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Familienunternehmen: Stephanie Gerstacker hütet das geheime Glühweinrezept

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 15.12.2018 Nohn, Corinna
Die Unternehmerin führt in dritter Generation den führenden Hersteller von Glühwein aus Franken. © Gerstacker Weinkellerei Likörfabrik Die Unternehmerin führt in dritter Generation den führenden Hersteller von Glühwein aus Franken.

Von Nürnberg aus führt die 41-Jährige in dritter Generation den fränkischen Weltmarktführer. Die Firma produziert längst mehr als nur Glühwein

Endlich Minusgrade, Bodenfrost - das sind Temperaturen nach Stefanie Gerstackers Geschmack. Milde Novembertage, Regen oder 14 Grad Celsius im Dezember? „Das können wir nicht brauchen.“ Denn wer stellt sich bei solchem Wetter auf den Weihnachtsmarkt und trinkt Glühwein?

Die 41-Jährige bestimmt seit 15 Jahren die Geschicke des Weltmarktführers für Glühwein: die in Nürnberg beheimatete Gerstacker Weinkellerei Likörfabrik GmbH, die ihre Großeltern 1945 noch im benachbarten Fürth gründeten.

Damals zog Friedrich Gerstacker mit den Flaschen selbstgebrannten fränkischen Edelbranntweins von Tür zu Tür, heute betreibt Gerstacker zwei moderne Werke in Nürnberg sowie im thüringischen Crossen und beschäftigt gut 150 festangestellte Mitarbeiter sowie saisonabhängig weitere Kräfte.

Es war Anfang der 1960er-Jahre, als die Firma nach Nürnberg zog und bald mit dem Familienrezept für Glühwein den Grundstein für jahrzehntelanges Wachstum legte: Seit 1965 wird auf dem wohl berühmtesten Weihnachtsmarkt der Welt, dem Nürnberger Christkindlesmarkt, Gerstacker Glühwein ausgeschenkt. Auch wenn genaue Zahlen in der Branche so geheim sind wie die Rezepte. Unbestritten ist: Gerstacker beherrscht mit seinen Eigen- und Handelsmarken den deutschen Markt.

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„Deutschland ist die Glühweinnation Nummer eins, aber national können wir kaum noch wachsen“, sagt Stefanie Gerstacker, die auf Märkte wie USA, Russland und die anderen europäischen Länder setzt. „Oder Südkorea – da kam neulich eine Bestellung von drei Paletten rein.“ Dem Unternehmen, das Branchenberichten zufolge ein Viertel seines Umsatzes im Ausland macht, kommt die Beliebtheit deutschen Brauchtums entgegen: „Der deutsche Weihnachtsmarkt ist ein Exportschlager, und da wachsen wir mit.“ 

Auch die Produktpalette wächst dank stetiger Innovationen, umfasst mittlerweile 500 Produkte: diverse Heißgetränke, darunter immer mehr Bio-Produkte oder ein mit Michelin-Sterneköchen kreierter Glühwein, Cocktails, Cidre, Weine oder Trendgetränke wie Hugo oder Bellinis zum Beispiel der Marken Fifth Avenue, Rebenkönig oder Meistersinger.

Derzeit machen Wintergetränke etwa 60 Prozent des Geschäfts aus. Stefanie Gerstacker strebt eine 50:50-Verteilung auf Winter- und Sommerprodukte an. Da sei man „auf gutem Wege“.

Genaue Zahlen will Gerstacker nicht nennen, nur so viel: „Wir wachsen seit Jahren kontinuierlich.“ Insgesamt dürfte der Umsatz im oberen zweistelligen Millionenbereich liegen.

Harmonische Übergabe

Bei der Arbeitsaufteilung ist Gerstacker ein Familienunternehmen im Wortsinne: Betriebswirtin Gerstacker ist derzeit wegen der vier und sechs Jahre alten Kinder nur halbtags in der Firma tätig. Ihr Mann Jörg Toller, 48, steht ihr in der Geschäftsführung zur Seite.

Die Übergabe an die dritte Generation verlief harmonisch: Die Tochter, die schon als Jugendliche im Betrieb mitgearbeitet hatte, war nach dem Abitur nochmal ins Ausland gegangen. Sie war 26 Jahre jung, als ihr Vater Hans Friedrich Gerstacker 2003 meinte: „Jetzt ist Zeit.“

Sie lernte dann das Unternehmen von allen Seiten kennen – bei der Arbeit am Empfang, in der Buchhaltung, im Vertrieb – und führte die Geschäfte eine Zeit lang parallel mit ihrem Vater.

Beim Verband der deutschen Fruchtwein- und Fruchtschaumwein-Industrie in Bonn bestätigt Geschäftsführer Klaus Heitlinger: „Die Übergabe geschah fließend.“ Wie schon der Vater ist auch die Tochter als aktiv und rege in der Branche bekannt. Auch der Nürnberger Glühweinstandbesitzer Josef Kainz, dessen Familie schon seit 40 Jahren mit Gerstacker zusammenarbeitet, sagt: „Das war immer eine Top-Zusammenarbeit: fast familiär, sehr zuverlässig.“

Zuverlässig ist nur eines nicht: das Wetter. Aber jetzt hoffen alle auf eisige Temperaturen. Denn die nächsten Tage entscheiden, ob es ein gutes Glühweinjahr wird – oder ob Gerstacker schon auf die Abfüllung von Sommergetränken umstellt. All jenen, die Glühwein skeptisch gegenüber stehen rät Gerstacker: Auf eine Bude mit Durchlauferhitzer setzen. „Selbst der beste Glühwein schmeckt nicht mehr, wenn er stundenlang in einem Topf vor sich hinkocht.“

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