Durch Nutzung dieses Diensts und der damit zusammenhängenden Inhalte stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu.
Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Herr Winterkorn, zahlen bitte!

SZ.de-Logo SZ.de 11.01.2017 Kommentar von Klaus Ott
Martin Winterkorn bei der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit im Jahr 2014 (Archivbild). © dpa Martin Winterkorn bei der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit im Jahr 2014 (Archivbild).

Den Autokonzern VW kosten seine Abgas-Betrügereien nun schon 20 Milliarden Dollar. Höchste Zeit, Ex-Vorstandschef Winterkorn auf Schadenersatz zu verklagen.

Recht viel größer kann ein Geständnis kaum ausfallen: Volkswagen muss in den USA voraussichtlich mehr als vier Milliarden Dollar Strafe für jahrelang manipulierte Schadstoff-Messungen bei Diesel-Fahrzeugen zahlen. Außerdem bekommt der Autokonzern für drei Jahre einen Aufpasser verordnet und ist verpflichtet, seine mangelhaften Kontrollsysteme zu verbessern.

Insgesamt 20 Milliarden Dollar an Schadenersatz und Strafen sind für VW jetzt schon fällig; allein in den USA. Und im Rest der Welt ist die Abgas-Affäre noch lange nicht ausgestanden. Doch Volkswagen tut nach wie vor so, als sei einzig und allein eine kleine Gruppe von fehlgeleiteten Ingenieuren schuld an dem Betrug. Als habe der damalige Vorstand um den langjährigen Konzernchef Martin Winterkorn mitnichten versagt, sondern sei selbst eine Art Opfer von kriminellen Technikern gewesen.

Was für eine Chuzpe, was für eine Verhöhnung der eigenen Belegschaft, die mit den finanziellen Folgen der Affäre noch schwer zu kämpfen haben wird.

Was muss eigentlich noch passieren, ehe VW endlich aufhört, Winterkorn in Schutz zu nehmen. Ehe VW von seinem ehemaligen Vorstandschef Schadenersatz verlangt und ihn notfalls verklagt. Ehe der Autokonzern konsequent mit seiner unseligen Vergangenheit bricht. Mit einem System, das auf Angst und Gehorsam beruhte.

Ein System, das auf Angst und Gehorsam beruhte

Für Winterkorn gilt, was im vergangenen Jahrzehnt auch für die damals enthüllten weltweiten Schmiergeldzahlungen bei Siemens und den langjährigen Konzernchef Heinrich von Pierer galt. Führende Aufsichtsräte befanden, Pierer habe in jedem Fall versagt. Entweder, weil er von den Schmierereien gewusst und sie nicht abgestellt habe. Oder weil er nicht gewusst habe, was im eigenen Hause los war.

Die Korruptionsaffäre kostete Siemens mehrere Milliarden Euro. Pierer, ehedem "Mr. Siemens" genannt, musste schließlich fünf Millionen Euro Schadenersatz und 250 000 Euro Bußgeld zahlen, weil er seine Kontrollpflichten vernachlässigt habe.

Von Winterkorn ist keine Einsicht zu erwarten

Was bei Siemens billig war, muss VW recht sein. Winterkorn hat in den für ihn besten Jahren 15 Millionen Euro und mehr kassiert. Wer angeblich so viel wert war, aber keine wirksamen Vorkehrungen gegen Massenbetrug geschaffen hat, der muss zur Rechenschaft gezogen werden. Der muss einen erklecklichen Teil seines Vermögens abgeben.

Von Winterkorn selbst ist keine Einsicht zu erwarten. Er spürt offenbar bis heute nicht, welchen gesellschaftlichen Schaden er mit seiner Unschulds-Arie anrichtet. Was es für das Gerechtigkeitsempfinden in diesem Land bedeutet, wenn einem jahrelang bestbezahlten Manager jegliches Gefühl für Verantwortung abgeht.

Jetzt sind die Großaktionäre bei Volkswagen und deren Aufsichtsräte gefordert. Die Piëchs und Porsches, Niedersachsens Regierung, Betriebsrat und IG Metall, die sich bislang fast alle immer nur weggeduckt haben. Wenn sie jetzt nicht durchgreifen, wann dann?

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von SZ.de

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon