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JPMorgan-Experte: Aktien-Rally könnte sich fortsetzen - selbst wenn die Unternehmensbewertungen zurückgehen

Finanzen.net-Logo Finanzen.net 12.08.2022

Das Marktumfeld gestaltet sich aufgrund verschiedener Faktoren weiterhin schwierig. Das lässt sich auch an der Entwicklung an den Aktienmärkten ablesen - seit Jahresbeginn ist die Bilanz der wichtigsten Indizes tiefrot. Dennoch sind die Experten von JPMorgan optimistisch gestimmt. Ihrer Meinung nach könne es in den kommenden Monaten aufwärts gehen, auch wenn die Unternehmensbewertungen auf etwas anderes hindeuten.

PHILIPPE HUGUEN/AFP/Getty Images © Bereitgestellt von Finanzen.net PHILIPPE HUGUEN/AFP/Getty Images

• Aktien-Indizes seit Jahresbeginn mit negativer Bilanz

• JPMorgan gibt Entwarnung

• Rückgang bei KGVs auf "Multiple Compression" zurückzuführen

Unterschiedlichste Faktoren wie eine hohe Inflation, steigende Energiepreise, höhere Leitzinsen, Lieferengpässe sowie der Ukraine-Krieg haben an den Börsen ihre Spuren hinterlassen. So mussten die größten US-Indizes seit Beginn dieses Jahres bereits kräftig Federn lassen. Lediglich in den letzten Wochen scheint sich die Stimmung wieder etwas verbessert zu haben und es zeichnet sich eine vorsichtige Erholung ab. Nichtsdestotrotz bleiben Anleger vorsichtig. Niemand möchte von einem weiteren Pullback auf dem falschen Fuß erwischt werden.

Zuversichtlicher zeigt sich hingegen die US-Investmentbank JPMorgan. Ihrer Meinung nach wird die Lage am Aktienmarkt von Anlegern zu negativ eingeschätzt, selbst eine leichte Rezession, die von Wirtschaftsexperten noch gar nicht ausgerufen wurde, sei mittlerweile bereits eingepreist. Der Rückgang der Aktienbewertungen sei mittlerweile größer als zu Zeiten tatsächlicher Rezessionen in den letzten 30 Jahren, schreibt JPMorgan-Analyst Marko Kolanovic in einem Bericht, der MarketWatch vorliegt. Dementsprechend würden Anleger ein zu düsteres Bild malen, selbst wenn die US-Wirtschaft tatsächlich weiter schwächeln sollte.


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Woran macht Kolanovic diese Einschätzung fest?

Um zu dieser Einschätzung zu kommen, hat sich der Experte das zu erwartende Kurs-Gewinn-Verhältnis in den nächsten zwölf Monaten von S&P 500-Aktien angeschaut. Dieses sei seit Jahresbeginn bereits stärker zurückgegangen, als während verschiedener Rezessionen seit Beginn der 90er Jahre. Seiner Einschätzung nach liegt das jedoch nicht unbedingt an schwachen Unternehmensergebnissen, sondern eher an einem Effekt, der sich Multiple Compression nennt. Zu diesem Phänomen kommt er zum einen, wenn die Gewinne eines Unternehmens zwar zunehmen, der Aktienkurs daraufhin jedoch nicht zulegt, sondern stattdessen nicht reagiert oder auch wenn das Unternehmensergebnis stagniert, der Aktienkurs jedoch fällt. Hierbei kommt es also zum einem Rückgang beim KGV, die Wachstumsaussichten des Unternehmens werden vermehrt in Frage gestellt.

Rückgang der KGVs - trotz besser als erwarteten Ergebnissen

So sind die Aktien des S&P 500 seit Jahresbeginn stark unter Druck gekommen, obwohl 73 Prozent der Unternehmen des Index im zweiten Quartal 2022 bisher über den Analystenschätzungen abgeschnitten hätten (Berechnungstag war der 30. Juli 2022). Für das dritte Jahresviertel hätten zahlreiche Analysten außerdem bereits ihre Erwartungen eingekürzt. Trotzdem ist Kolanovic nicht besorgt. Seiner Einschätzung nach, sei der S&P 500 vor den Auswirkungen einer Rezession weitgehend gefeit, da der Index sich in den letzten 20 Jahren vermehrt auf qualitativ hochwertige Unternehmen fokussiert habe, die auch gegenüber Krisen widerstandsfähiger seien. So folgert der JPMorgan-Analyst: "Auch wenn das aktuelle Aktienvielfache [des S&P 500, Anmerk. d. Red.] von 16,9x dem historischen Median entspricht, glauben wir, dass das Marktvielfache angesichts der Verschiebung des Branchenmixes hin zu höherwertigen Unternehmen in den letzten zwei Jahrzehnten besser als nur fair bewertet ist."

Notenbanken und Ukraine-Krieg belasten

Statt der Unternehmensergebnisse sind laut JPMorgan zwei Ursachen für den Rückgang des Kurs-Gewinn-Verhältnisses verantwortlich - die US-Notenbank Fed sowie der Ukraine-Krieg. Die Fed kämpft gegen die hohe Inflation, die im Juli in den USA auf über neun Prozent stieg. Um dieser entgegenzuwirken, haben die Währungshüter in diesem Jahr bereits mehrmals den Leitzins drastisch erhöht. Dies belastet insbesondere risikoreiche Assets, da es teuer wird, sich Geld zu leihen. Auf der anderen Seite hat der von russischer Seite begonnene Ukraine-Krieg zu internationalen Lieferengpässen bei Energie und Lebensmitteln geführt, was die ohnehin schon hohe Inflation weiter befeuert.

Die US-Investmentbank sieht dennoch Entspannung voraus und spricht in dem Bericht, den auch Forbes zitiert, von einem "Zurücksetzen der Investorenerwartungen". So wird mittlerweile von weniger starken künftigen Zinserhöhungen ausgegangen, da gehofft wird, die Inflation hätte mittlerweile ihren Höhepunkt erreicht. Laut einer internen Umfrage JPMorgans würden 58 Prozent der institutionellen Anleger planen, ihr Exposure gegenüber Aktien wieder auszubauen. Redaktion finanzen.net

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