: Der Kern wird immer kleiner. Sah sich Ackermann noch als zum Wachstum entschlossenen Gewinner der Finanzkrise hat Sewing längst ebenso entschlossen den Rückzug angetreten. Seinen Erfolg misst er vor allem am Erreichen von Kostenzielen und Fortschritten beim Stellenabbau. Der Kurs ist unvermeidbar – und wirft doch die Frage auf, ob sich die Bank so nicht mehr und mehr kaputt spart. Denn seit langem schon sinken ihre Erträge schneller als die Kosten – und machen damit neue Sparrunden nötig.  

Ein Ausbruch aus diesem Teufelskreis ist mit den nun veröffentlichten Zahlen noch nicht zu erkennen. Der Vorsteuerverlust fällt mit 687 Millionen Euro höher aus als erwartet. Die roten Zahlen stammen vor allem aus Restrukturierungskosten und dem Abbau als überflüssig definierter Bilanzpositionen. Im Umfeld der Bank ist dabei vor allem von Anzeichen der „Stabilisierung“ die Rede. Der zuletzt zumindest ein wenig erholte Aktienkurs kann damit nicht gemeint sein. Mit ihm ging es nach der Veröffentlichung des Ergebnisses erst mal kräftig runter.

Das dürfte daran liegen, dass das Ergebnis selbst in einigen als Kerngeschäft definierten Segmenten deutlich schwächer als erwartet ausgefallen ist. Das gilt etwa für den Handel mit Zinspapieren. Der soll künftig im Zentrum der zurechtgestutzten Investmentbank stehen. Während das Geschäft bei einigen Wettbewerbern zuletzt deutlich angezogen hat, gingen die Erträge bei der Deutschen Bank um 13 Prozent zurück. In der Investmentbank und im Privatkundengeschäft fielen die Erträge im Jahresvergleich ziemlich deutlich, in der Vermögensverwaltung blieben sie stabil.      

Hoffnung macht dagegen das Ergebnis der Unternehmerbank. Das neu installierte Segment hat Sewing zu einer Art Kern des Kerns erklärt. Zwar ging das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr auch hier deutlich zurück, die Erträge aber konnte die Bank um sechs Prozent steigern. Ausgerechnet hier könnten aber schon bald dunklere Wolken aufziehen. Aktuell liegt die Risikovorsorge der Bank bei 0,15 Prozent – ein im historischen Vergleich geradezu lächerlich niedriger Wert. Sollte sich die Konjunktur weiter eintrüben und mehr Unternehmen in Bedrängnis bringen, dürfte er deutlich steigen – und damit auch den Kern der Bank in Mitleidenschaft ziehen.

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