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Insolvenzverfahren: Diese Kandidaten haben die besten Chancen, Air Berlin zu übernehmen

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 14.09.2017 ksta
14965C00797595F5: Air Berlin © dpa Air Berlin

Investoren stehen Schlange, um bei der insolventen Air Berlin zum Zuge zu kommen. Außenseiter rechnen sich Chancen aus, weil Wettbewerbshüter vor einer Übernahme durch den Favoriten Lufthansa warnen. Wir erläutern, wer die besten Chancen hat. Am Freitag um 14 Uhr endet die Frist für die Übernahme-Offerten.

Wer zählt neben der Lufthansa zu den aussichtsreichen Bietern?

Der Ex-Autorennfahrer Niki Lauda hat gemeinsam mit dem Ferienflieger Condor, der zum Thomas-Cook-Reise-Konzern gehört, ein Angebot über 100 Millionen Euro eingereicht - für 38 Maschinen von Air Berlin.

Die Flugzeuge sollen ausschließlich für die Beförderung von Touristen eingesetzt werden. Lauda hatte einst die Air Berlin-Tochter Niki gegründet und später an Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft verkauft.

Wie seriös ist dieses Angebot?

Experten vermuten, dass es um eine seriös kalkulierte Offerte handelt, zumal mit Thomas Cook ein finanziell potenter Konzern im Hintergrund steht, der seine Flotte passgenau erweitern könnte.

Welche weiteren erfolgversprechenden Angebote liegen vor?

Vieles spricht dafür, dass auch der Billigflieger Easyjet zum Zuge kommen könnte. Das würde zu den Expansionsplänen des britischen Unternehmens passen, das seine Standorte in Deutschland stärken will. Im Fokus dürfte dabei Berlin stehen. Zudem verfügt Air Berlin über eine große Flotte mit Maschinen aus der A320-Familie von Airbus – Easyjet fliegt ausschließlich mit diesen Jets.

Welche Rolle spielt die Lufthansa?

Die Lufthansa hält die wichtigsten Karten in der Hand. Konzernchef Carsten Spohr ist vor allem daran interessiert, weitere Air Berlin-Maschinen in seine Billigtochter Eurowings zu integrieren. Er will damit die Position seines Konzerns gegenüber Ryanair, Marktführer in Europa, stärken.

Wo liegen die Hürden für die Lufthansa?

Im Kartellrecht. Eine ganze Reihe von Experten hat vor einer Übernahme durch die Lufthansa gewarnt, da deren marktbeherrschende Position noch ausgebaut würde. Der renommierte Kartellrechtler Daniel Zimmer sagte kürzlich im Interview mit dieser Zeitung: Die Übernahme durch die Lufthansa könne nicht im Sinne des Wettbewerbs und der Kunden sein: „Wenn die größten nationalen Fluggesellschaften fusionieren, werden die Ticketpreise steigen.“

Auf diese Konstellation müssen die Verantwortlichen bei Air Berlin, aber auch die Lufthansa Rücksicht nehmen. Denn nach einem Zuschlag für einen oder mehrere Bieter wird es eine umfangreiche Überprüfung durch die EU-Kommission geben.

Wie könnte ein Kompromiss aussehen?

Eine Dreiteilung wird in der Branche als Lösung gehandelt, mit der sich auch die EU-Kommission zufrieden geben könnte. Dabei würde Lauda/Condor eine maßgebliche Rolle spielen. Der Ferienflieger könnte vor allem am Düsseldorfer Flughafen zum Zuge kommen, um Bedenken der Kartellwächter zu entkräften.

Denn der NRW-Airport war als einer der Standorte genannt worden, wo die Lufthansa bei einer Komplettübernahme ihre marktbeherrschende Position erheblich ausbauen würde. Hinzu käme Easyjet vor allem mit dem Standort Berlin.

Spohr kann mit dieser Lösung leben.Denn zumindest erreicht er damit, dass die aggressiv expandierende Ryanair in Schach gehalten wird, die gerade angekündigt hat, ihren Flugbetrieb von Frankfurt aus massiv zu erweitern – das ist der Heimatflughafen der Lufthansa. 

Wie könnte ein Übergang organisiert werden?

Vorbild dürfte der sogenannte Wet-Lease-Deal werden: Lufthansa hat bereits 38 Maschinen der 144 Maschinen von Air Berlin langfristig gemietet. Sie wurden inzwischen fast alle umlackiert. Die Crews wurden übernommen.

Sie werden bei einer LH-Übernahme neue Eurowings-Arbeitsverträge bekommen. Die Pilotengewerkschaft VC Cockpit davon aus, dass Flugzeugführern beim Übergang zu Eurowings das allerdings üppige Gehalt um bis zu 30 Prozent gekürzt werden könnte. Auch für Kabinen-Crews sind Einbußen bei der Bezahlung wahrscheinlich.

Spohr hat immer wieder betont, dass es bei einer Übernahme von Air Berlin eine massive Kostensenkung geben müsse. Mit der Übernahme von Crews und Jets werden auch teils sehr wertvolle Start- und Landerechte an wichtigen Flughäfen weitergereicht. Die Lufthansa ist an bis zu 50 Prozent des Air Berlin-Geschäfts interessiert.

Wie stehen die Chancen der Außenseiter?

Da ist vieles unklar. Der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl hat eine Offerte über 500 Millionen Euro vorgelegt. Er will Air Berlin als Ganzes erhalten. Allerdings gibt es in der Branche massive Zweifel an der Seriosität des Angebots.

Wöhrl hat zwar Erfahrung im Luftfahrtgeschäft. Aber er will zunächst mit Hilfe nicht genannter Investoren nur 50 Millionen Euro überweisen. Weitere Zahlungen sollen vom Erfolg einer Radikalsanierung abhängig sein, die schwer umzusetzen ist. Wöhrl spekuliert offenbar damit, dass bei einem Zuschlag für ihn die kartellrechtlichen Probleme aus dem Weg geschafft würden.

Außerdem sind die 500 Millionen ein extrem attraktives Angebot, sie liegen deutlich über dem realistischen Wert von Air Berlin, den Banken-Analysten mit rund 200 Millionen taxieren. Es kursiert die Vermutung, dass Wöhrl es vor allem darum geht, Air Berlin früher oder später mit Gewinn weiterzuverkaufen.

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