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Die Grenzen von Ryanairs Kultur der Missachtung sind erreicht

WELT-Logo WELT 10.08.2018

Mit den Streiks bei der fünftgrößten Airline der Welt geht nicht die Ära der Billigflieger zu Ende, sondern das der Rücksichtslosigkeit gegenüber der Belegschaft. Ryanair muss eine Sache lernen.

Kombo Ryanair Posener 10.08.2018, Hessen, Frankfurt am Main: Beschäftigte der Fluggesellschaft Ryanair nehmen am Main Airport Center (MAC) an einer Demonstration für bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung teil. Sie halten ein Banner mit der Aufschrift «Rights at Ryanair» (Rechte bei Ryanair). Beim irischen Billigflieger Ryanair hat der bislang härteste Pilotenstreik in der Geschichte des Unternehmens begonnen. Foto: Silas Stein/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © Silas Stein/dpa; Claudius Pflug Kombo Ryanair Posener 10.08.2018, Hessen, Frankfurt am Main: Beschäftigte der Fluggesellschaft Ryanair nehmen am Main Airport Center (MAC) an einer Demonstration für bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung teil. Sie halten ein Banner mit der Aufschrift «Rights at Ryanair» (Rechte bei Ryanair). Beim irischen Billigflieger Ryanair hat der bislang härteste Pilotenstreik in der Geschichte des Unternehmens begonnen. Foto: Silas Stein/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bedeutet der Streik bei Ryanair das Ende der Billigflugära? Schließlich ist die Ausbeutung des Cockpit- und Kabinenpersonals ein Hauptmittel, um Kosten zu senken. Bis Ende 2017 weigerte sich die irische Billigfluglinie sogar, Gewerkschaften als Verhandlungspartner anzuerkennen, und musste durch Streikandrohung in der Weihnachtsferienzeit dazu gezwungen werden.

Nun haben Gewerkschaften in Spanien, Portugal, Belgien, den Niederlanden, Irland und Deutschland Ryanair ins Visier genommen und die Airline mitten in der Sommerferienzeit getroffen. Ohne Konzessionen bei den Löhnen und Arbeitsbedingungen kommt Ryanair nicht davon, und die Mehrkosten werden die Passagiere tragen müssen.

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Man könnte versucht sein, in Analogie zum Lebensmittelmarkt zu sagen: Wenn's gut sein soll, kann's nicht billig sein. Doch stimmt das bei vielen Lebensmitteln nicht und beim Fliegen schon gar nicht. Was im Chaos an Europas Flughäfen zu Ende geht, ist nicht das Konzept der Billigfluglinie. Sondern nur der Manchesterkapitalismus in der Luft.

Was in anderen Branchen seit dem frühen 20. Jahrhundert bekannt ist, nämlich dass zufriedene Mitarbeiter produktiver sind, hatte Ryanair im Gegensatz zu Konkurrenten wie TUI und Easyjet missachtet.

Vergleicht man die Bewertung von Ryanair und Easyjet durch die eigenen Mitarbeiter etwa auf dem Online-Jobportal "Glassdoor", fällt der Unterschied sofort auf: Mitarbeiter von Easyjet loben immer wieder den Teamgeist in der Firma und die Leistungsprämien, die lange und unregelmäßige Arbeitszeiten erträglich machten. Ryanair-Mitarbeiter meinen, dem Management seien sie "egal".

Ryanair ist immer noch, gemessen an beförderten Passagieren, die fünftgrößte Fluggesellschaft der Erde und die größte in Europa, vor Easyjet und Lufthansa. Ja, die Schwierigkeiten von Ryanair sind zumindest teilweise auf die erfolgreiche Firmenpolitik der Expansion um jeden Preis zurückzuführen.

Jetzt zeichnen sich aber die Grenzen der Expansion ab. Jetzt gilt es, Marktanteile zu sichern, auch durch innovative Ideen. So profitieren einige Billigflieger von der Kooperation mit herkömmlichen Fluggesellschaften bei Langstreckenflügen. Ihr dichtes europäisches Netz verwerten sie als Zubringerdienst.

Freilich wird sich Ryanair in der Phase der Konsolidierung nicht behaupten können, wenn die Airline ihre Firmenkultur nicht ändert. Das ist allerdings leichter gesagt als getan.

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