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Germania wird abgewickelt

dw.com-Logo dw.com 25.03.2019 dw.com

Die Rettung der insolventen Berliner Fluggesellschaft ist gescheitert. 1400 Beschäftigte der Germania erwarten nun ihre Kündigung, nachdem alle ernst zu nehmenden Interessenten abgesprungen sind.

© picture-alliance/dpa/U. Zuchi  

Anfang Februar hatte Germania über Nacht den Betrieb eingestellt, nun ist die endgültige Stilllegung nicht mehr abzuwenden. Der vorläufige Insolvenzverwalter, Rüdiger Wienberg, teilte mit, alle seriösen Bieter seien abgesprungen. "Abgesagt hat nicht nur der verbliebene Interessent für eine Übernahme des Flugbetriebs", hieß es in einer Pressemitteilung. "Auch die beiden Interessenten für Wartung und Technik haben sich aus dem Bieterprozess zurückgezogen."

Kaum Zeit für eine Lösung

Für die Interessenten, aber auch für die Rettung insgesamt, war der enge Zeitrahmen ein zentrales Problem: Insolvenzgeld wird nur bis zum 31. März gezahlt, nach diesem Termin kann Germania den Geschäftsbetrieb aus eigener Kraft nicht mehr aufrecht erhalten. "Weniger als zwei Monate sind für die Investoren sehr wenig, um eine Übernahme zu planen, durchzurechnen, darüber zu entscheiden", sagte Wienberg.

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Die Airline hatte zuletzt noch rund 1400 Mitarbeiter, nachdem rund 250 Beschäftige seit Bekanntwerden der vorläufigen Insolvenz bereits gegangen sind. Konkurrenten auf Wachstumskurs hatten umgehend nach dem vorläufigen Aus um die Mitarbeiter geworben. Das verbleibende Personal muss in den nächsten Tagen mit der Kündigung rechnen.

Boeing-Probleme verschärften Rettung

Die meisten der im weiß-grünen Germania-Design lackierten Flugzeuge gehörten nicht der Airline selbst, sondern waren geleast. Weil Germania die Leasingraten nicht mehr bezahlen konnte und zur Hauptreisezeit im Sommer dringend Kapazitäten benötigt werden, hatten die Leasinggeber kaum Geduld mit der angeschlagenen Airline. Die Rettung war laut Wienberg von Anfang an ein "Kraftakt".

Das weltweite Flugverbot für die Boeing 737 MAX verschärfte die Lage weiter - obwohl Germania selbst keine Maschinen des Typs nutzte: Wegen des Groundings fehlen weltweit weitere 370 Maschinen am Markt, und im Sommer werden die Kapazitäten ohnehin knapp. Auch deshalb können die Leasinggeber die bisherigen Germania-Maschinen anderweitig profitabler vermieten.

Die Baureihe 737 MAX ist die neueste Variante der erfolgreichen Kurzstreckenjets des US-Herstellers Boeing. Allerdings stürzten binnen weniger Monate zwei Maschinen kurz nach dem Start ab, dabei sind insgesamt fast 350 Menschen gestorben. Wegen auffälliger Ähnlichkeiten der beiden Unfälle muss das Modell grundlegend auf mögliche Sicherheitsmängel überprüft werden.

Germania war über 30 Jahre lang vor allem als Charter- und Ferienfluggesellschaft aktiv. Von zuletzt 18 europäischen Flughäfen wurden Ziele in Europa, Nordafrika, dem Nahen und Mittleren Osten angeflogen.

ehl/AR (dpa, rtr, afp, hww)

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