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Jahresbericht der Welthungerhilfe: Schlechte Politik statt Dürre – die tatsächlichen Gründe von Hungersnot

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 11.10.2018 Riedel, Donata
Vor allem die junge Bevölkerung leidet unter der Mangelernährung. © AP Vor allem die junge Bevölkerung leidet unter der Mangelernährung.

In mehr als 50 Ländern auf der Welt hat die Bevölkerung nicht genug Nahrung. Dürre und Überschwemmungen können den Hunger verschlimmern, doch verantwortlich ist die Politik.

Naturkatastrophen wie Dürren und Überschwemmungen halten viele Regierungen reicher Länder noch immer für eine Hauptursache, wenn Menschen Hunger leiden. Diese Annahme ist falsch. Fast immer herrscht Hunger dort, wo Krieg oder Bürgerkrieg herrschen, oder die Regierungen ihr Land ausbeuten; manchmal auch, wenn sie einfach nicht auf Naturkatastrophen reagieren. Nicht die Natur, sondern die Politik ist verantwortlich für Hunger.

Das beste Mittel gegen den Hunger sind deshalb Konfliktlösung und Friedensstiftung, betont die Deutsche Welthungerhilfe in ihrem neuen Jahresbericht, den Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Organisation, an diesem Donnerstag vorstellt. Die frühere Bonner Oberbürgermeisterin ist überzeugt, dass der Kampf gegen den Hunger nur Erfolg haben wird, wenn Politiker der reichen Länder zum einen die Ursachen richtig erkennen. Zum anderen sollten sie bereit sein, in jenen Regionen, in die Hungernde fliehen, langfristig Hilfe zu leisten.

Ein Problem ist demnach, dass die internationale Helfergemeinschaft in akuten Krisen zwar schnell humanitäre Hilfe leistet; sich dann aber zurückzieht, weil sie glaubt, dass die Menschen schnell in ihre Heimat zurückkehren können. Dies sei aber oft unrealistisch, heißt es in dem Bericht. Viele Vertriebene blieben zu lange in Flüchtlingslagern, ohne Perspektive und Arbeit. Es wäre daher besser, sie möglichst schnell bei der Integration in die Aufnahme-Gemeinden zu unterstützen.

Meist fliehen von Hunger vertriebene Menschen in Nachbarregionen: Dort sollten sie versorgt werden und Hilfe dabei bekommen, eine lokale Versorgung aufzubauen, heißt es in dem Bericht.

Die Welthungerhilfe beklagt, dass noch immer Menschen in 52 Staaten großen Hunger leiden. Seit dem Jahr 2000 wurden zwar Fortschritte im Kampf gegen den Hunger erzielt, doch zu langsam: Wenn die Erfolge in diesem Kampf im gleichen Tempo wie bisher weitergehen, dann werden die Vereinten Nationen ihr Ziel nicht erreichen, bis 2030 den Hunger weltweit zu besiegen.

Die Welthungerhilfe misst Hunger in drei Kategorien: unzureichende Kalorienaufnahme, Unterernährung bei Kindern und Kindersterblichkeit. Die Daten stammen von Uno-Organisationen, der Weltbank und anderen Entwicklungsorganisationen.

Entwicklungs- und Schwellenländer werden nach diesen Kriterien in einen Hunger-Index eingeordnet, dessen Werte von gravierend, über sehr ernst, ernst und mäßig bis niedrig reichen. Im grünen Bereich „niedrig“ finden sich lateinamerikanische und asiatische Schwellenländer wie China wieder.

Große Hunger-Probleme gibt es nach dem Welthunger-Index vor allem in Afrika, aber auch in asiatischen Ländern wie Afghanistan, Indien, Bangladesch und Indonesien. In der schlechtesten Kategorie „gravierend“ findet sich allein die Zentralafrikanische Republik.

„Sehr ernst“ ist die Lage allerdings auch im Jemen, auf Madagaskar, in Sambia, Sierra Leone und Haiti. In diese Kategorie fallen zudem sieben weitere Länder, für die wegen Kriegen und Bürgerkriegen exakte Daten fehlen: Burundi, der Kongo, Eritrea, Libyen, Somalia, Südsudan und Syrien.

In Afrika schaffen es nur Algerien und Tunesien in den grünen Bereich des Hungerwertes „niedrig“. Relativ wenig Hunger in der Kategorie „mäßig“ erreichen auf dem Kontinent Marokko, Senegal, Gambia, Ghana, Gabun, Ruanda und Südafrika. Alle übrigen Länder kämpfen mit unzureichender Ernährung, vor allem bei Kindern.

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