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Erfolgsgeschichte: vom Flüchtlingskind zur Unternehmerin

dw.com-Logo dw.com 13.09.2018 Zhang Danhong

Emitis Pohl bei der Preisverleihung (10.09.2018) © MIT Emitis Pohl bei der Preisverleihung (10.09.2018)

In Teheran geboren, lebt Emitis Pohl seit 31 Jahren in Deutschland. Sie ist ehrgeizig, erfolgreich und sozial engagiert. Dafür bekommt sie den Unternehmerpreis der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung.

Ihre Geschichte ist sehr emotional. Mit 13 wurde sie von ihren Eltern in ein Flugzeug gesetzt, um den Wirren des ersten Golfkrieges zu entkommen. Sie kam nach Deutschland - als Flüchtlingskind und mutterseelenallein. "Als der Tag der Abreise kam im Iran, hatte ich sieben Jahre Krieg miterlebt. Sieben Jahre mit Bombenalarm, Stromausfall, mit Erinnerungen, die mich niemals verlassen", schreibt sie in ihrem Buch "Deutschsein für Anfänger". Irgendwo zwischen Teheran und Hamburg, hoch über den Wolken, nahm die kleine Emi ihr Kopftuch ab.

Es begann eine Integrationsgeschichte mit hohen Hürden. Da sie kein Asyl beantragt hatte, musste sie ihre Duldung einmal die Woche verlängern lassen. "Ich musste mich oft in der Eiseskälte in Hamburg um fünf Uhr morgens vor der Ausländerbehörde anstellen, eine Nummer ziehen und warten, bis die Tür um sieben Uhr aufgemacht wurde", erinnert sie sich im Gespräch mit der Deutschen Welle. Jede Klassenfahrt ins Ausland war ein Staatsakt, da ihre Rückreise nach Deutschland sichergestellt werden musste. 5000 Kilometer entfernt machte ihr Vater, ein weltoffener Geschäftsmann in Teheran, Druck: "Wenn Du keine guten Noten hast, hole ich Dich wieder zurück." Bereits als Kind lernte Emi, an zwei Fronten zu kämpfen - für ihren Aufenthalt in Deutschland und gegen die deutsche Grammatik.

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Erst Heirat, dann Studiumwechsel

Das Damoklesschwert der Abschiebung hing auch noch während des Studiums über ihr. Schnell stellte sie fest, dass das Fach Bauwesen, das sie in Gießen studiert hatte, nicht das Richtige für sie war. "Ich wollte unbedingt Kommunikation studieren. Ich habe gejobbt als Messehostess oder Promoterin. Ich wollte in diesem Bereich etwas machen." Da ihre Duldung aber an das Studium des Bauwesens gekoppelt war, durfte sie nicht ohne weiteres wechseln - es sei denn, sie heiratet einen deutschen Mann. So bat sie ihren damaligen Freund, ihr einen Heiratsantrag zu machen. Er tat ihr und sich selber den Gefallen, denn eine solche starke und zielstrebige Frau wie seine Emi findet man nicht alle Tage.

"Ich hatte immer das Ziel, ein Unternehmen zu gründen. Ich glaube, das ist sehr persisch, immer ein Ziel vor Augen zu haben", erzählt Emitis, die nun Pohl mit Nachnamen heißt. 2007 sprang sie ins kalte Wasser: Sie kündigte in der Werbeagentur, in der sie nach dem Studium tätig war, und gründete als Mutter zweier kleiner Töchter in ihrem eigenen Haus ihre eigene Agentur: die ep communication GmbH.

"Ich habe die Kinder vom Kindergarten abgeholt, abends gekocht, dann bin ich zu Veranstaltungen gefahren. Ich war jeden Abend auf einer Veranstaltung und habe Visitenkarten gesammelt. So habe ich meine Kontakte aufgebaut." Zu Hause grübelte sie über die beste Werbestrategie für ihre Kunden, suchte nach neuen Ideen, konzipierte Veranstaltungen, schaltete Anzeigen und schrieb Pressemitteilungen bis tief in die Nacht. Den Respekt musste sie sich als junge Frau mit Migrationshintergrund von ihren Kunden, die oft CEOs, Aufsichtsräte und Vorstände waren, hart erkämpfen. Bei einem Kunden dauerte das zehn Jahre. "Erst letztes Jahr sagte er mir in einem Vier-Augen-Gespräch: Ich muss mich vor Ihnen verneigen. Was Sie geschafft haben, das hätte ich nicht für möglich gehalten."

Emitis Pohl eröffnete im März 2018 den vor fünf Jahren von ihr ins Leben gerufenen Cologne Business Day © ep communication Gmbh/Parhan Farajollahi Emitis Pohl eröffnete im März 2018 den vor fünf Jahren von ihr ins Leben gerufenen Cologne Business Day

Ja, sie hat es geschafft. Vor drei Jahren zog ihre Firma in einen schönen Altbau im noblen Kölner Viertel Marienburg. Ihre Agentur ist weit über den Kölner Raum hinaus bekannt. Und Emitis Pohl wird als kompetente Kommunikationsexpertin respektiert und als knallharte Verhandlerin in der Branche gefürchtet.

Den Trend nicht verschlafen

Wie so viele Branchen hat sich auch die Medien- und Werbebranche in den letzten Jahren verändert - nicht zum Positiven für die Deutsch-Iranerin. "Viele Unternehmen haben mittlerweile ihre eigene Marketingabteilung. Sie wollen keine externen Dienstleister mehr. Das ist nicht gesund, weil man irgendwann betriebsblind wird." Sie muss also noch mehr Überzeugungsarbeit leisten und baut gleichzeitig weitere Standbeine auf, um nicht von dieser Entwicklung überrollt zu werden.

Jana Hohlfinger sieht in ihrer Chefin ein Vorbild und eine Mentorin © ep communication Gmbh/Parhan Farajollahi Jana Hohlfinger sieht in ihrer Chefin ein Vorbild und eine Mentorin

Eines davon ist das neue Startup-Projekt, das ihre junge Mitarbeiterin Jana Hohlfinger verantwortet. "In den letzten Jahren war ich sehr stark in der Startup-Szene unterwegs, habe gemerkt, dass viele Startups tolle Ideen haben, aber oft nicht wissen, wie sie sie richtig umsetzen oder vermarkten", sagt Hohlfinger. Gemeinsam mit der Chefin hat sie ein Konzept ausgearbeitet, um die Startups zu unterstützen und für die Agentur ein neues Geschäftsfeld zu erschließen. Das reicht von PR über normale Kommunikation bis hin zu Corporate Design und Corporate Identity, eine Art Rundum-sorglos-Paket.

Von ihrer Chefin habe sie sehr viel gelernt, erzählt Jana Hohlfinger. "Meine Freunde nennen mich manchmal Mini-Emi, weil sie wissen, dass ich ein gutes Verhältnis zu Emi habe und weil ich sie als Mentorin sehe." Der Deutsche Mittelstandspreis sei nun die verdiente Auszeichnung dafür, dass die Chefin an sich selber, an ihre Kunden und ihre Mitarbeiter geglaubt habe.

Mit gutem Beispiel vorangehen

Für die Jury der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (kurz MIT) war nicht nur der unternehmerische Erfolg von Emitis Pohl ausschlaggebend für die Auszeichnung, sondern auch ihr gesellschaftliches Engagement. Sie unterstützt arme Kinder im Iran und kümmert sich um einen jungen Flüchtling aus Afghanistan. Das hindert sie aber nicht daran, die Fehler im Asylsystem schonungslos zu benennen. "Deutschland ist das einzige Land, in dem man noch belohnt wird, wenn man keine oder gefälschte Papiere besitzt" oder "Deutschland unterstützt nicht Menschen, die integrationswillig sind, sondern Menschen, die einfach abhängig vom deutschen Sozialstaat sind oder es sein wollen", lauten ihre Kritikpunkte.

Emitis Pohl in ihrem Büro im Kölner Süden. In ihrem Buch © ep communication Gmbh/Parhan Farajollahi Emitis Pohl in ihrem Büro im Kölner Süden. In ihrem Buch

Sie prangert an, dass Deutschland gar nichts von den Flüchtlingen erwartet, im Gegensatz zu ihrem geliebten Vater, der damals eine hundertprozentige Integration von ihr verlangte. Am Tag der Preisverleihung (10.09.2018) wäre er genau 77 Jahre alt geworden. Und er wäre sicherlich stolz auf sein einziges Kind, das er vor 31 Jahren für ein Leben in Sicherheit nach Deutschland schickte.

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Autor: Zhang Danhong

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