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Luftfahrt: Lufthansa-Chef Spohr stimmt Mitarbeiter auf weitere Einschnitte ein

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 16.09.2020 Koenen, Jens
Bislang hatte der Konzern angekündigt, weltweit 22.000 Stellen streichen zu wollen. Die Zahl könnte sich erhöhen. © dpa Bislang hatte der Konzern angekündigt, weltweit 22.000 Stellen streichen zu wollen. Die Zahl könnte sich erhöhen.

Die Lufthansa wird wohl mehr als nur 100 Flugzeuge ausmustern – das bedeutet zusätzlichen Stellenabbau. Am Montag will der Vorstand entscheiden.

Die Zahl ist erschreckend niedrig: Nur noch rund 25 Prozent der Flugkapazität des Jahres 2019 werde man 2020 wegen der Pandemie erreichen können, sagte Carsten Spohr, CEO von Lufthansa, auf einer internen Mitarbeiterveranstaltung am Dienstagnachmittag. Noch im Frühsommer war das Management davon ausgegangen, bis zum Jahresende auf einen Wert von bis zu 60 Prozent zu kommen.

Doch die Kunden halten sich mit Buchungen deutlich zurück. Angesichts der sehr unterschiedlichen und sich ständig ändernden Schutzmaßnahmen in den einzelnen Staaten herrscht eine gewaltige Unsicherheit. Laut Spohr hat die Lufthansa bisher für den Oktober deshalb nur Vorausbuchungen für zehn Prozent der angebotenen Sitze.

Die Folge: Das Management muss die Kosten noch stärker reduzieren als bisher schon. Das Handelsblatt hatte über entsprechende Überlegungen vor eineinhalb Wochen berichtet. Ein Hebel ist die Reduzierung der Flotte um mehr als die bisher angekündigten 100 Flugzeuge.

Beschlossen ist noch nichts, darauf verweist man bei der Lufthansa. Doch am kommenden Montag wird der Vorstand über die künftige Flottengröße entscheiden. Der Aufsichtsrat wird die entsprechenden Vorschläge am folgenden Tag diskutieren und ein Votum abgeben.

Dabei zeichnet sich ab, dass bis zu 130 Flugzeuge den „Fuhrpark“ verlassen könnten. Stark betroffen sind davon wie bei vielen anderen Airlines auf der Welt die großen vierstrahligen Jets. Nur für die Boeing 747-8 sehe er eine wirkliche Zukunft, sagte Spohr bei der internen Mitarbeiterveranstaltung.

A380 hat kaum eine Zukunft

Die Zukunft der Airbus A380 sieht dagegen mau aus. Am Montag werde entschieden, ob weitere Jets dieses Modells aus dem Verkehr gezogen werden, sagte Spohr. Lufthansa hat bereits mit Airbus vereinbart, sechs A380 zurückzugeben. Acht Flugzeuge sind noch im Einsatz, aber wegen der Pandemie derzeit geparkt. Schon länger wird in Lufthansa-Kreisen spekuliert, dass sich der Konzern ganz von dem einstigen Flaggschiff trennen könnte.

Gleichzeitig, so deutete Spohr an, könne man mehr moderne Großraumjets des Typs A350 bestellen. Er gilt als sehr effizient. Und Lufthansa hat im Zuge des bis zu neun Milliarden Euro schweren Rettungspakets des Staates die Auflage mit auf den Weg bekommen, die Flotte klimafreundlicher zu gestalten.

Dafür kann der Konzern mit zusätzlichen Mitteln des Staates rechnen. Die Bundesregierung hat in ihrem Konjunkturpaket im Sommer eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt, um das Fliegen klimagerechter zu machen. Lufthansa könnte einen Teil des Geldes bekommen, ebenso der Rivale Condor. Lufthansa befinde sich dazu in Gesprächen mit Berlin, heißt es im Umfeld des Konzerns.

Der Umbau der Flotte dürfte massive Folgen für die Belegschaft haben. Bisher hat das Management den „Personalüberhang“ auf rund 22.000 Vollzeitstellen beziffert. Dieser Wert dürfte steigen, sollten nun mehr Flugzeuge ausgemustert werden. Offen ist noch, wie viele es letztlich werden. Lufthansa verweist auf die bisher genannte Zahl, daran gebe es aktuell keine Änderung. Intern ist die Rede von 25.000 bis 26.000 Vollzeitstellen, die betroffen sein könnten.

Belegschaft muss sich auf härteren Sparkurs einstellen

Fest steht: Die Belegschaft muss mit einem noch härteren Sparkurs rechnen. Dafür spricht schon allein die äußerst schleppende Ticketnachfrage. Sie dürfte dazu führen, dass auch die wirtschaftlichen Ziele in diesem Jahr verfehlt werden.

Zudem zeichnet sich ab, dass die Airline-Gruppe vorerst nur unterproportional von der Nachfrageerholung im Luftverkehr profitieren wird. Zwar korrigierte auch Eurocontrol – die europäische Organisation der Flugsicherung – die eigene Prognose vor wenigen Tagen ebenfalls nach unten.

Danach sollen bis Jahresende in Europa wahrscheinlich sechs Millionen Flüge weniger als im Vorjahr stattfinden. Bisher hatte Eurocontrol ein Minus von fünf Millionen Flügen erwartet. Doch damit würden in Europa immer noch 45 Prozent der ursprünglichen Flugkapazität erreicht – mehr also, als die Lufthansa erwartet.

Zu erklären ist diese Diskrepanz wahrscheinlich mit der hohen Abhängigkeit der Netzwerkairlines vom Langstreckenverkehr. Airlines wie Lufthansa bieten einen großen Teil ihrer Sitze auf den Verbindungen zu Fernzielen an. Die fehlen derzeit, weil es noch bis Ende des Monats eine globale Reisewarnung der Bundesregierung gibt.

Auch danach ist wegen der steigenden Infektionszahlen nicht zu erwarten, dass bald wieder zahlreiche Kunden etwa in den USA fliegen wollen und werden. Das hat auch Auswirkungen auf die Kurz- und Mittelstrecke. Denn es werden weniger Zubringerflüge benötigt.

Mehr: Die neue Ticket-Flexibilität: Wie Corona die Airlines zu Veränderungen zwingt

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