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Deutschland braucht 260 000 Zuwanderer im Jahr

SZ.de-Logo SZ.de 12.02.2019 Von Alexander Hagelüken
Zukünftig werden weniger EU-Bürger einwandern. © picture alliance / dpa Zukünftig werden weniger EU-Bürger einwandern.

Weil in Zukunft Arbeitskräfte fehlen und weniger EU-Bürger einwandern, müssen Arbeitnehmer von außerhalb Europas kommen. Aber Zuwanderung alleine reicht nicht aus.

• Damit die Wirtschaft nicht einbricht, braucht Deutschland einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge bis 2060 jährlich mindestens 260 000 Einwanderer.

• Derzeit gibt es knapp 45 Millionen Arbeitsplätze in der Bundesrepublik, doch die Bevölkerung altert und schrumpft.

• Zukünftig werden weniger EU-Bürger einwandern. Das liegt zum einen daran, dass südliche Länder ihre Wirtschaftskrise überwunden haben.

In Deutschland fehlen in den nächsten Jahrzehnten bis zu 16 Millionen Arbeitskräfte. Damit die Wirtschaft nicht einbricht, braucht das Land nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung bis 2060 jährlich mindestens 260 000 Einwanderer. Weil der Zustrom aus der EU abnehmen dürfte, muss mehr als die Hälfte der zusätzlichen Arbeitnehmer von außerhalb Europas kommen. "Heute wandern noch viel zu wenig Fachkräfte aus Drittstaaten nach Deutschland ein", so Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung.

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Derzeit gibt es knapp 45 Millionen Arbeitsplätze in der Bundesrepublik, doch die Bevölkerung altert und schrumpft. In der Studie kalkulieren die Forscher, wie viel Zuwanderung nötig ist, damit Unternehmen in den nächsten Dekaden ihre Nachfrage nach Arbeitskräften auf einem Minimalniveau decken können, also unter der heutigen Zahl von Stellen.

Dabei ist schon unterstellt, dass die Geburtenrate steigt und mehr Frauen und Ältere einer Beschäftigung nachgehen als heute. Dadurch alleine finden die Unternehmen allerdings nicht genug Mitarbeiter. Selbst wenn Frauen genauso viel arbeiten würden wie Männer und das Rentenalter auf 70 Jahre erhöht würde, ließe sich der zusätzliche Bedarf nur zu einem Viertel decken.

Zukünftig werden weniger EU-Bürger einwandern. Das liegt zum einen daran, dass südliche Länder ihre Wirtschaftskrise überwunden haben. Zum anderen gleicht sich der Rest Europas Deutschland langfristig wirtschaftlich an, so dass der Anreiz zur Migration abnimmt. Außerdem macht sich der demografische Wandel auch anderswo in Europa bemerkbar. Daher kommen in den nächsten Dekaden bis 2060 im Schnitt nur 114 000 EU-Zuwanderer pro Jahr, erwarten die Forscher. 2017 waren es noch 250 000. Entsprechend mehr müssten von außerhalb Europas kommen - im Durchschnitt knapp 150 000 pro Jahr. 2017 kamen abzüglich der Abwanderer nur knapp 40 000 Fachkräfte aus Drittstaaten.

Digitalisierung wird den Arbeitskräftebedarf nicht relevant reduzieren

"Das Arbeitskräfteangebot wird bald deutlich zurückgehen", bewertet Matthias Mayer die Berechnungen, die unter anderem das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung für die Stiftung anstellte. "Auf die Zuwanderung aus der EU kann sich Deutschland nicht alleine verlassen."

Das von der Bundesregierung geplante Einwanderungsgesetz dürfe nicht weiter verwässert werden, dann sei es ein Baustein, um dem Arbeitskräftemangel zu begegnen. Zumal es sich auch an Menschen mit mittlerer Qualifikation richte. Allerdings reiche ein Gesetz nicht aus. "Wichtig ist, dass Deutschland ein Land ist, das Vielfalt positiv sieht und offen für Menschen von außen ist. Wichtig ist auch, dass die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt verbessert und die einheimische Bevölkerung bei der Migration mitgenommen wird."

Mayer betonte, die Studie stelle Zuwanderung nicht als das Allheilmittel für den Arbeitsmarkt heraus. "Notwendig sind auch Maßnahmen, um inländische Personengruppen wie Frauen und Ältere stärker in den Arbeitsmarkt zu bringen oder die Abbrecherquoten bei Ausbildungen zu reduzieren."

Die Digitalisierung wird der Studie zufolge den Arbeitskräftebedarf nicht relevant reduzieren. Ein zunehmend digitalisierter Arbeitsmarkt erfordere nicht weniger Arbeitskräfte, sondern mehr hochqualifizierte Arbeitnehmer - etwa Techniker, Meisterinnen und Akademiker. Weil immer mehr Deutsche Hochschulabschlüsse anstreben und gleichzeitig in den nächsten Jahren viele Bürger mit Ausbildungen wie einer Lehre in den Ruhestand gehen, wird es auch bei mittleren Qualifikationen zu Engpässen kommen.

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