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Diese Bank setzt Kunden einen Chip unter die Haut

WELT-Logo WELT 10.10.2019 Marlen Dannoritzer
cropped view of male hand with microchip on table cropped view of male hand with microchip on table

Es könnte auch eine Szene aus einem Science-Fiction-Film sein: eine kurze Handbewegung – und schon öffnet sich die geschlossene Haustür. Die junge Frau tritt ein. Einen Schlüssel braucht sie nicht, sondern nur den Computerchip unter ihrer Haut.

Für diesen Chip wirbt seit wenigen Tagen kein Sicherheitsdienst und auch kein Tech-Konzern, sondern eine Bank aus Berlin. Mit dem Versprechen „Nie wieder Schlüssel suchen“, wendet sich die dortige Sparda-Bank an Kunden, die zwischen dem 1. Oktober und dem 31. Dezember eine Baufinanzierung in Höhe von mindestens 50.000 Euro abschließen. Sie erhalten gratis zum Vertrag zwei Nahfeldkommunikations-, kurz NFC-Implantate dazu. Der Vertragspartner und ein beliebiger weiterer Erwachsener können sich diese in die Hand einsetzen lassen. Die Kombination mit der Baufinanzierung soll ein Symbol sein: Kunden erhalten mit dem Darlehen die Schlüssel zum Eigenheim gleich dazu.

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Der Werbespot für den Chip mutet jedoch schon etwas skurril an. Inmitten einer stereotypischen Vorstadtidylle unterhalten sich zwei Protagonistinnen miteinander. Dargestellt von den in der Szene bekannten Berliner Dragqueens Jurassica Parka und Destiny Drescher. Sie sprechen über den Garten der Nachbarin – und schließlich auch über sie selbst. Die junge Frau habe „was machen lassen“, sind sich die beiden sicher. Diese Vermutung bestätigt sich in dem Moment, als die Nachbarin mit dem Chip in ihrer Hand die Haustür öffnet. Der Werbespot wird ausschließlich in sozialen Netzwerken gezeigt.

Auf YouTube, Facebook, Instagram und Snapchat will die Bank vor allem potenzielle Kunden zwischen 16 und 39 Jahren erreichen. Junge Menschen sind eine wichtige Zielgruppe für das Geldhaus. „Mit dem Eintritt ins Arbeitsleben setzen sich viele zum ersten Mal in ihrem Leben mit Finanzen auseinander“, sagt Frank Kohler, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Berlin. Auf dem umkämpften Privatkundenmarkt ist es für eine Bank entscheidend, mit der eigenen Marke früh bei den jungen Menschen präsent zu sein. Denn das zahlt sich am Ende aus: Viele Verbraucher halten ihrer Hausbank immer noch ein Leben lang die Treue.

Die Videos sind nicht in erster Linie darauf angelegt, für eine Baufinanzierung oder den implantiertem Mikrochip zu werben. „Bei der Kampagne geht es vorrangig darum, Aufmerksamkeit zu erregen“, sagt Kohler. Dazu sollen sowohl die skurrile Idee als auch die Besetzung beitragen. Und die Strategie funktioniert: Mehr als eine Million Nutzer haben die Videos in den sozialen Netzwerken angesehen, mehrere Tausend haben sie geteilt und kommentiert. Positives Feedback ernten vor allem die Darsteller.

Trotz der großen Aufmerksamkeit hat bislang allerdings noch kein Kunde ernsthaftes Interesse an dem Implantat bekundet. Das habe man auch nicht anders erwartet, sagt Kohler, versichert jedoch, dass es sich nicht ausschließlich um einen Werbegag handelt. „Wer das Implantat will, bekommt es natürlich auch.“ Auch eine größere Nachfrage könnte man bedienen.

Technik soll sicherer sein als der Fingerabdruck

Für die Chips kooperiert die Bank mit Digiwell, einem Unternehmen, das auf Bio-Hacking, also die Optimierung des menschlichen Körpers durch technische Zusätze spezialisiert ist. Eingesetzt werden die Implantate nicht von Bankangestellten, sondern von Fachleuten. Das kann beispielsweise ein Arzt oder ein Piercer sein. Von außen ist das reiskorngroße Glasröhrchen nicht zu erkennen. Auch Sicherheitskontrollen wie etwa am Flughafen schlagen nicht an.

Wer sich – von der Werbung inspiriert – nun selbst, also ohne den Abschluss einer Baufinanzierung der Sparda-Bank, einen solchen Chip implantieren lassen möchte, muss mit rund 50 Euro für das Glasröhrchen und mit noch einmal dem gleichen Betrag für das Einsetzen rechnen. Deutlich teurer ist das Lesegerät an der Haustür. Beim Abschluss einer Baufinanzierung trägt diese Kosten die Sparda-Bank. Insgesamt kalkuliert man dort mit rund 800 Euro für Implantate, Türschloss und Installation.

Einmal eingesetzt kann der Chip über Jahre unter der Haut verbleiben. Er funktioniert unabhängig von weiterem Zubehör und benötigt keine Batterien. Der Transponder an der Tür läuft über einen eigenen Akku, funktioniert also selbst bei Stromausfällen. Insgesamt soll die Technik sicherer sein als ein Fingerabdruckscanner, verspricht der Hersteller. Um die Tür zu öffnen, muss sich der Chip in unmittelbarer Nähe befinden, die Daten werden verschlüsselt übertragen. In Schweden beispielsweise lassen sich Tickets für den öffentlichen Nahverkehr bereits jetzt unter der Haut mit sich führen.

Solange der von der Sparda-Bank beworbene Chip wirklich nur die zur Türöffnung benötigten Daten enthält, sehen auch Datenschützer keinen Grund zur Besorgnis. Auch wenn Vorstandsvorsitzender Kohler zugibt: „Das ist natürlich nichts für jedermann.“ Skepsis der Technik gegenüber kann er durchaus nachvollziehen. „Andererseits ist der Chip in der Hand auch nichts anderes als das, was bereits in Handys und Bankkarten verbaut wird“, meint Kohler. Er selbst will sich dennoch kein Implantat einsetzen lassen, das passe einfach nicht zu ihm.

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