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Halloumi-Krise: Zypern bangt um seinen Quietschkäse

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 12.01.2019 Frank Nordhausen
Halloumi ist seit Jahrhunderten eine Spezialität Zyperns. © AFP Halloumi ist seit Jahrhunderten eine Spezialität Zyperns.

Er ist viel mehr als Käse, er ist ein Kulturgut. Ob im griechischen Süden oder türkischen Norden – auf dieses Milchprodukt ist jeder Einwohner der geteilten Mittelmeerinsel Zypern stolz. Im Omelett zum Frühstück, gegrillt im Hamburger oder roh mit Wassermelone: Der leckere Halloumi-Käse, auf türkisch Hellim, ist eines der wenigen identitätsstiftenden Elemente der gesamten Insel und das wichtigste Exportprodukt.

Der Mozzarella-ähnliche Käse wurde in Zypern um 400 nach Christus erfunden und ist auch in anderen Mittelmeerländern beliebt. Doch nun hat ein Drama um die Delikatesse den Inselsüden in eine Krise gestürzt.

Ein folgenschwerer Prozess

Erschüttert vernahmen die Zyperngriechen Anfang Dezember ein Londoner Gerichtsurteil, das ihrem Halloumi den Markenschutz in Großbritannien entzog. Das Vereinigte Königreich ist der bei weitem größte Markt für den Quietschkäse, nimmt rund 40 Prozent der zyprischen Spezialität ab. Hauptgrund dafür ist, dass über 300.000 Menschen mit zyprischem Migrationshintergrund im Land ihrer einstigen Kolonialmacht leben, mehr als irgendwo sonst auf der Welt.

Vor Gericht ging es um den Versuch Südzyperns, die Markenrechte des grillbaren Käses in Großbritannien offiziell zu registrieren, ohne allerdings die Rechte der türkischen Zyprioten und anderer Produzenten zu berücksichtigen. Dagegen klagte die exilzypriotische britische Käsefirma John & Pascalis Ltd., die sich den Namen Halloumi nicht nehmen lassen wollte. Die Regierung in Nikosia beschuldigte die Firma als Markenfälscher, verlor aber den Prozess, mit der Folge, dass ab sofort in Großbritannien jeder seinen Käse Halloumi nennen kann, wenn er nur die Produktionsmethode einhält.

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Schludrige Ämter

In Zypern löste das Urteil Panik bei Käseproduzenten aus. „So haben wir unseren Halloumi verloren“, titelte die Zeitung Philelefteros. Eine politische Krise folgte, denn das Fiasko warf ein wenig schmeichelhaftes Schlaglicht auf die inseleigene Verwaltung. Für das Unheil verantwortlich war nämlich vor allem die Schludrigkeit der Ämter, die der Aufforderung des Londoner Gerichts, sich zu äußern, nicht gefolgt waren.

Zwar betrachten viele Inselgriechen ihre Bürokratie ohnehin als inkompetent, faul und korrupt, doch seither geht in den Online-Kommentaren der Zeitungen ein nicht endender Shitstorm nieder auf das „Schneckentempo“ der Beamten.

Demnächst soll die Halloumi-Krise im Parlament diskutiert werden.

Halloumi-Herstellung auf Zypern © AFP Halloumi-Herstellung auf Zypern

Inzwischen haben griechisch-zypriotische Beamte eine Neu-Registrierung des Halloumi in London beantragt – und erzeugen damit neue Spannungen mit der nur von Ankara anerkannten „Türkischen Republik Nordzypern“. Die Inseltürken reklamieren für sich das gleiche Recht auf den Käse, den sie wegen der bestehenden internationalen Blockade aber nur in die Türkei ausführen können. Tatsächlich symbolisiert kaum etwas das Versagen der Politiker beider Seiten besser als das jahrzehntelange Versäumnis, den Traditionskäse als gemeinsame Handelsmarke zum Wohl aller Zyprioten zu schützen.

Nach dem Beitritt zur EU hatte die griechische Republik Zypern zwar Halloumi und Hellim als geschützte Ursprungsbezeichnungen angemeldet. Der Versuch scheiterte aber in sämtlichen Gerichtsverfahren am Streit über die Anteile von Kuhmilch im Käse. Traditionalisten sind sich einig, dass echter Halloumi nur aus Ziegen- und Schafsmilch hergestellt werden darf. Doch die Inselgriechen panschen ihn zunehmend mit importierter griechischer Kuhmilch, nicht nur, weil diese billiger ist, sondern auch, weil es in Südzypern nicht genügend Ziegen und Schafe gibt.

Ein globaler Hit

Während sich die Zyprioten streiten, ist der Käse auf dem besten Weg, ein globaler Hit zu werden. Seit Vegetarier ihn als Alternative zu Grillfleisch entdeckten, hat ein Hype eingesetzt. Das kleine Zypern ist längst nicht mehr in der Lage, den Bedarf zu decken – vor allem, seit die Mittelschicht in China Halloumi in ihr Menü einfügt.

Im letzten Sommer habe es schon erste Engpässe in England gegeben, schrieb der Guardian kürzlich. Ein Hersteller habe mit „Notvorräten“ gegengesteuert, allenthalben seien Nachahmer am Werk. Wenn die Chinesen richtig auf den Geschmack kämen, sei es für Zypern „völlig unmöglich, damit Schritt zu halten“. Ob sie sich darüber freuen oder entsetzt sein sollen, darüber können sich die Zyprioten – wieder mal – nicht einigen. 

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