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Immobilienkrise am Golf: Der Erbauer des höchsten Gebäudes der Welt rutscht in die Pleite

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 01.10.2020 Brüggmann, Mathias
Dunkle Wolken haben sich über den Immobilien- und Bau-Sektor am Persischen Golf gelegt. Nun gibt es erste Pleiten. © AP Dunkle Wolken haben sich über den Immobilien- und Bau-Sektor am Persischen Golf gelegt. Nun gibt es erste Pleiten.

Wegen der Immobilienkrise und der Verschiebung der Expo 2020 in Dubai bangen Baukonzerne um ihre Existenz. Nun werden die ersten Konsequenzen sichtbar.

Die Aktionäre des börsennotierten Baukonzerns Arabtec haben die Auflösung eines der größten Baukonzerne am Persischen Golf beschlossen. Arabtec wurde außerhalb der Region bekannt durch den Bau des höchsten Gebäudes der Welt, des 828 Meter hohen Burj Khalifa in Dubai, sowie des futuristischen Louvre-Ablegers in Abu Dhabi. Arabtec gilt als das jüngste Opfer der Coronakrise am Golf.

Denn die Pandemie hat die schon vorher begonnene Immobilienkrise in den Golfstaaten deutlich verschärft. So gibt es laut Analysten ein deutliches Überangebot an Wohnungen, Häusern, Geschäften und Hotels. Vor allem in Dubai herrscht nach der Verschiebung der Weltausstellung Expo 2020 um ein Jahr Ebbe. Auch andere Staaten wie Abu Dhabi und Saudi-Arabien sind durch die stark gefallenen Ölpreise in eine prekäre Kassenlage gefallen und haben zahlreiche Immobilien-Großprojekte gestoppt.

„In den letzten Jahren hat sich die begrenzte Liquidität im Bausektor auf den Fortschritt der Projekte von Arabtec ausgewirkt, und dies wurde durch die Auswirkungen von Covid-19 noch verschärft“, erklärte der Chairman des 1995 gegründeten größten Baukonzerns der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Waleed Al Muhairi. Trotz „aller Bemühungen“ um Umstrukturierung der Verbindlichkeiten und des Unternehmens selbst sei „die Situation, in der sich Arabtec heute befindet, unhaltbar“.

Das in Abu Dhabi ansässige und seit 2005 an der Börse Dubai gelistete Unternehmen hat Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe: Allein im ersten Halbjahr waren Verluste von umgerechnet 226 Millionen Euro aufgelaufen. Die Gesamtschulden belaufen sich bei Banken, Auftraggebern und Kunden auf 2,4 Milliarden Euro.

Der Vorstand von Arabtec habe nun maximal zwei Monate Zeit, „um Gespräche mit den Hauptbeteiligten zu ermöglichen, bevor ein Liquidationsantrag bei den zuständigen Gerichten eingereicht werden kann“, hieß es in einer per E-Mail versandten Erklärung der Firma. An Arabtec ist auch der Staatsfonds Mubadala des Emirats Abu Dhabi beteiligt. Bei einer Liquidation stehen 40.000 Jobs auf dem Spiel.

Golfstaaten in der Pandemie härter getroffen

Die Corona-Pandemie hat die meisten Golfstaaten gemessen an der Bevölkerungszahl deutlich härter getroffen als andere Länder. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Millionen Gastarbeiter eng in Arbeiterwohnheimen zusammenleben. Besonders auf dem Bau werden Arbeiter zusammengepfercht in Bussen transportiert und müssen in Mehrbettzimmern mit Etagenbetten schlafen, oft in Schichten. Vor Monaten bereits waren indische, pakistanische, nepalesische Gastarbeiter zu Zehntausenden aus den reichen Golfanrainern in ihre Heimatstaaten zurückgekehrt.

Arabtec ist nicht der einzige Baukonzern, der in einer tiefen Krise steckt: Die Saudi Bin Laden Group, Saudi-Arabiens größter Baukonzern, wird nach Milliardenverlusten nur noch durch Staatshilfen am Leben gehalten und umstrukturiert. Bekannt wurde das Unternehmen vor allem wegen des Namens eines Sprosses der Familie: Osama Bin Laden, des Drahtziehers der Flugzeugangriffe auf das World Trade Center in New York und das Pentagon am 11. September 2001.

Im Januar zog sich die australische CIMIC-Gruppe nach einer Milliardenabschreibung auf ihre 45-prozentige Beteiligung an BIC Contracting aus dem Mittleren Osten zurück.

Mehr: Das Glitzerparadies Dubai steht vor dem Ruin.

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