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Hotelbuchungen: So prellen Buchungsportale Hotels und Verbraucher

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 23.01.2019 Heide, Dana
Das Bundeskartellamt sieht in den Bestpreisklauseln eine Einschränkung des Wettbewerbs. © dpa Das Bundeskartellamt sieht in den Bestpreisklauseln eine Einschränkung des Wettbewerbs.

Buchungsportale bestrafen Anbieter, wenn sie Zimmer andernorts günstiger inserieren. Ähnliche Methoden hatte das Kartellamt eigentlich verboten.

Hotelbuchungsportale wie Booking.com und Expedia bestrafen Anbieter von Unterkünften, wenn sie ihre Zimmer auf einer anderen Webseite billiger anbieten. Zu diesem Ergebnis kommt eine bisher unveröffentlichte Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, die dem Handelsblatt vorliegt.

Wenn Anbieter von Unterkünften ihre Zimmer irgendwo anders, zum Beispiel auf ihrer eigenen Homepage, billiger anbieten, werden sie demnach in den Suchergebnissen der Hotelbuchungsportale runtergestuft. Der Effekt könnte ähnlich sein wie bei der sogenannten Bestpreisklausel, die das Bundeskartellamt dem Portalbetreiber Booking.com im Jahr 2015 untersagt hatte, sagen die Wissenschaftler.

„Plattformen können durch die Disziplinierung der Hotels deren Preisgestaltung über Vertriebskanäle hinweg ähnlich einer Preisparitätsklausel beeinflussen“, sagt Reinhold Kesler, einer der Autoren der ZEW-Studie.

Online-Buchungsdienste spielen eine immer größere Rolle bei der Buchung von Hotelzimmern.

Laut einer Erhebung der Hochschule für Wirtschaft und Tourismus in Wallis stieg ihr Anteil auf 29 Prozent an allen Hotelbuchungen im Jahr 2017. Eine Studie der New York University zeigt, dass sich die Nutzer bei der Entscheidung für eine Unterkunft stark auf das Ranking verlassen, ohne dabei selbst eine Gewichtung vorzunehmen. „Die Ranglisten der Buchungsportale sind intransparent“, kritisiert ZEW-Forscher Kesler.

„Der Verbraucher bekommt den Eindruck, dass die Anordnung der Suchergebnisse den typischen Bedürfnissen nach einem günstigen Preis bei hoher Qualität entspricht.“ Für die Studie werteten die Wissenschaftler laut eigenen Angaben Suchergebnisse für 250 Städte weltweit von Booking.com, Expedia sowie der Metasuchseite Kayak im Zeitraum zwischen Juli 2016 und Januar 2017 aus.

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Sie verglichen die Preise derselben Hotelzimmerangebote auf verschiedenen Onlinekanälen von mehr als 18.000 Hotels. Laut der Analyse ist jedes vierte Angebot bei einem Hotelbuchungsportal auf der hoteleigenen Webseite günstiger.

Kritik vom Kartellamt

Im Dezember hatte das Bundeskartellamt scharfe Kritik an den Methoden der Vergleichsportale geübt. „Unsere Untersuchung offenbart auch eine Anzahl von möglichen Rechtsverstößen“, sagte Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt bei der Vorstellung der vorläufigen Ergebnisse einer sogenannten Sektoruntersuchung zu Internetvergleichsportalen, worunter auch Portale zur Buchung von Unterkünften gehörten.

Das Bundeskartellamt kritisierte darin auch, dass es oft an einer Aufklärung der Verbraucher darüber fehle, wie die Reihenfolge der Such‧ergebnisse und die Empfehlungen der Vergleichsportale im Einzelnen zustande kommen.

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