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Digitalisierung in der Luftfahrt - Kein Anschluss über den Wolken

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 19.05.2017 Hannes Putfarken

Ein WLAN-Zugang im Flugzeug ist bei vielen Airlines noch die Ausnahme. Eine Studie zeigt jedoch, dass immer mehr Passagiere an Bord ins Netz wollen. Deswegen rüsten einige Fluggesellschaften jetzt auf.

Ein Flug von München nach Hamburg dauert mit dem Flugzeug in etwa eine Stunde und 20 Minuten. Von Frankfurt in die spanische Hauptstadt Madrid sind es schon gute drei Stunden. Wenn man auf einer dieser Strecken beruflich unterwegs ist, fühlt man sich oftmals in das analoge Zeitalter zurückversetzt. Denn E-Mails abrufen, den Weiterflug umbuchen oder kurzfristig das Hotel stornieren klappt nur selten bis gar nicht. WLAN in Flugzeugen gibt es für Fluggäste meistens nur auf Langstreckenflügen, erst recht nicht bei allen Airlines und wenn dann auch nur zu hohen Preisen.

Dabei ist für Passagiere die Internetverfügbarkeit an Bord schon jetzt das drittwichtigste Kriterium bei der Flugauswahl. Nur die Faktoren Preis und Flugplan sind den Passagieren zurzeit noch wichtiger. Und ganze 90 Prozent der Fluggäste würden ein entsprechendes Internetangebot dann auch nutzen. Diese Zahlen gehen aus der aktuellen Studie „Spread your wings“ der Unternehmens- und Strategieberatung Roland Berger hervor, die sich mit den Chancen einer digitalen Transformation der Luftfahrtindustrie beschäftigt.

Das Unternehmen befragte unter anderem Fluggesellschaften nach den Präferenzen ihrer Kunden und kommt in seiner Studie zu dem Ergebnis, dass die Digitalisierung der Luftfahrtindustrie noch in den Kinderschuhen steckt – das bisher ungenutzte Potenzial für die Fluggesellschaften sei riesig. So beförderten die Fluggesellschaften letztes Jahr weltweit 3,8 Milliarden Passagiere – Tendenz steigend. Davon würden zwei von drei Passagieren für einen Internetzugang auch bezahlen, das geht aus einer Umfrage von Inmarsat aus dem Jahr 2016 hervor.

Für den britischen Mobilfunk- und Satellitenspezialisten Immarsat ist die hohe Zahlungsbereitschaft der Fluggäste eine gute Nachricht. Schließlich verdient das Unternehmen beim Thema Internet über den Wolken kräftig mit. So arbeiten zum Beispiel Lufthansa und die British-Airways-Mutter IAG bei ihren Plänen eng mit Immarsat zusammen. Allein mit den Zugangsgebühren fürs WLAN ließe sich schon eine Menge Geld verdienen. Außerdem wäre zumindest zurzeit noch der Internetzugang ein Differenzierungsfaktor zu anderen Airlines.

Denn bisher ist das WLAN-Angebot eher spärlich. Bei den Fluggesellschaften schreitet die Digitalisierung sehr unterschiedlich voran. Die amerikanische Fluggesellschaft JetBlue zum Beispiel bietet schon seit Jahresbeginn auf allen Inlandsflügen in den USA kostenlosen Zugang zum WLAN an. Davon ist man in Europa noch ein gutes Stück entfernt. Lufthansa will immerhin bis Ende 2018 alle 180 Kurz- und Mittelstrecken-Flugzeuge der Premiummarke für Internet umrüsten. Bei der Billigtochter Eurowings verfolgt man einen ähnlichen Zeitplan. Der britisch-spanische Rivale IAG (British Airways, Iberia, Vueling, Aer Lingus) will seine Europaflotte bis 2019 weitgehend mit WLAN ausgestattet haben.


Große Preisunterschiede bei den Airlines

Unterschiede gibt es auch bei der Ausgestaltung der WLAN-Zugänge: Die Mehrheit der Airlines bietet WLAN bisher zu Daten- oder Zeittarifen an. Dazu zählen unter anderem die Fluggesellschaften Etihad Airways, SAS und KLM. Einen alternativen Weg schlägt die Lufthansa ein. Die deutsche Fluggesellschaft testet aktuell ein gestaffeltes Preismodell. Nicht das Datenvolumen ist entscheidend, sondern die Art der Nutzung. Messaging kostet zum Beispiel drei Euro, Surfen sieben Euro und wer Videos oder Musik streamen will, muss zwölf Euro pro Flugstrecke bezahlen.

Immer mehr Passagiere wünschen sich WLAN an Bord der Flugzeuge. Foto: Reuters © Reuters Immer mehr Passagiere wünschen sich WLAN an Bord der Flugzeuge. Foto: Reuters

Mittelfristig rückt für die Fluggesellschaften das erweiterte digitale Geschäft in der Vordergrund: „Wichtiger als Gebühren für die Internetnutzung ist die Möglichkeit für die Fluggesellschaften, ihren Passagieren personalisierte Shopping-Angebote oder Dienstleistungen anzubieten“, meint Kai-Marcus Peschl von Roland Berger. Im Schnitt könnten Airlines auf Kurzstrecken 1,20 Euro, auf Langstrecken bis zu 3,20 Euro je Fluggast mehr einnehmen. Der Großteil entfiele dabei auf Einnahmen durch personalisierte Angebote, Werbung und Sponsoring, so die Studie von Roland Berger.

Konnektivität an Bord bietet darüber hinaus eine Schnittstelle zwischen Kabinen- und Bodenpersonal. Echtzeitdaten von Wetter und Verkehr könnten beispielsweise zur Optimierung von Route und Geschwindigkeit direkt zum Flugzeug gesendet und dort verarbeitet werden.

Die Digitalisierung in der Luftfahrtindustrie ist in vollem Gange. Doch Airlines, die den Trend verschlafen, verprellen ihre Kunden und verpassen zusätzliche Einnahmen, die gerade bei den immer weiter sinkenden Ticketpreisen an Bedeutung gewinnen.

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