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Handelskrieg: Unfairer Handel? Der 1,4 Billionen-Überschuss, über den Donald Trump nicht spricht

stern-Logo stern vor 6 Tagen Daniel Bakir
US-Präsident Donald Trump fühlt sich von den Handelspartnern unfair behandelt © AFP/Nicholas Kamm US-Präsident Donald Trump fühlt sich von den Handelspartnern unfair behandelt

Die negative Handelsbilanz der USA dient Donald Trump als Hauptargument für seinen Handelskrieg. Ein Ökonom der Deutschen Bank hat nun eine ganz andere Zahl errechnet, die so gar nicht in Trumps Logik passt.

Es vergeht kaum eine Woche, in der sich Donald Trump nicht darüber beschwert, dass die USA von ihren Handelspartnern über den Tisch gezogen würden. Der US-Präsident ist so besessen von dem Thema, dass sogar viele ökonomische Laien mittlerweile erklären können, was ein Handelsbilanzdefizit ist. Für alle, die nicht im Thema sind: Dabei handelt es sich um den Fakt, dass ein Land mehr Waren und Dienstleistungen importiert als exportiert, was als Zeichen wirtschaftlicher Schwäche gilt.

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Die USA weisen für 2017 ein offizielles Handelsbilanzdefizit von 566 Milliarden Dollar aus. (Unter Vorgänger Barack Obama waren es im Übrigen nur 481 Milliarden Dollar.) Um dieses Minus abzubauen, kündigt Trump Handelsabkommen auf und verhängt Strafzölle. Im Prinzip fußt seine komplette "America First"-Außenhandelspolitik auf diesem als unfair empfundenen Umstand. 

Obwohl die meisten Ökonomen Trumps Handelskrieg als wenig hilfreich erachten (eine Analyse dazu lesen Sie hier), so stimmen sie doch damit überein, dass das Defizit der USA zu hoch ist. Ein hochrangiger Ökonom der Deutschen Bank dagegen erklärt nun die Trump'sche Fokussierung auf die klassische Handelsbilanz für komplett irreführend. Zhang Zhiwei, der für China zuständige Chef-Ökonom des Instituts, hat errechnet, dass die USA statt eines weltweiten Defizits von mehr als 500 Milliarden einen Überschuss von 1,4 Billionen Dollar erzielen.

Alternative Rechnung bringt USA vor China

Auf diese enorme Differenz kommt Zhang, weil er nicht nur Im- und Exporte betrachtet, sondern auch die Umsätze, die US-Unternehmen mit ihren Tochterfirmen direkt im Ausland erzielen und umgekehrt. "US-Firmen haben in den letzten zehn Jahren mehr an den Rest der Welt verkauft als andere Länder an die USA", schreibt Zhang in seiner Studie, über die zuerst Bloomberg berichtete.

Zhang argumentiert, es sei irreführend von einem massiven US-Defizit gegenüber China zu sprechen, obwohl "chinesische Verbraucher mehr iPhones besitzen und mehr General-Motors-Autos kaufen als US-Verbraucher". Denn auch wenn die Verkäufe chinesischen Tochterunternehmen der US-Firmen zugerechnet werden - und damit keine Exporte darstellen -, so profitiere doch auch die US-Wirtschaft davon. Nach Zhangs Berechnung kommen die USA so gegenüber China statt auf ein Defizit von 330 Milliarden auf ein Plus von 20 Milliarden Dollar.

Auch gegenüber den von Trump geschmähten Nachbarn Mexiko und Kanada kommen die USA nach dieser Berechnungsmethode auf einen Überschuss. Deutschland dagegen, ein weiterer Lieblingsfeind Trumps in der Handelspolitik, weist auch in Zhangs Studie ein Plus gegenüber den USA auf.

Nicht alle Ökonomen betrachten Zhangs Berechnungen als hilfreich. So kritisiert etwa der Washingtoner Ökonom Brad Setser gegenüber Bloomberg, Zhang vergleiche Äpfel und Birnen. Er hält die Vermischung der beiden Zahlen - Exporte und Inlandsverkäufe - für nicht zielführend. 

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