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Job: Home-Office unter Palmen

SZ.de-Logo SZ.de 21.11.2020 Von Jochen Temsch
Arbeiten, wo andere Urlaub machen? So stellen sich das manche Hotelbetreiber vor. © Floco Images via www.imago-images.de/imago images/Westend61 Arbeiten, wo andere Urlaub machen? So stellen sich das manche Hotelbetreiber vor.

Ergonomische Stühle, Vollverpflegung, Kinderbetreuung: Immer mehr Hotels rüsten um für Heimarbeiter, die es in die Ferne zieht. Arbeitsrechtler sind von der Idee nicht ganz so begeistert.

Home-Office unter Palmen

Videokonferenz auf der Sonnenliege. Meerblick übern Monitor. Das Wlan ist stabil, der Zimmerservice freundlich. Wer kann, soll während der Corona-Pandemie lieber nicht ins Unternehmen kommen, sondern seine Aufgaben in privater Abgeschiedenheit verrichten. Es muss ja nicht unbedingt im Herbstnebel sein. Die Vorstellung ist verlockend, das Home-Office stattdessen in ein Hotel unter Palmen zu verlegen. Entsprechende Angebote häufen sich derzeit.

Zum Beispiel der Robinson-Club Jandia Playa auf der kanarischen Insel Fuerteventura, für die es aktuell keine Reisewarnung gibt: ergonomische Stühle, Monitore und Drucker, Vollverpflegung und Kinderbetreuung - ab 91 Euro pro Person und Nacht, deutlich weniger als die sonst üblichen Konditionen. Oder die ebenfalls bereisbare Karibik: Barbados, Bermuda und Anguilla buhlen um Arbeitstouristen. Für das Visum verlangen sie 2000 Dollar pro Person, einen negativen Covid-19-Test und Quarantäne. Mauritius wirbt mit Golfplätzen und leistungsfähigem Unterwasser-Glasfasernetz für eine Einreiseerlaubnis zum Nulltarif. Auf den Malediven kostet ein Arbeitsarrangement im Luxusresort 52 000 US-Dollar für zwei Personen und 21 Nächte.

Geschäftsreisende, die lange bleiben, sollen die fehlenden Touristen zumindest zum Teil ersetzen. Plattformen wie workation.de, sunny-office.com oder thesurfoffice.com helfen Kunden, Arbeitsplätze zu finden, wo andere Ferien machen. Das muss nicht zwangsläufig an einem exotischen Ort sein. Auch das Allgäu wirbt aktuell mit "Remote-Arbeitsplätzen".

Doch so ein Arbeitsplatz an der Sonne hat auch seine Schattenseiten

"Workation" lautet das englische Kofferwort, das die Gegensätze vereint: Arbeit ( work) und Urlaub ( vacation). Die Vermischung an sich ist kein neues Phänomen. Seit so gut wie jeder ein Taschenbüro, sprich Smartphone mit sich herumträgt, schaltet selbst beim Sightseeing oder am Strand kaum mehr jemand richtig ab. Die Trennlinien zwischen Berufs- und Privatleben verwischen - eine Entwicklung, die die Corona-Pandemie verstärkt. Das Privileg ortsungebundenen Arbeitens war einst Freiberuflern vorbehalten. Es ist egal, wo sie ihren Laptop aufklappen. Unter Corona-Bedingungen ähneln nun auch Festangestellte sesshaft gewordenen digitalen Nomaden.

Doch so ein Arbeitsplatz an der Sonne hat auch seine Schattenseiten. Ohne Erlaubnis des Chefs geht nichts - und ob der riskiert, dass ein Mitarbeiter im Ausland erkrankt oder festsitzt, ist fraglich. Arbeitsrechtler warnen: Wer bewusst in ein Risikogebiet reist, gefährdet die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Unproblematischer ist eine kleine Flucht in ein Hotel in der eigenen Stadt, wenn einem zu Hause die Decke auf den Kopf fällt.

Die Hotels in Deutschland dürfen momentan keine Touristen, nur Geschäftsreisende beherbergen. Die Plattform homeoffice-im-hotel.de listet 620 Häuser, die Office-Räume zu einem Bruchteil der sonst üblichen Tagesraten anbieten. Doch damit lassen sich die massiven Verluste der Branche nicht auffangen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband spricht von einem Nischenmarkt. Jeder sechste Betrieb stehe kurz vor der Pleite.

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