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Flughafen Berlin: Lufthansa-Passagiere sollen vier Stunden vor Abflug da sein

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 12.10.2021 Maria Marquart

Wer in dieser Woche mit Lufthansa vom Hauptstadtflughafen BER abfliegt, soll vier Stunden vorher am Gate sein. Für das Chaos am Airport gibt es wohl mehrere Gründe.

© Christoph Soeder / dpa

Bilder von langen Schlangen in der Wartehalle, wütende Tweets und Berichte über verpasste Flüge: Die Schlagzeilen der vergangenen Tage über den Flughafen Berlin-Brandenburg verstärken das Image vom Pannen-Airport.

Die Lufthansa stimmt ihre Kunden darauf ein, dass die Probleme noch einige Tage andauern könnten. »Aufgrund der aktuellen Situation am BER haben wir unsere Gäste gebeten, mehr Zeit als üblich am Flughafen einzuplanen. Für die Flüge die noch in dieser Woche stattfinden, haben wir vorsorglich eine Vorlaufzeit von bis zu 240 Minuten empfohlen«, teilte die Airline mit.

Reisende sollten auch Online- und Vorabend-Check-In sowie den digitalen Vorabcheck von Reisedokumenten nutzen. »Wir prüfen kontinuierlich gemeinsamen mit dem Flughafen und unseren Dienstleistern, wie wir die Situation verbessern können, um unseren Kunden so schnell wie möglich wieder den gewohnten Service bieten zu können«, teilte Lufthansa weiter mit.

Auf Twitter reichten die Reaktionen von Ungläubigkeit über Wut bis hin zu Spott. So wurde darauf hingewiesen, dass es sich bei einer Check-In-Zeit von vier Stunden innerhalb Deutschlands durchaus lohnen würde, auf die Bahn umzusteigen.

Rund ein Jahr nach Eröffnung war der neue Flughafen der Hauptstadtregion bereits am Wochenende völlig überlastet. Verärgerte und frustrierte Fluggäste mussten etwa am Samstag zum Teil mehr als zwei Stunden auf das Einchecken warten oder verpassten sogar ihre Maschinen. Für ankommende Flieger fehlten immer wieder die mobilen Ausstiegstreppen.

Ein Flughafensprecher verwies auf den Ferienbeginn in Berlin und Brandenburg. Demnach reisten allein am Freitag erstmals in der Pandemie wieder rund 67.000 Passagiere über den BER. Am Samstag waren es demnach 55.000 und am Sonntag 66.000 Passagiere. Vom Vorkrisen-Niveau sind solche Zahlen allerdings noch weit entfernt.

Bei den Gründen für das Chaos gab es gegenseitige Schuldzuweisungen. Die Lufthansa verwies darauf, dass man zum Ferienbeginn die Check-In-Kapazitäten auf die maximal mögliche Anzahl von zwölf Schaltern aufgestockt und zusätzliches Personal eingesetzt habe.


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Derzeit ist der Check-in besonders aufwendig, weil aufgrund der Pandemie die meisten Reisenden dort Corona-Tests oder Impfnachweise vorlegen müssen, um ihre Reise antreten zu können.

Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg schob die Probleme am Wochenende deshalb vor allem auf Personalengpässe an den Schaltern, die von den Fluggesellschaften besetzt werden. Vor allem wegen Krankmeldungen habe die Personaldecke dort »unter den Planungen« gelegen. Auch bei den Bodenverkehrsdienstleistern fehlte es aufgrund von Krankheit demnach an Personal.

Am BER ist derzeit aus Kostengründen nur eines von drei Passagierterminals geöffnet: das Hauptterminal T1. Eine kurzfristige Öffnung des im vergangenen Jahr fertiggestellten Terminals T2 ist derzeit nicht geplant.

Personal wechselte während der Pandemie die Branche

Der Flughafenverband ADV verwies auf Personalmangel, der die gesamte Luftfahrtbranche in Deutschland vor Herausforderungen stelle. »Durch Kurzarbeitszeitregelungen an den Flughafenstandorten wegen des mehrmaligen Lockdowns haben viele Beschäftigte das Arbeitsverhältnis gelöst oder stehen durch ausgelaufene Verträge nicht mehr zur Verfügung«, teilte der ADV mit. »Neueinstellungen für Unternehmen mit Kurzarbeit sind zumeist nicht möglich.« Zu angespannt sei die wirtschaftliche Lage der Unternehmen.

Die Gewerkschaft Ver.di macht auch prekäre Arbeitsbedingungen bei den Abfertigern an den Flughäfen für die schlechte Personalausstattung verantwortlich. Laut Ver.di-Luftfahrtexpertin Mira Neumaier haben während der Krise 16 Prozent der Luftverkehrsbeschäftigten die Branche dauerhaft verlassen. Bei den Bodenverkehrsdiensten mit ihren harten und gering bezahlten Jobs sei es sogar fast die Hälfte gewesen.

Die Gewerkschaft verlangt ein Zurückdrehen des aus ihrer Sicht künstlich geschaffenen Wettbewerbs der Abfertiger an den Flughäfen, der zu einem »Rattenrennen« um die niedrigsten Kosten und Löhne geführt habe. »Das System ist kaputt und hat sich als nicht krisenfest erwiesen«, sagte Neumaier. An seine Stelle müsse eine nachhaltige Infrastrukturplanung treten. Die Verhandlungen für einen umfassenden Branchentarifvertrag waren im vergangenen Jahr unter dem Eindruck der Coronakrise abrupt gescheitert.

Eurowings kümmert sich auf Mallorca selbst um die Abfertigung

Auch am größten deutschen Flughafen Frankfurt kam es im Sommer an Hauptreisetagen zu Personalengpässen bei der Flugzeugabfertigung, sodass sämtliche Kurzarbeit in dem Bereich gestoppt und neue Leute gesucht wurden. Trotz rund 150 Neueinstellungen arbeiten in der Abfertigung nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport nur rund 5600 Menschen – 2000 weniger als vor zwei Jahren.

Auch am vergangenen Wochenende habe es mit rund 130.000 Fluggästen pro Tag in Frankfurt einen starken Andrang gegeben, der aber nicht zu überlangen Wartezeiten geführt habe. »Wir hatten alle Hände an Deck«, sagte ein Fraport-Sprecher.

Ein Sprecher der Lufthansa-Tochter Eurowings sagte, in der laufenden Saison seien trotz der im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit geringeren Passagierzahlen immer wieder Probleme an diversen Flughäfen aufgetreten. Mal stockte es an den Sicherheitskontrollen, oder es fehlten Gepäcklader. Am Flughafen Palma de Mallorca habe Eurowings daher die Konsequenzen gezogen und ein eigenes Abfertigungsunternehmen mit rund 250 Beschäftigten gegründet.

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