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Eine Solaranlage in der Garage macht keinen Sinn

SZ - Sächsische Zeitung-Logo SZ - Sächsische Zeitung 01.10.2022
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Eine Solaranlage in der Garage macht keinen Sinn

Meißen. Es gibt Menschen, die würden bei derlei Geschäftsgebaren im Dreieck springen. Dieter Ottlik ist da von ganz anderer Natur. Er sitzt ganz ruhig im Wohnzimmer seines Hauses und erzählt sachlich, wie er eine Fotovoltaikanlage bestellte, aber keine bekam. Vielleicht liegt seine entspannte Art auch an der Lebenserfahrung. Ottlik ist 86 Jahre und war früher selbst Unternehmer. Er weiß, dass da nicht immer alles reibungslos funktioniert. "Gibt es ein Problem, muss man sich aber darum kümmern, und es nicht hinausschieben", sagt er. Sein Blick geht dabei auf einen Stapel Papier: E-Mail-Korrespondenz der letzten zwei Monate. "Ärgerlich", sagt er dann doch.

Die Geschichte beginnt im Frühjahr 2022. Ehepaar Ottlik beschließt, sich eine Fotovoltaikanlage anzuschaffen. "Die Idee war, eigenen Strom für das E-Auto und den Haushalt zu produzieren", erzählt der Ruheständler. Im Mai löst er seine Bestellung bei der SachsenEnergie AG aus. Am 10. Juni kommt die Auftragsbestätigung aus Dresden. Ein Alles-Inklusive-Paket. Technik, Installation, Einweisung – alles drin. Kostenpunkt: rund 31.000 Euro. "Ich habe mich extra für ein regionales Unternehmen entschieden. Außerdem war mir von SachsenEnergie bis dato nichts Schlechtes zu Ohren gekommen", begründet er seine Entscheidung. Am 14. Juli kommt die erste Lieferung: die Technik fürs Haus, darunter auch der Speicher. So weit, so gut.

Im Bestätigungsschreiben wurden dem Senior zwei Montage-Termine angekündigt: die Installation der Module auf dem Dach und die Elektromontage in der Garage. Beide waren für den 27. Juli, ab 9 Uhr anberaumt. Problem: An dem Mittwoch Ende Juli kommt niemand. Keine Absage, keine Terminänderung. Nichts. Der Ruheständler hatte extra – so wie verlangt – seinen Wintergarten vor dem Dach gesichert und seine Werkbank aus der Garage geräumt. Er wartet anderthalb Stunden und greift schließlich zum Telefon. "Ich bin in der Warteschleife gelandet, habe nach einer halben Stunde wieder aufgelegt", erzählt er. Schließlich setzt er sich noch am selben Tag ins Auto und fährt nach Dresden zum Firmensitz des Unternehmens auf den Friedrich-List-Platz, unmittelbar am Hauptbahnhof.

"Die Unternehmenszentrale war damals offenbar noch im Bau. Ein Mitarbeiter sagte, der Kundendienst sei im World Trade Center zu erreichen", erinnert sich Ottlik. Also ging es dorthin. Er erzählt von dem Problem und hinterlässt seine Kontaktdaten. "Wirklich helfen konnte niemand", sagt er. In den Wochen danach versucht der Meißner per Mail und Telefon einen neuen Montage-Termin zu bekommen. Der Kundenberater verspricht, nachzuforschen, was mit den Monteuren schiefgegangen ist. Bei der Kundenhotline landet Dieter Ottlik immer wieder in der Endlosschleife. Damit ist er offenbar nicht allein. Schenkt man den Google-Rezensionen Glauben, dann geht es in letzter Zeit vielen SachsenEnergie-Kunden so. Zuletzt erklärte das Unternehmen, dass aktuell bis zu 25.000 Anrufe pro Woche beim Kundendienst eingehen. Grund sind die neuen Abschlagsinformationen. Immerhin: Die Module fürs Dach trudeln am 17. August ein. Der Kundendienst teilt mit, einen neuen Termin finden zu wollen. Und warum waren die Monteure im Juli eigentlich nicht da? Ottlik zuckt mit den Schultern. Die versprochene Recherche des Mitarbeiters lief offenbar ins Leere.

Der Meißner bleibt dran, nervt den Kundendienst wöchentlich mit Mails. Im August heißt es, die Monteure seien in der 34. Kalenderwoche im Urlaub. Man melde sich wegen eines neuen Termins. Die schönen Sonnentage im August verstreichen. Der 86-Jährige und seine Frau wollen in den Urlaub fahren, trauen sich aber nicht. Es könnte sich ja kurzfristig ein Termin ergeben. Die Hoffnung schwindet mit jeder Woche, die ins Land zieht. "Stellen Sie sich mal vor, ich wäre am besagten Tag aus unerfindlichen Gründen nicht Daheim gewesen. Das hätten die sich ordentlich bezahlen lassen", sagt der 86-Jährige. Er fühlt sich veralbert. Eine andere Firma will er nicht beauftragen, aus Gewährleistungsgründen.

Beim Auftragnehmer, der SachsenEnergie AG, heißt es, dass man aktuell eine sehr hohe Kundennachfrage nach Fotovoltaik-Anlagen verzeichne. "Unsere Montageteams arbeiten diese Aufträge schnellstmöglich ab. Gerade in den Sommermonaten kann das aber aufgrund von Urlaub und unplanmäßigem Krankenstand länger dauern. Dazu kommen Lieferengpässe bei den Komponentenherstellern, die die Montage ebenfalls verzögern können. Wir stocken aktuell unser Personal auf, um zügiger für unsere Kunden da sein zu können", teilt Pressesprecherin Viola Martin-Mönnich auf SZ-Nachfrage mit.

Wie es weiter heißt, habe man nun den konkreten Fall von Dieter Ottlik intern geprüft. "Wir haben uns mit dem Kunden dazu bereits in Verbindung gesetzt, den Sachverhalt besprochen und für die Verzögerungen um Entschuldigung gebeten. Die Dachmontage wird am 17. Oktober 2022 stattfinden und die Elektromontage am 18. Oktober 2022", so Martin-Mönnich weiter. Mit Blick auf das offenbar überlastete Kundentelefon kündigt sie zusätzliches Personal an. "Momentan besteht eine sehr hohe Nachfragefrequenz bei unserer Telefonhotline. Trotzdem nehmen wir uns für jeden Kunden Zeit, um die teils komplexen Fragen zu beantworten. Deshalb kann es zu entsprechend längeren Wartezeiten kommen – hier bitten wir um Verständnis", so die Sprecherin abschließend.

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