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Die globale Landwirtschaft enteilt Deutschlands Bauern

WELT-Logo WELT 18.01.2019
17.01.2019, Berlin: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) streichelt eine Plastikkuh, die in einem Hightech-Stall mit Drohnenüberwachung steht, auf der Internationalen Grünen Woche in der Halle des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Die Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau (18.-27. Januar) fand 1926 zum ersten Mal in Berlin statt. Partnerland ist in diesem Jahr Finnland. Foto: Wolfgang Kumm/dpa | Verwendung weltweit © picture alliance/dpa 17.01.2019, Berlin: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) streichelt eine Plastikkuh, die in einem Hightech-Stall mit Drohnenüberwachung steht, auf der Internationalen Grünen Woche in der Halle des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Die Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau (18.-27. Januar) fand 1926 zum ersten Mal in Berlin statt. Partnerland ist in diesem Jahr Finnland. Foto: Wolfgang Kumm/dpa | Verwendung weltweit

Roboter, die säen und Ungeziefer bekämpfen: Bei der Grünen Woche in Berlin zeigt sich, dass ausländische Betriebe bei der Digitalisierung der Landwirtschaft schon sehr weit sind. Für Verbraucher birgt der Fortschritt viele Möglichkeiten.

ARCHIV - 02.05.2017, Sachsen, Klingenberg: Ein Landwirt bedient die Monitore in einem GPS-gesteuerten Traktor der Ruppendorfer Agrargesellschaft. (zu dpa "Bauern dringen auf schnelles Internet «an jedem Milchtank»" vom 12.01.2019) Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © dpa ARCHIV - 02.05.2017, Sachsen, Klingenberg: Ein Landwirt bedient die Monitore in einem GPS-gesteuerten Traktor der Ruppendorfer Agrargesellschaft. (zu dpa "Bauern dringen auf schnelles Internet «an jedem Milchtank»" vom 12.01.2019) Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Spitzhacke, Traktor, Smartphone – das ist für Qu Dongyu die logische Reihenfolge bei der Entwicklung ländlicher Räume. Informationstechnologie und Digitalisierung spielen für Chinas stellvertretenden Minister für Landwirtschaft eine Schlüsselrolle, wenn es um die Bekämpfung von Armut und Hunger geht.

"Landwirtschaft mit Herz und Drohne" lautet das Motto der Sonderschau des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Halle 23a der Internationalen Grünen Woche Berlin 2019 (18.-27.1.). Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/6600 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Messe Berlin GmbH" Foto: Messe Berlin/Messe Berlin GmbH/obs © obs "Landwirtschaft mit Herz und Drohne" lautet das Motto der Sonderschau des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Halle 23a der Internationalen Grünen Woche Berlin 2019 (18.-27.1.). Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/6600 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Messe Berlin GmbH" Foto: Messe Berlin/Messe Berlin GmbH/obs

"Es ist wichtig, dass gerade die Kleinbauern mit dem Internet verbunden sind, dass sie Zugang zu Informationen und den Märkten haben", sagte der chinesische Politiker zum Auftakt der Globalen Konferenz für Nahrungsmittel und Landwirtschaft (GFFA) im Rahmen der Grünen Woche in Berlin. Big-Data-Systeme ermöglichen genauere Voraussagen und Frühwarnsysteme, sodass Abfälle und Verluste vermieden würden. "Das ist die beste Möglichkeit, sich wirklich nachhaltig zu entwickeln", so Qu.

In Deutschland ist die Digitalisierung der Landwirtschaft stärker umstritten – nicht nur, weil die Forschungsministerin schnelles Internet "an jeder Milchkanne" für überzogen hält. Sondern auch, weil den neuen Möglichkeiten der Datenverarbeitung auch Skepsis entgegenschlägt.

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Noch immer hungern 800 Millionen Menschen

"Es darf nicht nur um Ertragssteigerung gehen, sondern es muss verstärkt diskutiert werden, wie Digitalisierung zur Ressourcenschonung beitragen kann", sagte etwa die Politikerin Margit Gottstein von den Grünen, Staatssekretärin der Berliner Senatsverwaltung für Verbraucherschutz.

Doch ob man den Modernisierungsschub in der Landwirtschaft mag oder nicht – er wird und muss kommen. Das wird nicht erst auf der Grünen Woche und der begleitenden Konferenz deutlich. Er sei schon deswegen unabdingbar, weil die Weltbevölkerung bis zur Mitte des Jahrtausends absehbar auf zehn Milliarden Menschen wachsen werde, sagen Agrarexperten.

Unmöglich ist eine starke Erhöhung der landwirtschaftlichen Erzeugung keineswegs. Auch in den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt, während die globale Produktion an Nahrungsmitteln sich gleichzeitig verdreifachte. Der Hunger hat sich verringert, aber noch immer leiden 800 Millionen Menschen weltweit unter Nahrungsmangel, wesentlich mehr gelten als fehlernährt.

Angeschoben werden die Neuerungen nicht zuletzt durch junge Unternehmen, die aus Ideen ein Geschäft zu machen versuchen. Oft handelt es sich bei den Gründern um gut ausgebildete Kinder von Bauern, die die Chancen der Digitalisierung aus eigener Erfahrung in den elterlichen Betrieben erkennen.

Das durch die steigende Bevölkerung programmierte Marktwachstum der Nahrungsmittelmärkte in den nächsten Jahrzehnten ziehe aber auch viel Kapital und Interesse von außen an, heißt es in einem Branchenreport der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY): "Wir sehen, dass das Agribusiness bei branchenfremden Gründern auf reges Interesse stößt." Auch Risikokapitalgeber stünden bereit.

Roboter zieht Gemüse auf

© Infografik WELT

Manche Start-ups zielen darauf ab, den klassischen Landwirten das Leben zu erleichtern, etwa der Hamburger Online-Marktplatz E-Farm für gebauchte Landmaschinen. Oder Kuhdo, das den Milchbauern die Qual des ewigen Hin und Hers der Erzeugerpreise durch automatische Preisabsicherung an den Warenterminbörsen abnehmen will.

Andere Jungunternehmen könnten seit Langem bewährte Geschäftsmodelle wie die Hähnchenzucht über den Haufen werfen. So züchtet das israelische Start-up SuperMeat Hähnchenfleisch aus Stammzellen, sodass keine Tiere mehr gehalten und geschlachtet werden müssen.

"Noch sind die Produktionskosten hoch, jedoch sinken sie bedingt durch den technischen Fortschritt rapide", beschreibt der EY-Report die Entwicklung. Dem niedersächsischen Großerzeuger PHW-Gruppe scheint die Technologie immerhin so aussichtsreich, dass er sich beteiligt hat.

International betrachtet hinkt Deutschland bei der Modernisierung der Agrarwirtschaft hinterher. Was möglich ist, zeigen utopisch anmutende Betriebe in den USA, wo bereits 2017 zehn Milliarden Dollar in innovative Geschäftsideen investiert wurden.

So wurde in Berlin von einem amerikanischen Kohlzüchter berichtet, der das Gemüse von Robotern aufziehen lässt. Diese säen Kohlköpfe, düngen, ernten und bekämpfen auch das Ungeziefer. "Nerd oder Landwirt?", fragte sich wohl nicht nur der Moderator der GFFA-Auftaktveranstaltung bei der Schilderung.

Deutschland muss sich sputen

Für Sarah Crofoot, eine Jungbäuerin aus Neuseeland in einem Familienbetrieb mit Rinderzucht und 20.000 Schafen, ist der massive Einsatz von Informationstechnik längst zur Selbstverständlichkeit geworden. "Wir sammeln viele Daten unserer Tiere, und das hilft uns, präzise Entscheidungen zu treffen", sagte sie.

Fütterung, Krankheiten, Verhaltensweisen: Das ganze Leben der Tiere werde dokumentiert. Man mache das nicht zum Selbstzweck, sondern weil es bessere Geschäfte und glattere Abläufe mit Abnehmern und Überwachungsbehörden ermögliche. "Wenn man nicht messen kann, kann man auch nicht managen", lautet ihre Überzeugung.

Deutschland muss sich nach Einschätzung von Experten sputen, um nicht den Anschluss zu verlieren. "Gelingt die Transformation des Geschäftsmodells nicht, droht ein Verlust von Marktanteilen und die Unternehmen riskieren, nicht länger wettbewerbsfähig zu sein", warnt Ernst & Young.

Gründer berichten zwar über eine Verbesserung des Investitionsklimas und der Förderbedingungen in den letzten Jahren. Sie bemängeln aber eine immer noch ausufernde Bürokratie bei Förderanträgen und Gründungsformalitäten.

Zu den sicheren Gewinnern der Digitalisierung im Stall und auf dem Acker dürften die Konsumenten zählen. "Immer mehr Verbraucher sollen wissen, unter welchen Bedingungen ihr Essen zustande kommt und wie es erzeugt wurde", sagte Grünen-Expertin Gottstein.

16.01.2019, Berlin: Fahnen der Internationalen Grünen Woche 2019 wehen an der Messe Berlin im Wind. Die Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau (18.-27. Januar) fand 1926 zum ersten Mal in Berlin statt. Partnerland ist in diesem Jahr Finnland. Foto: Christoph Soeder/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © dpa 16.01.2019, Berlin: Fahnen der Internationalen Grünen Woche 2019 wehen an der Messe Berlin im Wind. Die Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau (18.-27. Januar) fand 1926 zum ersten Mal in Berlin statt. Partnerland ist in diesem Jahr Finnland. Foto: Christoph Soeder/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

"Die Digitalisierung kann Möglichkeiten für mehr Transparenz eröffnen." Aufpassen müsse man aber, dass die Bauern nicht in den Sog einer Machtkonzentration in den Händen weniger Konzerne gerieten, von deren Saatgut oder Hightech-Gerät sie immer mehr abhingen.

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