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Diese Begleit-Apps sollen Sie sicher nach Hause bringen

WELT-Logo WELT 06.11.2019 Steve Haak
Mit den Begleit-Apps können Nutzer unter anderem Textnachrichten an Kontakte senden Quelle: Getty © Getty Mit den Begleit-Apps können Nutzer unter anderem Textnachrichten an Kontakte senden Quelle: Getty

Es ist kurz nach Mitternacht. Die Party ist vorbei, und der Nachhauseweg führt durch dunkle Gassen. Ein unangenehmes Gefühl macht sich breit. In solchen Momenten wünscht man sich einen Begleiter. Oder zumindest jemanden, der weiß, wo man sich gerade befindet. 

Per Messenger wie WhatsApp kann zwar ein Live-Standort mit Freunden oder der Familie geteilt werden, Notrufe lassen sich damit aber nicht absetzen. Hier helfen Begleit-Apps. Wir haben die wichtigsten zusammengetragen.

1. Wayguard-Mitarbeiter begleiten nach Hause

Die bekannteste Begleit-App ist Wayguard vom gleichnamigen Unternehmen. Das wurde im Oktober 2016 vom Versicherer Axa ausgegründet. Der kostenlose Dienst hat rund 280.000 registrierte Nutzerinnen und Nutzer, die seitdem über 1100 Notrufe abgesetzt haben. Davon seien 170 an die Polizei oder Rettungsdienste weitergeleitet worden sein, teilte das Unternehmen auf Anfrage von „Gründerszene“ mit.

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Wie funktioniert der Dienst? Über die App können Nutzer sich mit einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter rund um die Uhr verbinden und auf dem Nachhauseweg begleiten lassen. Das kann über einen Chat oder als Telefonat erfolgen. Begleitanrufe seien rund 10.000 Mal durchgeführt worden, teilte eine Axa-Sprecherin auf Anfrage von „Gründerszene“ mit.

Auf Wunsch sieht Wayguard per GPS, wo sich der jeweilige Nutzer befindet. Sollte ein Notfall eintreten, kann der Standort vom Wayguard-Team an die Polizei oder Rettungskräfte weitergegeben werden.

Außerdem ist es möglich, sich über die App von Freunden oder Familienmitgliedern begleiten zu lassen. Diese sehen, wo sich der Nutzer gerade befindet, und können über die App mit dem Nutzer ebenfalls chatten oder telefonieren. Voraussetzung: Die Wayguard-App muss auf beiden Geräten installiert sein.

2. Kommgutheim setzt auf die Kontakte der Nutzer

Das ist auch bei Kommgutheim der Fall. Die App wurde von den drei Regensburger Studenten Katharina Hochmuth, Mario Pfaller und Tim Hautkappe vor fünf Jahren entwickelt.

„Anfang 2014 hatten wir die Vision, den Menschen unterwegs mehr Sicherheit und ein besseres Gefühl zu ermöglichen“, sagt Hautkappe. Weil es eine App damals noch nicht gegeben habe, entschloss man sich, diese selbst zu entwickeln.

Mittlerweile wurde die Anwendung rund 110.000 Mal aus den App Stores geladen. Der Dienst habe knapp 80.000 registrierte Nutzer, hieß es auf Anfrage von „Gründerszene“.

Bei Kommgutheim gibt es kein eigenes Team, das die Nutzer im Notfall begleitet. Der Dienst setzt stattdessen auf die Kontakte des Nutzers, die als Begleitpersonen ausgewählt werden können. Auf einer Karte sehen die Personen, wo sich der Nutzer gerade befindet. Es ist auch möglich, dass eine Person mehrere Nutzer auf ihrem Nachhauseweg begleitet. So können zum Beispiel Eltern sehen, wo sich ihre Kinder befinden.

Mit den Begleit-Apps können Nutzer unter anderem Textnachrichten an Kontakte senden © Getty Mit den Begleit-Apps können Nutzer unter anderem Textnachrichten an Kontakte senden

Von Kommgutheim gibt es auch eine kostenpflichtige Variante für mindestens 1,50 Euro pro Monat. Der Vorteil gegenüber der Basisversion: Im Notfall erhalten die Kontakte eine SMS mit dem Standort des Nutzers und werden automatisch per Push-Benachrichtigung informiert.

3. Vivatar verbindet sich mit dem Auto

Das Technikunternehmen Bosch hat mit Vivatar eine Begleit-App entwickelt, die in ihrer Basisversion ebenfalls kostenlos ist. Darin enthalten sind unter anderem eine Chat-Funktion und die Möglichkeit, den eigenen Standort mit Kontakten zu teilen.

Für 4,99 Euro pro Monat erhält der Nutzer eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung, die im Notfall Rettungskräfte alarmiert und zum Unfallort schickt. Außerdem kann der Nutzer einen Notfallpass einrichten, der zum Beispiel die Blutgruppe enthält.

Auf Anfrage teilte uns Bosch mit, dass man die App derzeit grundlegend überarbeite. Konkret: Die Apps Vivatar und Vivatar Drive sollen zusammengelegt werden.

Unter Vivatar Drive vertreibt Bosch zum Beispiel einen Stecker für die 12-Volt-Buchse im Auto, von dem bei einem Unfall automatisch Daten an die Notrufzentrale übertragen werden. Die Informationen enthalten unter anderem den Fahrzeugstandort und die Schwere des Unfalls. Das ist möglich, weil der Stecker einen Beschleunigungssensor enthält.

Per Bluetooth werden die Daten an die Vivatar-App im Smartphone übertragen. Von dort aus wird das Notrufsignal abgesetzt. Das funktioniert laut Bosch in elf europäischen Ländern. Vivatar Drive kostet einmalig mindestens 49,99 Euro. Die App-Kosten kommen obendrauf.

4. Bodyguard funktioniert nur auf iOS

Die App Bodyguard des nordrhein-westfälischen Software-Studios Labitzke ist eine weitere Begleit-App aus Deutschland. Allerdings ist der Dienst nur auf iOS-Geräten verfügbar.

Das Besondere: Die Firma verkauft einen Button, der, einmal gedrückt, per Bluetooth-Verbindung über das Smartphone einen Alarm auslöst. So lässt sich ein Notruf absetzen, ohne das Handy aus der Tasche nehmen zu müssen.

Ansonsten funktioniert der Dienst ähnlich wie die Anwendungen der anderen Anbieter. In der App lassen sich bis zu drei Kontaktpersonen festlegen, die bei einem Notfall alarmiert werden sollen. Bei einem Hilferuf werden der Name, das Datum und die Uhrzeit übertragen.

Auch die Position per GPS wird gesendet. Die App kostet einmalig 2,29 Euro. Sowohl der Nutzer als auch dessen Kontakte müssen die App besitzen, um den Dienst nutzen zu können.

Datenklau nach US-Vorbild?

Neben den Diensten deutscher Anbieter, gibt es auch Begleit-Apps internationaler Firmen in den App Stores. Dazu gehört unter anderem die norwegische App Bsafe.

Die bekannteste und eine der ersten Sicherheits-Apps ist Companion, die von Studenten der University of Michigan entwickelt wurde. Companion wurde vor einigen Jahren wegen seines Umgangs mit Nutzerdaten kritisiert. Das Unternehmen gab bekannt, sich mit dem Verkauf der Daten an Einrichtungen wie Universitäten zu finanzieren. Mittlerweile lässt sich Companion nicht mehr in den App Stores herunterladen.

Aber auch die Dienste deutscher Anbieter erheben Daten. Darum sollten Nutzer sich vor dem Download der jeweiligen Programme die Datenschutzregeln genau anschauen. So schreibt zum Beispiel Kommgutheim, dass es Nutzerinformationen anonymisiert verarbeitet. Auch Wayguard wertet nach eigenen Angaben anonymisiert IP-Adressen aus, um seine Webseite zu optimieren.

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