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Minimal Webdesign: So funktioniert es richtig

t3n Magazin-Logot3n Magazin 24.10.2020 Dieter Petereit
Würde euch jemand fragen, was dieses Bild darstellt, nachdem ihr es euch angesehen habt. Ihr würdet es noch wissen. Aha! © Photographee.eu / Shutterstock Würde euch jemand fragen, was dieses Bild darstellt, nachdem ihr es euch angesehen habt. Ihr würdet es noch wissen. Aha!

Was ist Minimal Webdesign und wie funktioniert es richtig? Diese Fragen beantworten wir heute. Dabei geht es nicht nur um das Design, sondern ebenso um das Minimal als Gesamtkonzept. Das entstammt nämlich nicht dem Design und ist auch nicht darauf limitiert.

Minimalistisches Design ist in. Sämtliche Flat-Design-Ansätze, Material oder Fluent Design und wie sie nicht alle heißen, bewegen sich in Richtung Minimalismus. Allerdings geht es dabei im Wesentlichen um den Minimalismus in der Darstellung. Icons werden optisch vereinfacht, Farben werden stark reduziert, Seiten erhalten viel Whitespace. So wirken moderne Websites ausgeglichener, ruhiger und überschaubarer. Das ist gut. Aber nur, wenn ihr es nicht dabei belasst.

Minimalismus als Lebensphilosophie

Minimalismus oder Simplizität oder Essenzialismus – drei Worte für den gleichen Ansatz – beschreiben die bewusste Reduktion des Vorhandenen auf das absolut notwendige Minimum. Wobei sich Minimum hier als das erstrebenswerte Maß definiert, nicht etwa als gerade noch akzeptable Untergrenze.

Bezogen auf das Leben an sich, beschreibt Minimalismus den weitgehenden Verzicht auf überflüssigen Konsum, das Wertschätzen der verbleibenden Besitztümer und das achtsame Wahrnehmen seines Umfelds. Die Wohnung eines Essenzialisten glänzt durch viel Whitespace. Die wenigen Möbel sind sorgfältig ausgesucht.

Eine vollgestopfte Bücherwand gibt es ebenso wenig wie andere Sammlungen von Gegenständen, die nur Platz wegnehmen. Im Keller lagern nicht die Klamotten der letzten dreißig Jahre und es gibt auch keine Bestände an Dingen, die eventuell mal irgendwann gebraucht werden könnten.

Minimalismus spiegelt sich auch in der Wohnung wider. (Bildquelle: Pixabay)

Der Minimalist braucht keine 600 Facebook-Freunde und legt keinen Wert darauf, ob ihm bei Twitter nur eine einzige Person folgt. Auch in Beziehungsfragen im weiteren Sinne gilt, weniger ist mehr. Nur echte Freunde bleiben übrig, was zum einen für jene verbliebenen mehr Zeit gibt und zum anderen viel Oberflächlichkeit aus dem Leben entfernt.

Menschen, die den Minimalismus für sich entdeckt haben, fühlen sich häufig glücklicher, weil sie ihr Leben überschauen können, sich nicht getrieben fühlen und achtsam im Umgang mit sich selbst sind. Von dieser Sorte Menschen gibt es leider viel zu wenige, da der Lebensentwurf völlig konträr zu dem läuft, was uns die Werbeindustrie mit brachialer Gewalt täglich um die Ohren haut. Dabei habt ihr sicherlich selbst schon bemerkt, dass Konsum allein nicht glücklich macht. Umso erstaunlicher, dass die Werbeindustrie trotzdem so erfolgreich ist.

Mit Sicherheit können wir jedenfalls eines sagen: Minimalismus funktioniert, wenn er konsequent umgesetzt wird.

Minimalismus als Designphilosophie

Nicht zuletzt im Produktdesign der letzten Jahrzehnte hat sich gezeigt, dass minimalistische Ansätze sehr erfolgreich sind. Der berühmte Produktdesigner Dieter Rams versuchte, seine Produkte stets so minimalistisch zu gestalten, dass sie praktisch keine Benutzeroberfläche mehr hatten, die hätte erklärt werden müssen. Apple orientiert sich an den Ansätzen des Herrn Rams nis heute und ist damit ebenfalls sehr erfolgreich.

Auch euer Arbeitsplatz sollte minimalistisch sein. (Bild: Best Pixels / Shutterstock)

Es ist nicht weniger als logisch: Je einfacher das Design eines Produkts ist, desto einfacher ist dessen Bedienung, desto geringer ist die Schwelle für den potenziellen Bediener, sich mit dem Produkt auseinanderzusetzen.

Niemand liest gerne Handbücher. Deshalb ist es nicht nur wichtig, ein gutes Handbuch zu schreiben, sondern vor allem schon im Vorfeld darauf zu achten, dass es so wenige erklärungsbedürftige Elemente wie möglich gibt. Entsprechend dünn wird dann das Handbuch ausfallen.


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Minimalismus im Webdesign

Ihr habt sicherlich inzwischen erkannt, worauf ich hinaus will. Minimalismus existiert auf allen Ebenen. Stets ist es möglich, etwas weiter zu vereinfachen. Dabei solltet ihr allerdings stets den bekannten Spruch Albert Einsteins im Kopf behalten, der da lautet:

Macht die Dinge so einfach wie möglich, aber nicht einfacher.

Im Webdesign seid ihr natürlich voll im Trend, wenn ihr euch an einen der modernen Designansätze haltet und somit optisch ein Minimal Webdesign abliefert. Allerdings ist diese eher oberflächliche Betrachtung des Layouts, der reinen Optik, nicht ausreichend, um von einem wahren minimalistischen Webdesign sprechen zu können. Dazu bedarf es weiterer Elemente.

Fluent Design: Microsoft hat die Logos aus 3D-Modellen abgeleitet und dann stark vereinfacht. (Quelle: Microsoft)

Gerade im Webdesign wird häufig, gerne auch kundeninduziert, der Fehler gemacht, Webseiten mit jeglichem vorhandenem Content füllen zu wollen. Dem liegt der Gedanke zugrunde, dass das Netz schließlich unbegrenzt Raum bietet. Warum sollte also nicht auch noch der Geschäftsbericht von 2009 Platz finden? Frisst doch kein Brot.

Unter dem Gedanken des Minimalismus solltet ihr indes genau umgekehrt vorgehen und so tun, als wäre der Platz tatsächlich knapp. Die hilfreichste Überlegung, um hier auf die richtige Spur zu gelangen, ist, die Frage zu stellen, was das Ziel der geplanten Website ist. Soll sie verkaufen? Wenn ja, was? Soll sie informieren? Wenn ja, worüber? Je nach Projekt stellen sich weitere Fragen.

Bei der Beantwortung ist es wieder wichtig, minimalistisch vorzugehen, also die Dinge klar auf den Punkt zu bringen. Soll die Website ein Produkt verkaufen, gilt es, die Gestaltung vollständig darauf auszurichten. Kommen mehrere Produkte in Betracht, kann das Paretoprinzip helfen.

Die Website dieses Weinguts verlässt sich auf starke Bilder und ganz wenig Text sowie eine Scroll-Navigation. (Screenshot: t3n)

Das Paretoprinzip beschreibt das statistische Phänomen, dass eine kleine Anzahl von hohen Werten einer Wertemenge mehr zu deren Gesamtwert beiträgt als die hohe Anzahl der kleinen Werte dieser Menge.

Landläufig ist der Effekt durch die Aussage bekannt, dass mit 20 Prozent des Einsatzes 80 Prozent des Ergebnisses erreicht werden kann, während für die verbleibenden 20 Ergebnisprozent 80 Prozent des Einsatzes erbracht werden müssten.

Die Frage, die sich daraus ergibt, ist eindeutig. Was sind eure 20 Einsatzprozent? Wenn ihr einmal identifiziert habt, welche konkreten Tätigkeiten es sind, die euch 80 Prozent des Ergebnisses bringen, könnt ihr euch voll darauf fokussieren und die 80 Prozent zusätzlichen Aufwand für mickrige 20 Prozent Ergebnis einfach aufgeben.

Im Falle unseres Beispiels mit der E-Commerce-Website würden wir also mit unserem Kunden versuchen, zu ermitteln, welche 20 Prozent der Produktpalette 80 Prozent des Umsatzes generieren. Auf diese 20 Prozent würden wir dann die Website optimieren.

Generell sollten Inhalte nur dann auf eine Website gelangen, wenn sie dem zuvor definierten Ziel entsprechen und mutmaßlich zur Erreichung beitragen. Schließlich ist zu beachten, dass wir für bestmögliche Ergebnisse die höchstmögliche Aufmerksamkeit des Website-Besuchers benötigen. Wenn wir ihn nun durch irrelevante, weil nicht zielführende Inhalte ablenken, tun wir weder unseren Besuchern noch uns selbst respektive unserem Kunden einen Gefallen.

Ist das überhaupt eine Homepage? Ja, aber diese Agentur aus Italien treibt den Ansatz auf die Spitze. (Screenshot: t3n)

Übertragt diese Überlegung einfach auf alle Elemente der Website und ihr werdet zu einer schlanken, schnellen, effizienten Präsenz gelangen, die unter allen denkbaren Aspekten Erfolg versprechend ist.

Ihr braucht nicht viele Bilder. Bilder verzögern den Seitenaufbau. Die Bilder, die ihr verwendet, schickt ihr vorher durch einen Minimalisierer wie TinyPNG oder JPEGmini.

Ihr braucht auch nicht viele Farben. Weniger ist mehr. Achtet bei den Farben darauf, dass die Elemente, die ihr zum Auslöser einer Aktion (CTA) erklären wollt, eine dominante Farbe haben, die keines der anderen Elemente hat. Zugleich sollte keines der anderen Elemente farblich ähnlich dominant gekennzeichnet sein.

Wenn ihr schon Drop-Down-Menüs verwenden wollt, dann bitte nicht solche, die innerhalb der zweiten Ebene, also dem eigentlichen Drop-Down, noch weitere Flyouts bieten. Das ist nicht im Sinne der Klarheit und Übersichtlichkeit und bietet dem Besucher viel zu viele Alternativen, als dass er sich auf eine Aktion konzentrieren könnte. Bei der Gelegenheit könnt ihr gleich die Überlegung, eine Sidebar anzulegen, begraben.

Am Ende habt ihr eine ziemlich kleine Website, sowohl vom Gesamtumfang als auch vom Dateigewicht her. Das ist gut unter SEO-Aspekten, aber ebenso unter Konversions-Gesichtspunkten. Und unser Planet freut sich ebenso. Letztendlich mag es euch irgendwie seltsam vorkommen, dass ihr keinen Boliden erschaffen habt. Und es ist gut möglich, dass auch euer Kunde zunächst irritiert ist.

Dann erklärt ihr ihm einfach das Konzept des Minimalismus. Er wird es euch danken.

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