Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Elektromobilität: Bosch will offen für Verbrenner bleiben

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 17.03.2019 Henrik Mortsiefer

Nicht nur elektrische Antriebe - anders als VW will der Zulieferer Bosch den Verbrennungsmotor noch nicht aufgeben.

Dazwischen gegrätscht. Bei Bosch hält man es für verfrüht, sich nur noch auf elektrische Antriebe zu konzentrieren. © Foto: F. Kraufmann/dpa Dazwischen gegrätscht. Bei Bosch hält man es für verfrüht, sich nur noch auf elektrische Antriebe zu konzentrieren.

Bosch, der größte Automobilzulieferer der Welt, spricht sich gegen die von VW-Chef Herbert Diess geforderte Festlegung auf die Entwicklung rein elektrischer Antriebe aus. „Die Märkte werden Technologien aussortieren, die nicht optimal sind. Ich vertraue auf diesen Effekt und bin ein starker Verfechter der Technologieoffenheit“, sagte Bosch-Geschäftsführer Stefan Hartung, Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility Solutions, dem Tagesspiegel. „Als Technologielieferant braucht Bosch für verschiedene Märkte, Länder, Kunden und Anwendungsfälle verschiedene Technologien.“

Die Branche verfolgt bislang eine „Fächerstrategie“, nach der neben batterieelektrischen Antrieben auch andere Alternativen zum Verbrennungsmotor entwickelt werden – etwa Wasserstoff- beziehungsweise Brennstoffzellentechnik, synthetische Kraftstoffe oder Hybride. Diess hatte in dieser Woche die von der Branche vertretene Technologieoffenheit als „falsche Parole“ kritisiert, die lediglich dazu diene, den Systemwandel in die Zukunft zu verschieben.

Die Top-Themen der MSN-Leser:

Hochumstritten: Kommt jetzt die deutsche Superbank?

Amazon: Diese Investoren halten die meisten Amazon-Aktien

US-Börsenaufsicht: Volkswagen und Winterkorn verklagt

Er hoffe, dass die Regulierung technologie-offen bleibe, sagte Bosch-Geschäftsführer Hartung. Denn die Erreichbarkeit der Ziele – Klimaschutz, weniger Staus, weniger Emissionen – hänge von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel Kosten, Verfügbarkeit, Fahrzeugtyp, Transportaufgabe. Am Ende entscheide der Kunde. Hartung: „Das wird häufig vergessen: Es geht nicht nur um die Industrie. Ob ein großer SUV voll-elektrisch heute schon Sinn ergibt oder eine Hybridisierung, hängt auch von der Zahlungsbereitschaft der Kunden ab.“ Die Industrie sei innovationsstark, doch die Regulierungsziele seien mehr als ambitioniert. „Aber es kann sein, dass es für den Kunden teurer wird.“ Bis 2030 muss der CO2-Ausstoß von Neuwagenflotten in der EU um weitere 37,5 Prozent im Vergleich zu 2021 sinken.

Bosch entwickelt auch gezielt den Verbrenner weiter

Elektromobilität sei die Richtung, in die alle führen, betonte Hartung. Die Frage sei, in welcher Geschwindigkeit, in welchen Märkten. „Am Ende zählt, ob wir als Industrie und als Gesellschaft geeignete Rahmenbedingungen und Ziele definieren“, sagte der Manager dem Tagesspiegel. „Es kann ja nicht sein, dass alles auf Elektromobilität gesetzt, aber der Strom nicht nachhaltig erzeugt wird. Das würde nicht passen.“ Bosch entwickele auch gezielt den Verbrenner weiter. „Im Jahr 2030 werden weltweit noch etwa 70 Prozent der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor fahren“, glaubt Hartung. Teile davon mit elektrifizierter Unterstützung von 48-Volt-Systemen oder als Plug-in-Hybrid.

Bosch will den Verbrennungsmotor also nicht zu früh abschreiben. Verglichen mit den Benzin- oder Dieselmotoren von vor zehn Jahren hätten moderne Antriebe „große Fortschritte“ gemacht. Die Kunden verunsichere, wenn sie nicht wüssten, ob das Auto, das sie kaufen, nicht mehr in die Stadt fahren dürfe oder womöglich seine Zulassung verliere. „Die Automobilindustrie verkauft sehr langlebige Konsumgüter und braucht hierfür verlässliche Rahmenbedingungen – vor allem auch bei den politischen und regulativen Rahmenbedingungen“, sagte Hartung.

Die Beschäftigten sind verunsichert

Die Transformation der Branche sorgt auch bei den Bosch-Beschäftigten für Unruhe. Vor einigen Tagen waren im Stammwerk in Stuttgart-Feuerbach 3000 Mitarbeiter auf die Straße gegangen, um für den Erhalt ihrer Jobs in der Fertigung von Diesel-Aggregaten zu demonstrieren. Die Sorgen der Beschäftigten seien „nachvollziehbar“, sagte dazu Stefan Hartung. Vom Tempo der Transformation werde abhängen, wie tief die Einschnitte bei der Beschäftigung sein werden. „Viel wird sich über die demografische Entwicklung lösen lassen. Läuft der Prozess disruptiv, wird es schwierig“, räumte der Bosch-Manager ein. Bei Bosch glaube man aber, dass man den Übergang in enger Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern bewältige. „Es kommen ja auch neue Aufgaben hinzu.“ Bosch ist der weltweit größte Lieferant von Dieseltechnologie, rund 50.000 der 410.000 Mitarbeiter des Unternehmens sind in diesem Bereich beschäftigt.

Mehr auf MSN

NÄCHSTES
NÄCHSTES
| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Tagesspiegel

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon