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Mietwohnungen in Vororten stark gefragt

RP ONLINE-Logo RP ONLINE vor 6 Tagen RP ONLINE

Düsseldorf. Binnen drei Monaten sind Neubauten in Düsseldorf um mehr als vier Prozent teurer geworden. Noch steigen die Preise weiter, weil die Zinsen vorerst niedrig bleiben und manche wegen der Negativzinsen lieber Immobilien kaufen.

 Die Fassade eines Wohnblocks. © Ole Spata Die Fassade eines Wohnblocks.

Jahrelang wurde darüber geklagt, dass die Mieten in den Großstädten in exorbitanter Geschwindigkeit steigen. Und teilweise ist das auch heute noch so. Aber der Trend ist deutschlandweit mittlerweile ein anderer, wie das Berliner Forschungs- und Beratungsinstitut Empirica in seiner jüngsten Analyse für das dritte Quartal des laufenden Jahres ermittelt hat: „Die Wucht des Mietanstiegs in den Schwarmstädten nimmt ab“, heißt es in der Analyse. Und: „Im Gegenzug steigen die Mieten im Umland jetzt erheblich stärker – allerdings von weitaus geringerem Niveau.“

Schwarmstädte sind Orte mit großer Anziehungskraft, die unter anderem dadurch entsteht, dass dort viele Jobs sind und es viele Freizeit- und Kulturangebote gibt. Und deshalb sind sie teuer. Die Menschen, die sich eine Wohnung in den Ballungszentren nicht (mehr) leisten können, ziehen daher vielfach in die Städte und Gemeinden, die man als Speckgürtel bezeichnet. Sie haben einerseits den Vorteil, dass die Preise dort oft niedriger sind. Andererseits liegen sie noch so nah an den Metropolen, dass die Fahrtkosten für Pendler das geringere Übel sind.

Dieser Speckgürtel wird allerdings immer weiter gezogen: „Die Menschen nehmen dafür auch eine gute Stunde Reisezeit in Kauf. Wir haben festgestellt, dass sich die Kaufpreise mitunter halbieren, wenn man 70 bis 80 Minuten von den Schwarmstädten entfernt ist“, sagte Empirica-Geschäftsführer Reiner Braun auf Anfrage unserer Redaktion. Der Trend zu steigenden Preisen indes ist noch ungebrochen, und er gilt auch für die hiesige Region.

Insgesamt hat Empirica ermittelt, dass zwischen Juli und September die Preise für Eigentumswohnungen in Deutschland im Durchschnitt um weitere 2,5 Prozent gestiegen sind, jene für Ein- und Zweifamilienhäuser sogar um vier Prozent. Demgegenüber fällt der durchschnittliche Anstieg der Mietpreise mit 0,9 Prozent noch vergleichsweise moderat aus. Das gleiche Bild ergibt sich, wenn man ausschließlich auf neu gebaute Häuser und Wohnungen schaut: Hier liegt das Plus bei den Wohnungen bei 2,7 und bei den Häusern bei 3,9 Prozent. Auch hier liegen die Mietanstiege mit 1,2 Prozent deutlich darunter. Am teuersten sind bundesweit neue Eigentumswohnungen im bayrischen Landkreis Miesbach, wo der Quadratmeter mittlerweile 11.188 Euro kostet, noch vor München mit 10.712 Euro.

Im Vergleich dazu sind die Preise in Nordrhein-Westfalen beinahe niedrig zu nennen. In Düsseldorf kostet eine vergleichbare Wohnung im Mittel 7261 Euro pro Quadratmeter, weiter rheinaufwärts in Köln lediglich 5843 Euro. Andererseits sind die Preise für Neubauwohnungen in Düsseldorf allein in den vergangenen drei Monaten um mehr als vier Prozent nach oben gegangen, in Münster sogar um fast sechs Prozent, während sie in Köln stabil blieben. In anderen Gegenden wie im Kreis Wesel, in Bonn und im Rhein-Kreis Neuss betrugen die Steigerungsraten zwischen 1,7 und 1,4 Prozent. Binnen zwölf Monaten sind die Preise bundesweit um 11,7 (neue Wohnungen) respektive 14,3 Prozent (neue Häuser) geklettert.

Das Hoch bei den Immobilienpreisen setzt sich also fort, und das geht nun schon über eine Dekade so: Für die zurückliegenden zehn Jahre hat Empirica errechnet, dass sich in diesem Zeitraum die Preise für Neubauwohnungen sowie neu gebaute Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland mehr als verdoppelt haben. Das ist vor allem durch die hohe Nachfrage bedingt, weil viele die seit langem niedrigen Bauzinsen genutzt haben. Andere haben sich in den vergangenen Jahren durch Null- und Negativzinsen bei fest verzinslichen Sparformen veranlasst gesehen, in Immobilien zu investieren. „Da sind viele bereit, höhere Preise für ein Haus oder eine Wohnung zu zahlen“, so Braun. Natürlich tragen auch meist finanzstarke Investoren, die Immobilien als Kapitalanlagen nutzen, zu steigenden Preisen bei. Das alles wird sich in absehbarer Zeit kaum ändern, weil die Europäische Zentralbank keine Anstalten macht, ihre Zinspolitik zu ändern.

Womöglich könnte die Energiewende schon bald für etwas Entspannung bei den Preisen sorgen. „Die Eigentümer werden in den nächsten Jahren schon belastet. Solange Vermieter das auf die Mieter umlegen können, ist das für sie nicht problematisch. Wenn nicht, wird das einen negativen Effekt auf Kaufpreise haben“, so Reiner Braun.

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