Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Gold ist schlechter als sein Ruf

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 09.07.2020 RP ONLINE

Düsseldorf. Warum immer noch viele Anleger auf der ganzen Welt auf das Edelmetall setzen? Unsere Autorin kann den ungebrochenen Hype nicht verstehen: Gold wird immer teurer und ist nur etwas für Spekulanten.

 Goldbarren in unterschiedlicher Größe liegen bei einem Goldhändler in einem Tresor. Archivfoto. © Sven Hoppe Goldbarren in unterschiedlicher Größe liegen bei einem Goldhändler in einem Tresor. Archivfoto.

Die Faszination ist ungebrochen: Seit Jahrhunderten legen Menschen ihr Vermögen in Gold an, es steht für Reichtum, Beständigkeit, Sicherheit. Am Donnerstag stieg der Preis für eine Feinunze (rund 31 Gramm) erstmals seit neun Jahren wieder über 1800 Dollar. Die Gründe liegen auf der Hand: In der Krise flüchten Anleger in sichere Häfen. Und wie schwer die der Corona-Krise folgende Rezession ist, hat die EU-Kommission gerade prognostiziert: Um fast neun Prozent werde die Wirtschaft in der Eurozone 2020 abstürzen. Hinzu kommt der Mangel an Alternativen in Zeiten von Minizinsen: Weder Staatsanleihen noch Lebensversicherungen werfen nennenswerte Renditen ab. Immer mehr Banken kassieren Negativzinsen.

Und doch ist der Hype um Gold übertrieben. Zum einen wirft das Edelmetall, was viele vergessen, keine Dividende ab. Eigentümer verdienen damit nur, wenn sie es teurer verkaufen als einkaufen. Zum zweiten ist Gold mehr ein Spekulationsobjekt denn ein sicherer Hafen. Der Preis schwankt stark. Wer im August 2011 einstieg, hat gerade neun Jahren mit Buchverlusten hinter sich und nun gerade den Einstandspreis erreicht. Auch das panische Argument, man brauche Gold zum Schutz vor einem Kollaps des Finanzsystems, sticht nicht. Dreimal steckte die Weltwirtschaft zuletzt in einer ernsten Lage: In der Finanzkrise 2008, in der Eurokrise 2012 und nun in der Coronakrise. Und jedes Mal traten Notenbanken und Staaten rechtzeitig an, um das System zu stabilisieren. Seit es die „Bazooka“ gibt, wie die milliardenschweren Programme gerne genannt werden, muss sich keiner mehr Goldbarren in den Kleiderschrank legen - wo diese auch noch leichte Beute für Einbrecher sind. Gold ist nett für Spekulanten, als zentrale Vermögensanlage taugt es – allen Mythen zum Trotz – nicht.

Ihre Meinung? Schreiben Sie der Autorin unter kolumne@rheinische-post.de

Mehr von RP ONLINE

Erster Trödelmarkt in Corona-Krise

Wie die Corona-Krise die Verkehrswende gefährdet

Was dem Buchhandel trotz Corona Hoffnung macht


Video: Coronakrise: Wie tickt die Reiseindustrie eigentlich wirklich derzeit? (Flying Media)

Video wiedergeben
| Anzeige
| Anzeige

RP ONLINE

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon