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Kooperation oder Investment: Qatar Airways findet Gefallen an Lufthansa

Handelsblatt-Logo Handelsblatt vor 3 Tagen Koenen, Jens Murphy, Martin
Der Chef der katarischen Gesellschaft strebt eine Allianz mit der Lufthansa an. © Reuters Der Chef der katarischen Gesellschaft strebt eine Allianz mit der Lufthansa an.

Einst hatte Akbar Al Baker nur Spott und Hohn für Europas größte Airline übrig. Nun kann sich der Chef von Qatar Airways eine Kooperation vorstellen.

Akbar Al Baker ist ein Mann klarer Worte. Weil er sich von einigen Mitgliedern der Luftfahrtallianz Oneworld nicht ausreichend ernst genommen fühlt, will er die von ihm geführte Airline Qatar Airways aus dem Bündnis herauslösen. Auch gegen die Lufthansa hat er in der Vergangenheit schon geächzt. Diese biete wie andere Fluggesellschaften aus Europa ihren Gästen eine „minderwertige Qualität“, betonte er immer wieder.

Doch das ist nun offensichtlich Vergangenheit. Denn der Wind in der Branche hat sich grundlegend gedreht: Der Chef der katarischen Gesellschaft strebt nun eine Allianz mit der Lufthansa an, die über eine einfache Kooperation hinaus gehen könnte. „Wenn es eine Möglichkeit gibt, in Lufthansa zu investieren, dann würden wir das gerne machen“, sagte Al Baker vor Journalisten in Doha. Qatar Airways habe dies bereit bei anderen Airlines weltweit getan.

Die Mitgliedschaft von Qatar bei Oneworld wäre ein ein Hemmnis für solche Pläne, räumt Al Baker ein. Die Lufthansa ist nämlich eine der führenden Airlines der Konkurrenzvereinigung Star Alliance. Doch dieses Problem könnte sich bald lösen. „Wir haben wiederholt gesagt, dass wir Oneworld verlassen werden“, sagte der Vorstandschef.

Innerhalb der Lufthansa ist das Interesse der Golfairline laut Konzernkreisen bekannt. „Interessant ist, dass Al Baker eine Bereitschaft für eine Beteiligung auch öffentlich erklärt hat“, sagt eine mit den Vorgängen vertraute Person dem Handelsblatt. Handlungsbedarf bestehe nicht, da die Lufthansa finanziell gut aufgestellt sei.

Ohnehin ist ein Einstieg bei der „Hansa“ so ohne weiteres nicht machbar. Denn bei Europas größter Fluggesellschaft muss die Mehrheit der Aktien in europäischen Händen liegen, sonst sind die zugeteilten Verkehrsrechte gefährdet. Offiziellen Daten des Konzerns zur Folge stammten Ende September knapp 20 Prozent der Aktionäre aus nicht EU-Ländern. 

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Anteil kann weiter ausgebaut werden

Dabei ist Großbritannien, das demnächst wohl aus der EU aussteigen wird, bereits eingerechnet. Einem Zukauf von Aktien in größerem Volumen am freien Markt sind also Grenzen gesetzt. Außerdem sind die Lufthansa-Papiere vinkulierte Namensaktien. Die Besitzer müssen sich also zu erkennen geben.

Al Baker ist bekannt für sein Selbstbewusstsein und seine zuweilen provokanten Aussagen. Nur zu gerne mischt er die Branche mit steilen Aussagen auf. Andererseits hat der Qatar-Chef das Netz bei der Airline über Beteiligungen sukzessive ausgebaut und expandiert stark.

So stieg die Fluggesellschaft Anfang des Jahres bei China Southern Airlines ein. Der Anteil von fünf Prozent könne weiter ausgebaut werden, hatte Al Baker im Januar erklärt. Außerdem hält die arabische Fluggesellschaft Minderheitsanteile an Cathay Pacific aus Hong Kong, der British-Airways-Mutter IAG, und an der südamerikanischen Latam Airlines.

Al Baker, der seit 1997 an der Spitze von Qatar Airways steht, würde einige Beteiligungen ausbauen. Das Geld dafür liegt bereit – zudem hat er die Position, nötiges Kapital im eigene Land zu akquirieren. Er ist nicht nur verantwortlich für den Flughafen von Doha und anderer Luftverkehrsaktivitäten, sondern nimmt in der Hierarchie von Katar den Rang eines Ministers an. Sein Wort hat Gewicht.

Die Expansion ist aber nicht nur Selbstzweck: Das globale Netz ist für Qatar Airways wichtiger denn je, nachdem die die Nachbarstaaten Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrein und die Vereinigten Arabischen Emirate vor zwei Jahren ein Embargo verhängt hatten. Die Länder werfen Katar vor, terroristische Gruppen in der Region unterstützt zu haben.

Qatar Airways verlor Ziele und muss seitdem große Umwege fliegen. Das belastet die Bilanz des Unternehmens massiv. Im vergangenen Fiskaljahr lag das Minus bei 637 Millionen US-Dollar. Neben der Blockade wirkten sich auch Währungsschwankungen und steigende Kerosinpreise negativ aus.

Die Lufthansa wäre da ein starker Partner. Al Baker betonte in Doha daher, dass Qatar Airways offen für Kooperationen mit der Lufthansa sei. Eine Partnerschafte könnte Codesharing oder Interlining umfassen, also das Teilen von Strecken.

Mehr: Bei der Lufthansa soll der bisher zerstückelte touristische Flugbetrieb zu fernen Urlaubszielen konsolidiert werden. Das Ganze soll auch einen neuen Namen bekommen.

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