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Job-Studie: "Erstmal zwei Wochen Kaffee kochen": Was Angestellte zum Start im neuen Job erleben

stern-Logo stern 16.05.2018 Daniel Bakir
Zum Start im neuen Job fühlen sich viele Mitarbeiter allein gelassen © Getty Images/Mlenny Zum Start im neuen Job fühlen sich viele Mitarbeiter allein gelassen

Kaum da, schon wieder weg: Eine Studie zeigt, wie viele Arbeitnehmer den neuen Job schon in den ersten 100 Tagen wieder hinschmeißen - und was Arbeitgeber besser machen müssen, um die Neulinge nicht zu vergraulen.

In Zeiten des Fachkräftemangels unternehmen Firmen beachtliche Anstrengungen, um geeignetes Personal zu finden. Doch bei der Frage, wie man neuen Mitarbeitern einen guten Start in den Job ermöglicht, haben manche Arbeitgeber offenbar noch Nachholbedarf. Denn: Kaum im neuen Job möchten viele Arbeitnehmer diesen am liebsten schon wieder hinschmeißen. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Firma "softgarden e-recruiting", die 2761 Arbeitnehmer zu ihren Erfahrungen in den ersten Tagen am neuen Arbeitsplatz befragte.

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Mehr als jeder Vierte hat demnach schon einmal während der ersten 100 Tage im neuen Job gekündigt oder dies zumindest ernsthaft erwogen. Tatsächlich direkt wieder gekündigt haben 11,6 Prozent der Befragten. Weitere 15,7 Prozent gaben an, kurz davor gestanden zu haben, diesen Schritt zu gehen. 

Einarbeitung? Welche Einarbeitung?

Die Gründe, den neuen Job so schnell wieder hinzuschmeißen, sind vielfältig. Manche Befragte nennen ein besseres Jobangebot oder einen Umzug, häufiger aber ist es die Unzufriedenheit mit der neuen Arbeitsstelle. Besonders häufig nennen die Abbrecher "schlechte Einarbeitung", das "Verhalten der Vorgesetzten" und  "falsche Versprechungen" oder "falsche Angaben" des Unternehmens zum Job.

Insbesondere bei der Einarbeitung hapert es häufig, wie einige Kommentare aus der Umfrage zeigen.

  • "Meistens wird gesagt, dass man eine Einarbeitung erhält, doch Zeit dafür und oder Lust dazu hat in der Regel niemand."
  •  "Man sitzt vor dem PC und kann selber noch nichts machen, weil die Personen, die einen einarbeiten sollen, keine Zeit haben oder die Zugänge noch nicht freigeschaltet sind"
  •  "Man sitzt die ersten drei Tage ohne große Aufgabe rum, die Kollegen sind beschäftigt und niemand wurde für die Einarbeitung ‚abgestellt'. Man wartet zudem auf die IT, dass der E-Mail-Account und das Telefon eingerichtet werden"

Jeder Dritte mit enttäuschten Erwartungen

Aber auch ein allgemeiner Realitätsschock ist ein verbreitetes Problem und zwar nicht nur bei denen, die gleich wieder die Flinte ins Korn werfen. Von allen Befragten sagt mehr als jeder Dritte über die ersten 100 Tage in seinem aktuellen Job, dieser habe nicht den Erwartungen entsprochen, die in der Stellenanzeige und im Bewerbungsgespräch geweckt worden seien. Die Erwartungen seien höher als die Realität gewesen. Umgekehrt sagte nur jeder Zehnte, die Erwartungen seien positiv übertroffen worden.

Gefragt nach den Faktoren, die am ehesten zur Kündigung führen könnten, nennen die Befragten an erster Stelle die Arbeitsatmosphäre und das Verhalten der Vorgesetzten. Auch hier liegt laut Umfrage bei manchen Unternehmen einiges im Argen, wie die Antworten einiger Umfrage-Teilnehmer nahelegen.

Verwirrt, ignoriert, allein gelassen

  • "Katastrophe, Verwirrung pur, niemand weiß etwas mit einem anzufangen, Skepsis von Arbeitgeber und Kollegen und eine eher niedrige Hilfsbereitschaft."
  •  "Schlechte Kommunikation bzw. fehlender Respekt von Anfang an. Gerade wenn man jünger ist als die Mitarbeiter, die schon länger dort sind, wird man nicht ernst genommen."
  • "Leider kommt es häufig vor, dass aufgrund des Tagesgeschäftes viele Führungskräfte vergessen, den Kontakt und Gedankenaustausch mit den neuen Mitarbeitern zu suchen. Dies gäbe den 'Neuen' die Sicherheit, dass sie dem 'Boss' wichtig sind und ihr Einsatz wertgeschätzt wird."

Und manchmal wird ein neuer Mitarbeiter auch einfach komplett allein gelassen. Einen besonders krassen Fall schildert dieser Betroffene:

  • "Niemand wusste Bescheid. Ich meldete mich pünktlich zum 1. Arbeitstag bei der Dame an der Rezeption, aber diese wusste nichts von mir. Ich landete schließlich nach einer Stunde und vielen Telefonaten an meinem Arbeitsplatz, aber auch die Kollegen wussten nicht, dass ich ihr neuer Kollege bin. Der Einzige, der scheinbar von mir wusste, war der Geschäftsführer persönlich, aber der hatte es leider versäumt, dies in der Firma bekannt zu machen. Leider war der Geschäftsführer die nächsten zwei Wochen auf Dienstreise, sodass ich erst einmal zwei Wochen lang acht Stunden täglich Prospekte studieren und Kaffee kochen durfte, bis neue Anweisungen kamen."

Die Autoren der Studie empfehlen Arbeitgebern, die Einarbeitung von neuen Mitarbeitern ernster zu nehmen - zum Beispiel mit einem konkreten Einarbeitungsplan, erfahrenen Kollegen als Paten und der Möglichkeit, regelmäßig Feedback zu geben. Und: Schon in Stellenanzeigen und im Bewerbungsgespräch einen realistischeren Ausblick geben, was im Job auf den Bewerber zukommt. 

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