Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Dose statt Frische-Theke – Jetzt hamstern die Deutschen auch beim Fisch

WELT-Logo WELT 17.08.2022 Birger Nicolai
Die deutsche Fischindustrie büßte 2021 vier Prozent Umsatz ein Quelle: Getty Images/Ryouchin © Getty Images/Ryouchin Die deutsche Fischindustrie büßte 2021 vier Prozent Umsatz ein Quelle: Getty Images/Ryouchin

In den beiden Jahren der Corona-Pandemie standen Besucher der Wochenmärkte vor den Verkaufswagen für Fisch oftmals in meterlangen Schlangen. Frischfisch und Fischprodukte waren in der Zeit des heimischen Kochens besonders beliebte Einkäufe. Doch dieser Trend ändert sich gerade. Ein Grund dafür dürften die in der Vergangenheit kräftig gestiegenen Preise sein. Jetzt sparen die Deutschen auch wieder am Fisch.

Laut einer jetzt vorgelegten Datensammlung zur Fischindustrie in Deutschland haben private Käufer im ersten Halbjahr 2022 gut 14 Prozent weniger Fischprodukte gekauft als im Vorjahreszeitraum, in Zahlen waren es 38.171 Tonnen. Der Wert des Fischeinkaufs sank ebenfalls um 14 Prozent oder um 412 Millionen Euro. Dies hat das Hamburger Fisch-Informationszentrum ermittelt.

Die Lobbyorganisation der deutschen Fischwirtschaft deutet den Rückgang als absehbar und undramatisch. Gegenüber der Zeit vor der Corona-Pandemie seien dies immer noch höhere Werte. Und schließlich seien die Jahre 2020 und 2021 von etlichen Sondereffekten geprägt gewesen.

Im Gesamtjahr 2021 hatten die Deutschen dagegen noch mehr Geld im Portemonnaie für den Fischeinkauf. Vom Wert her stieg der Einkauf um gut ein Prozent auf den Rekordwert von 5,4 Milliarden Euro. Bei den Mengen gab es jedoch einen Rückgang um zwei Prozent auf rund 495.000 Tonnen Fisch und Fischprodukte. Im Durchschnitt hat jeder Verbraucher im vergangenen Jahr 12,7 Kilogramm Fisch gegessen. Gemessen wird dies am Fanggewicht.

Deutschland liegt damit unter dem von der Welternährungsorganisation errechneten globalen Durchschnitt von 19 Kilogramm. Mit rund 60 Kilogramm im Jahr essen die Norweger, Portugiesen oder Südkoreaner weitaus mehr Fisch und Fischprodukte.

Quelle: Zakai/Getty Images; Infografik WELT © Zakai/Getty Images; Infografik WELT Quelle: Zakai/Getty Images; Infografik WELT

In der Rangfolge der beliebtesten Fischarten kam es 2021 zu einer Verschiebung. Hinter Lachs als erneuter Nummer eins hat Alaska-Seelachs den Thunfisch von Platz zwei auf Rang drei verdrängt. Alaska-Seelachs wird hierzulande vor allem in der Form der gefragten Fischstäbchen verkauft. Danach folgen Hering, Garnele, Forelle, Tintenfisch, Muscheln, Makrele und Kabeljau auf den ersten zehn Plätzen.

Während Lebensmittel allgemein laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr um gut drei Prozent teurer geworden sind, lag der Preisanstieg bei Fisch und Fischprodukten mit knapp zwei Prozent darunter. Derzeit erwartet die Fischindustrie jedoch erneut steigende Preise. Es gebe „aktuell Herausforderungen, die Verbraucherpreise an die enormen Preiserhöhungen für Energie und Logistik anzupassen“, heißt es in dem Bericht.

Quelle: Zakai/Getty Images; Infografik WELT © Zakai/Getty Images; Infografik WELT Quelle: Zakai/Getty Images; Infografik WELT

Im Einkaufskorb der Fischkäufer dominieren die haltbar gemachten Produkte. Fischkonserven und Fischmarinaden kamen 2021 auf einen Verkaufsanteil von 28 Prozent, gefolgt von Tiefkühlerzeugnissen mit 24 Prozent. Frischfisch landete mit 13 Prozent weit dahinter. Besonders bei Fischdosen wie Thunfisch oder Heringsmarinaden ergab sich in den Monaten der Corona-Pandemie eine Besonderheit. Die Deutschen lagerten diese lange Zeit haltbaren Vorräte in unerwartet hohen Mengen ein.

Bei der Frage, wo Deutschlands Fischesser leben, gibt es laut den Daten ein klares Nord-Süd-Gefälle. Allerdings mit einer Ausnahme: Hinter Schleswig-Holstein an der Spitze mit durchschnittlich 7,1 Kilogramm Fischeinkauf rangiert Rheinland-Pfalz mit 6,9 Kilogramm. Auf den Plätzen folgen Hamburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die Nähe zur Küste der Nordsee oder Ostsee dürfte dabei eine gewichtige Rolle spielen.

Deutschland fängt immer weniger Fisch selbst

Schlusslichter in der Liste sind die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Baden-Württemberg. Diese Angabe in Kilogramm bedarf einer Erklärung: Den Vergleich der Länder hat das Marktforschungsinstitut GfK angestellt. Das Institut hat dafür das Produktgewicht als Kriterium genommen – im Unterschied zu der oben angeführten Kilogramm-Angabe des Fanggewichts.

Jedoch fängt Deutschland immer weniger Fisch selbst. So sind die Anlandungen der deutschen Hochseefischerei vergangenes Jahr in der Menge um neun Prozent gesunken. Die Flotte an Fangschiffen ist in Deutschland mit 10.200 Einheiten im Jahresvergleich zwar kaum kleiner geworden. Darunter sind jedoch lediglich sieben Hochseetrawler.

Quelle: Zakai/Getty Images; Infografik WELT © Zakai/Getty Images; Infografik WELT Quelle: Zakai/Getty Images; Infografik WELT

Die hiesige Fischindustrie büßte im vergangenen Jahr vier Prozent Umsatz ein und erreichte Verkäufe von 2,35 Milliarden Euro. Die Branche beschäftigt rund 36.600 Frauen und Männer. Das sind etwa vier Prozent mehr als im Vorjahr.

Zu 88 Prozent des Verbrauchs an Fisch und Fischprodukten wird Deutschland mit Importware versorgt. Das wichtigste Lieferland ist mit Abstand und einem Anteil von 22 Prozent der Nachbar Polen. Danach folgen die Niederlande und Dänemark sowie erneut mit deutlich geringerem Anteil Litauen und Frankreich.

Quelle: Zakai/Getty Images; Infografik WELT © Zakai/Getty Images; Infografik WELT Quelle: Zakai/Getty Images; Infografik WELT

Wie bei vielen anderen Lebensmittelangeboten, so dominieren auch beim Fisch die Discounter. Bei Tiefkühlfisch kommen Aldi, Lidl und Co. auf 50 Prozent Verkaufsanteil. Selbst beim Frischfisch ist ihre Dominanz mit 39 Prozent ausgeprägt.

Diese Fischprodukte sind in einer Kunststoffschale verpackt und mit einer Folie bedeckt. Durch ein technisches Verfahren bei der Verpackung sind sie mehrere Tage in der Kühlung haltbar.

„Alles auf Aktien“ ist der tägliche Börsen-Shot aus der WELT-Wirtschaftsredaktion. Jeden Morgen ab 7 Uhr mit unseren Finanzjournalisten. Für Börsenkenner und -einsteiger. Abonnieren Sie den Podcast bei Spotify, Apple Podcast, Amazon Music und Deezer. Oder direkt per RSS-Feed.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von WELT

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon